Wirtschaft
02.06.2017

voestalpine kämpft mit den Tücken der Trump-Politik

In den USA drohen nun Strafzölle und Einfuhrhürden. In Kapfenberg soll neues Werk gebaut werden.

Der börsennotierte Stahl-und Industriegüter-Konzern voestalpine (50.000 Mitarbeiter) blickt auf ein durchmischtes Geschäftsjahr 2016/17 (Stichtag: 31. März) zurück. So konnte der Umsatz um zwei Prozent auf 11,3 Milliarden Euro gesteigert werden, aber der Jahresgewinn sank auf 527 Millionen Euro. Das ist ein Minus von 12,5 Prozent. Doch das Eigenkapital beträgt rekordverdächtige sechs Milliarden Euro. Die Auftragsbücher sind derzeit voll. Einer der Motoren ist die Autoindustrie, mit der die Linzer mehr als ein Drittel ihres Umsatzes erzielen.

Gute Aussichten

"Wir erwarten für das Geschäftsjahr 2017/18 eine deutlich positive Entwicklung, beim Umsatz und Ergebnis", sagt Konzern-Chef Wolfgang Eder. "Es wird ein sehr gutes erstes Halbjahr, bezüglich des zweiten sind wir aber vorsichtig." Vor allem das Wirtschaftswachstum in den Hauptmärkten Europa und Südost-Asien befeuert den Stahlriesen, was den wichtigen US-Markt betrifft, gibt es Fragezeichen. Dort muss sich eine "Taskforce USA" mit zwei möglichen Unwägbarkeiten durch die Trump-Administration auseinandersetzen: Strafzölle und Import-Einschränkungen aus Gründen der "strategischen Sicherheit".

Alternativkonzept

"Wir sind einer für europäische Verhältnisse ausgeprägten Willkür der amerikanischen Entscheidungsträger ausgesetzt", sagt Eder. "Der rechtliche Aufwand ist enorm." Vor allem Produkte aus dem Öl- und Gasbereich sowie dem Edelstahlbereich werden betroffen sein. "Es geht um rund 400 Millionen Euro Umsatz", sagt Eder. "Wenn das Vormaterial nicht mehr aus Europa beschafft werden kann, müssen wir schauen, wo wir es sonst herbekommen."

300 Millionen Euro

Indes sind der Eisenbahn-Weichenbereich in den USA und das Roheisen-Werk in Corpus Christi, Texas, von den politischen "Wirren" nicht betroffen. Dazu muss man wissen, dass der Konzern in den USA mit 2500 Mitarbeitern an 47 Standorten 984 Millionen Euro umsetzt. Zuletzt wurde eine Milliarde Euro in das neue Werk in Texas investiert. "Trump hin oder her, wir hätten unsere Investitionen in den USA auf jeden Fall zurückgenommen", sagt der Konzernchef. Es dauere zwei bis drei Jahre bis "neue Dinge laufen".

Neues Werk in Kapfenberg

Hingegen wird im September entschieden, ob in Kapfenberg 300 Millionen Euro in ein Edelstahlwerk gesteckt werden. Die Gespräche mit dem Land laufen. "Wir bauen gerade den Hochwasserschutz für das dortige voestalpine-Gelände. Das ist eine wichtige Voraussetzung für das neue Edelstahlwerk", sagt der zuständige steirische Landesrat Michael Schickhofer zum KURIER. "Wir wollen das Werk unbedingt in die Steiermark holen."