Virus ist schuld am Bienentod

Frühlingsboten - Die Binene fliegen schon
Foto: dpa/Frank Rumpenhorst Gefährdete Bienen

Spritzmittel sind nicht hauptverantwortlich für das große Sterben.

"Das Virus ist identifiziert. Jetzt kann man gezielt an Strategien gegen das Bienensterben arbeiten". Benjamin Lamp von der Veterinärmedizinischen Universität Wien spricht vom Flügeldeformationsvirus, das von der Varroamilbe übertragen wird. Derzeit gibt es noch kein Mittel gegen das Virus, betont Lamp. Aber es ist gelungen, das Erbgut des Virus künstlich herzustellen, was die weitere Forschung deutlich erleichtert.

Das ist wichtig, zumal die Zeit drängt. In den Wintermonaten 2014/2015 starben regional bis zu 50 Prozent aller Bienenvölker. Einige Imker haben damals alle Bienenstöcke verloren, und auch heuer wird es wieder hohe Verluste geben.

Neue Gefahr

Laut einer Studie der Freien Universität Berlin und der Martin–Luther-Universität Halle-Wittenberg gibt es nun eine genetische Variante des Virus, die für Honigbienen noch gefährlicher ist. Diese Variante sei "womöglich schon in weiten Teilen Europas verbreitet", heißt es in einer Aussendung der Martin-Luther-Universität.

Dabei sind Bienen für die Bestäubung von Pflanzen notwendig. In den USA, wo das große Bienensterben schon vor mehr als zehn Jahren begonnen hat, werden Imker dafür bezahlt, während der Blüte der Feldfrüchte Bienenvölker aufzustellen.

Für die intensive Forschung am Virus gibt es einen guten Grund. "Hauptauslöser des Bienensterbens scheint dabei nicht, wie bisher vermutet, der Pestizideinsatz in der modernen Landwirtschaft zu sein", heißt es in der Presseaussendung der Veterinärmedizinischen Universität. "Viele Studien konnten zeigen, dass ein Überleben der Bienenvölker maßgeblich von der Belastung durch Varroamilbe und der durch diese Milben verursachten Infektionen mit dem Flügeldeformationsvirus abhängt."

Pestizide

Unbestritten ist, dass es vor allem durch die falsche Anwendung von Insektiziden aus der Gruppe der Neonicotinoide zu größeren regionalen Ausfällen bei der Bienenpopulation gekommen ist. Unbestritten ist auch, dass ein möglichst geringer und sorgfältiger Einsatz solcher Substanzen den Bienen nützt.

Doch auch Professor Karl Crailsheim, von der Karl-Franzens-Universität in Graz, kommt zu einem ähnlichen Schluss. "Wenn Neonicotinoide richtig angewendet werden, sind sie sicher nicht die Hauptursache für große Bienenverluste."

Seit 30 Jahren beschäftigt sich Crailsheim mit dem Verhalten und der sozialen Ordnung von Bienen. Seit zehn Jahren ist sein Forschungsschwerpunkt die Bienengesundheit. "Jene Imker, die gegen die Varroamilbe schlecht oder gar nicht behandeln, haben immer die größten Schäden ", lautet eine Erkenntnis seiner bisherigen Forschung. Die Qualität der Arbeit der Imker ist also auch ein wichtiger Faktor. Zumal die derzeit vorhandenen chemischen Mittel gegen die Milbe auch für die Bienen gefährlich und daher sehr heikel in der Anwendung sind.

Neben einer unsachgemäßen Bienenhaltung und Spritzmittel sind auch Monokulturen mit ihrer begrenzten Blühzeit der Bienenpopulation abträglich. Zumal Mais keine hochwertigen Pollen produziert. Die Schäden durch die Varroamilbe sind eigentlich ein vom Menschen verursachtes Problem. Die Milbe wurde aus Asien eingeschleppt und ist für die dortigen Bienen weit weniger gefährlich, als für die europäischen Bienen.

Natürlicher Tod

Das Wunschziel der Umweltorganisationen, für ein völliges Ende des Bienensterbens zu sorgen, wird allerdings niemals erreicht werden. "Zwischen fünf und zehn Prozent der österreichweiten Bienenpopulation werden auch bei guter Haltung den Winter nicht überleben, schätzt Crailsheim. "Nur was über fünf bis zehn Prozent hinausgeht, ist verstärkte Wintersterblichkeit."

Andreas Anzenberger

Wie der Öko-Aktionismus auch die Politik ergriff

Die Saat der Greenpeace-Kampagne ging auf, ein Minister stolperte darüber.

Greenpeace weiß, wie man eine Kampagne durchzieht: Zuerst wurde die Studie "Bye, bye Biene" präsentiert. "Die negativen Auswirkungen der bienengiftigen Pestizide übersteigen bei Weitem alle angenommenen Vorteile", heißt es dazu in einer APA-Aussendung vom April 2013. Greenpeace-Sprecherin Dagmar Urban verlangte damals ein "sofortiges und vollständiges Verbot der Bienenkiller". Denn "die wissenschaftlichen Belege sind eindeutig."

Es folgten Protestaktionen mit als Bienen verkleideten Aktivisten. Die "Agrar-Lobby" verhindere das Verbot der Neonicotinoide. Die Kampagne war erfolgreich. Ein Neonicotinoid wurde für drei Jahre verboten. Umwelt- und Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) musste gehen.

Am 14.Mai 2013 war der Öko-Aktionismus im Parlament angekommen. Ein Auszug aus den stenografischen Protokollen der 202. Sitzung des Nationalrates.

Heinz-Christian Strache (FPÖ): "Der österreichische Umweltminister hat als langjähriger Vollzugsgehilfe globaler Industrie- und Chemiekonzerninteressen gehandelt... Sie sind ein Giftlobbyist. Sie haben sich so verhalten wie ein Giftlobbyist, Herr Minister Berlakovich....Man muss das System der Mauscheleien und der Preisabsprachen, der Oligopole, der Giftmischer, der Interessen, die dahinterstehen, natürlich sehr, sehr lautstark ans Tageslicht befördern."

Josef Cap (SPÖ): "Damit wir wissen, wovon wir reden. Das sind Nervengifte, die bereits ab einem viertelmillionsten Gramm zum Tod der Biene führen......Es sind Milliarden Bienen daran gestorben. Und das sind Punkte, die man nicht einfach wegschieben kann."

Karlheinz Kopf (ÖVP): "Zur gegenständlichen Diskussion, ob ein bestimmtes Pflanzenschutzmittel am gehäuften Bienensterben schuld ist (Zwischenruf des grünen Abgeordneten Wolfgang Pirklhuber: ,Na selbstverständlich ist es so!‘) Ich habe erhebliche Zweifel daran, das es vielen, die sich hier zu Wort gemeldet haben, tatsächlich darum geht, Nutzen und Risiken abzuschätzen, sondern hier geht es um billiges politisches Kleingeld!"

Eva Glawischnig (Grüne): "Wir haben heute dieses T-Shirt gewählt (Abgeordnete der Grünen tragen ein gelbes T-Shirt mit der Aufschrift ,Ohne Biene gehen wir Maja‘), weil es eine ganz tiefe Weisheit zum Ausdruck bringt ... Österreich hat sich mit ein paar anderen Ländern auf die Seite der Chemielobby gestellt."

(kurier) Erstellt am
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