Der Versicherer ist schwer im Bedrängnis geraten.

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Lebensversicherung
07/23/2015

VKI sammelt Schäden der Ergo-Kunden

Ab Freitag Abend können sich geschädigte Ergo-Kunden online beim Verein für Konsumenteninformation registrieren.

von Irmgard Kischko

Der KURIER-Bericht über hohe Verluste, die Kunden mit Lebensversicherungen der Ergo eingefahren haben, hat die Konsumentenschützer in Stress versetzt. Schon ab Freitag, 24. Juli, Abend können sich Betroffene gratis online unter www.verbraucherrecht.at melden. „Wir sammeln die Sachverhalte und prüfen, gegen wen wir Ansprüche geltend machen können“, sagt Peter Kolba vom Verein für Konsumenteninformation (VKI). Auch Rechtsanwalt Johannes Öhlböck überlegt im Auftrag von Mandanten bereits, wer Schadenersatz leisten müsse. Sowohl VKI als auch Öhlböck orten „gravierende Beratungsmängel beim Verkauf der Lebensversicherung durch lokale Volksbanken“.

Tatsächlich wurden die Lebens-Polizzen namens „Rocket“ im Verkaufsprospekt wörtlich „mit Kapitalauszahlung in garantierter Höhe“ beworben. Die Rocket-Produkte wurden zu Jahresbeginn 2010 noch mit einer Verzinsung von 4,88 Prozent im Jahr mit dem Zusatz „im Sparbuchvergleich garantiert“ angepriesen.

Nur wer das Kleingedruckte gelesen und verstanden hat, wusste, dass die Garantie auf einer einzigen Anleihe der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) basierte, die damals schon einen Milliardenverlust schrieb, Staatsgeld benötigte und nicht in der Lage war, Zinsen auf das staatliche Kapital zu zahlen. Das so etwas zwei Jahre nach der Finanzkrise bedenkenlos verkauft wurde, ist verwunderlich. Nun ist die ÖVAG zur Bad Bank Immigon geworden, die die Anleihen mit zum Teil hohen Abschlägen zurückkaufen will.

Kundenfreundlich

Bei der Ergo Versicherung ist man um Schadensbegrenzung bemüht. „Wir arbeiten an kundenfreundlichen Lösungen“, sagt Vorstand Josef Adelmann zum KURIER. Jedenfalls sollen die Verluste aus der Immigon-Anleihe nicht „durch allfällige Abschläge der Versicherung vergrößert werden“, verspricht er. In der Vorwoche hat Ergo den Kunden per Brief allerdings angeboten, dass sie die Lebensversicherung zum jeweiligen Rückkaufswert plus Anleiheverlust kaufen könnten. Diese Rückkaufswerte sind allerdings wegen der Versicherungsprovision und einer „Strafsteuer“ von sieben Prozent recht niedrig. „Die Strafsteuer kassiert der Staat, die kann Ergo nicht ersetzen“, sagt der Ergo-Chef.

Adelmann sieht die Schuld bei der Immigon, die die Anleihe-Verluste gar nicht an Private hätte weitergeben sollen. Die Bad Bank will Privaten jetzt ein neues Offert mit einem besseren Anleihekurs legen – etwas spät allerdings. Denn viele Geschädigte haben das erste Angebot aus Angst, sonst noch mehr zu verlieren, schon unterschrieben.

Der VKI nimmt neben Beratungsfehlern der Volksbanken, einer Mitschuld der Ergo auch die Immigon ins Visier. „Es könnte ja sein, dass der gute Geschäftsteil, der in die Volksbank Wien-Baden wanderte, zu viel Vermögen übernommen hat und die Immigon jetzt zu wenig hat“, mutmaßt Kolba.

Verrechnet

In Deutschland hat Ergo wegen fehlerhafter Computerprogramme die Auszahlung und Gutschriften bei Lebensversicherungen zum Teil überhöht, zum Teil aber auch zu niedrig angesetzt. In 350.000 Fällen wurden nun korrigierte Bescheide verschickt. Für den Düsseldorfer Versicherer, der eine Tochter in Österreich betreibt, ist es nicht das erste Mal, dass er Negativschlagzeilen macht. Bereits 2011 hatte eine Sexreise für besonders erfolgreiche Versicherungsvertreter nach Budapest für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Kurz danahc hatte das Unternehmen fehlerhafte Konditionen bei der Rieser-Rente in Deutschland korrigieren müssen.

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