Voest wird zum Autozulieferer

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Foto: PICTURENEWS.AT PETSCHENIG Global Player: Weniger als die Hälfte der 42.000 Voestler arbeiten noch in Österreich. Im Bild ein Kaltwalzwerk am Standort Linz

Knapp zwölf Milliarden Euro setzte die Voest im Vorjahr um und gibt weiterhin Vollgas in der Automotive-Sparte.

Wir sind kein Stahlkonzern mehr, Gott sei Dank." Ein durchaus bizarrer Satz aus dem Mund von Wolfgang Eder. Der voestalpine-Boss ist aber gleich um Klarstellung bemüht: "Wir sind vielmehr ein Verarbeitungsunternehmen." Nur noch ein Drittel des Voest-Geschäfts entfalle auf das reine Stahl-Segment. Tendenz fallend. Eder glaubt gar, dass es in ein, zwei Jahrzehnten in Westeuropa nicht mehr möglich sein werde, konkurrenzfähig Massenstahl zu produzieren. Grund seien steigende Energie- sowie Rohstoffkosten und legistische Steine, die die Politik den Stahlunternehmen in den Weg lege.

Ein vielversprechender Bereich ist hingegen die Autozuliefersparte, die derzeit rund zehn Prozent des Konzernumsatzes erwirtschaftet. Hier gibt der Konzern kräftig Gas. Insgesamt drei neue Werke werden in China, den USA und Südafrika in den kommenden 20 Monaten aus dem Boden gestampft, ein bestehendes in Rumänien erweitert, sagt Eder. Dafür nehme man 100 Millionen Euro in die Hand. Die dort erzeugten Produkte: Karosserieteile aus einem Spezialstahl, der bei höchsten Härtegraden sehr leicht sei. Nachdem man einen Patentstreit gegen den indischen Konkurrenten Arcelor-Mittal gewonnen habe, sei man auf diesem Bereich Weltmarktführer, sagt Eder.

Pipelines

Auch im Erdöl-Pipeline-Geschäft ist die voestalpine umtriebig. Konkret bei Tiefseeröhren, die hohem Druck standhalten müssen. Lediglich zwei weitere Anbieter weltweit können die dafür erforderlichen Grobbleche herstellen, sagt Eder, der der voestalpine die Technologieführerschaft attestiert. Mit einer Meerestiefe von 2600 Metern (im Golf von Mexiko) halte man aktuell den Weltrekord. Den zu brechen der Linzer Konzern selbst gewillt ist. Und zwar in Zusammenarbeit mit dem brasilianischen Energie-Riesen Petrobras, der vor der brasilianischen Küste in 4000 Metern auf Öl gestoßen ist. Die

entsprechenden Pipelines für den Abtransport sollen von der Voest kommen. Verhandlungen mit Petrobras laufen bereits, verrät der Voest-Chef.

Umsatz

Das im März abgelaufene Geschäftsjahr 2011/’12 ist gut verlaufen. Der Umsatz sei auf knapp zwölf Milliarden Euro geklettert, lässt Eder durchblicken. 25 Prozent davon würden außerhalb Europas erwirtschaftet. In zehn Jahren sollen es bereits 45 bis 50 Prozent sein. "Das Wachstum in Europa ist begrenzt." Wie der Konzern das konkret erreichen wolle, sei Teil eines strategischen Masterplans, der bis Jahresende fertiggestellt sein soll. Wachstum sieht Eder vor allem in Südostasien, Brasilien und auch Nordamerika. In den USA habe zuletzt ein Umdenken Platz gegriffen, Eder spricht von einer Re-Industrialisierung. Wirtschaft und Politik würden daran Hand in Hand arbeiten, schwärmt er. Ein weiteres Beispiel dafür, sagt Eder, dass "Europa sich davor hüten sollte, seine Industrie infrage zu stellen".

(kurier) Erstellt am
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