Wirtschaft
12/05/2011

Vizeaußenministerin Fu Ying: "Der immer wichtigere Partner Europa"

China hält an einem Entwicklungsweg fest, der seinen eigenen Gegebenheiten entspricht.

Als Hugo Portisch, der ehemalige Chefredakteur des KURIER, 1963 nach China aufbrach, musste er ein Visum von der chinesischen Botschaft in Bern holen und nach Hongkong fliegen. Von dort aus fuhr er mit der Bahn über Guangzhou nach Peking, wo der damalige Außenminister, Marschall Chen Yi, ihm ein Interview gab. Heute muss kein Österreicher eine solche Reiseroute nehmen, um nach China zu kommen. Man kann in Wien das Visum beantragen, und die Linienmaschine fliegt täglich zwischen Wien und Peking.

Am 28. Mai 1971 nahmen China und Österreich diplomatische Beziehungen auf. Seit damals profitieren immer mehr Menschen beider Länder von der Entwicklung dieser Beziehungen. 2010 besuchten etwa 200.000 Chinesen auf ihrer Europareise Österreich, unter 100 österreichischen Bürgern gibt es einen, der China schon selbst erlebt hat. Das bilaterale Handelsvolumen pro Tag ist heute so hoch wie das vom ganzen Jahr 1971.

China hält an einem Entwicklungsweg fest, der seinen eigenen Gegebenheiten entspricht. Dank der Reform- und Öffnungspolitik ist es gelungen, eine schnelle Entwicklung zu erzielen und die Lebensverhältnisse der Menschen wesentlich zu verbessern. China ist bereit, stets mit anderen Ländern zu kooperieren.

China betrachtet Europa als seinen immer wichtiger werdenden Partner. Beide Seiten haben den Wunsch, über die reinen Handelsbeziehungen hinaus strategische Zusammenarbeit zu verstärken. Das Strategiepapier "Europa 2020" und Chinas 12. Fünfjahresplan bieten großes Potenzial für die EU und ihre Mitglieder.

Kreuzfeuer

Andererseits ist China oft vom Verhalten mancher Europäer irritiert. Sobald von Menschenrechten die Rede ist, steht China im Kreuzfeuer. In Wirklichkeit streitet China die
universalen Menschenrechte nicht ab, sondern versucht das zu lernen und aufzunehmen, was zu den eigenen Gegebenheiten passt. Auch Europa hat seine Schwierigkeiten, und die Konzepte und Ideen zu europäischen Fragen sind sicher kein Allheilmittel für andere Länder.

Manche Leute haben Sorge, weil sie China als Bedrohung betrachten. Wenn China verschuldeten Ländern Europas eine helfende Hand bietet, heißt es, man verfolge damit eigene Interessen. Chinas Investitionen werden manchmal so interpretiert, als wollte es Europa aufkaufen. Heutzutage leben wir in einer globalisierten Welt, wo jeder von jedem abhängig ist. Im Vorjahr hat China 105,7 Milliarden Dollar ausländische Direktinvestitionen vorgenommen, damit liegt es weltweit an der zweiten Stelle. China hätte doch mehr Gründe gehabt, sich Sorgen zu machen.

China ist ein großes Land mit einer Geschichte von 5000 Jahren und 1,3 Milliarden Menschen. Diese Erfahrungen haben uns gelehrt, bei Problemen in der Zusammenarbeit eine bescheidene und offene Haltung einzunehmen. Die Außenwelt sollte vielleicht auch eine bescheidene und nüchterne Haltung einnehmen, um China besser zu verstehen. Man sollte entspannter miteinander umgehen. China und Europa sind in der Lage, als Partner sich weiter anzunähern.

Ministerin Fu Ying

Amt Die Karrierediplomatin Fu Ying ist Vizeministerin für Auswärtige Angelegenheiten, zuständig für Europa, Hongkong, Macao und Taiwan.

Privat Geboren im Jänner 1953 in der Inneren Mongolei, verheiratet, eine Tochter.

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