Bulle und Bär in Frankfurt - in den USA ist Meister Petz auf dem Vormarsch

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Börsen
12/15/2015

Vier Warnsignale für US-Aktien

Von nun an bergab? Indizien deuten an, dass die Boomphase der US-Börsen vorbei sein könnte.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Eine richtungsweisende Entscheidung steht bevor: Es gilt als fix, dass die US-Notenbank Federal Reserve am Mittwoch den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte erhöhen wird. Für Käufer von US-Aktien ist das eine eher schlechte Nachricht – und nicht die einzige. Werden die "Bullen" (das Symbol für steigende Kurse) jetzt in den USA von den "Bären" vertrieben?

1. Rekordschulden

Aktien auf Pump zu kaufen: das ist eine hochriskante Angelegenheit. Kein Wunder also, wenn sich kritischen Beobachtern die Stirn kräuselt. Die Schuldenaufnahme für Aktienkäufe bricht heuer laut offiziellen Wall-Street-Daten alle Rekorde (Grafik) – sogar, wenn man die Inflation herausrechnet. Die Nullzinspolitik macht’s möglich: US-Anleger hatten ihre Aktien im April mit sage und schreibe 507 Milliarden US-Dollar an Schulden belehnt. Zum Vergleich: Im Sommer 2007, kurz vor dem gewaltigen Einbruch der US-Börsen durch die Immobilienkrise, lag der Spitzenwert bei 378 Milliarden US-Dollar.

Das ist bedenklich. Solange die Kurse raufgehen, ist alles bestens: Spekulanten können ihre Wertpapiere mit immer neuen Krediten belehnen. Aber wehe, wenn die Kurse einbrechen. Dann fällt das Kartenhaus zusammen und der Investor muss Geld nachschießen. Schlimmstenfalls geht er pleite – und das Brokerhaus, das die Kredite vergeben hat, gleich mit.

Allerdings ist die Schuldenaufnahme von April bis Oktober auf 472 Milliarden Dollar zurückgegangen. Manche Analysten halten das für das eigentlich Bedrohliche, weil es ein Hinweis auf den gesunkenen Risikoappetit der Investoren ist. Kündigt sich dadurch schon ein Bärenmarkt an?

2. Chefs verkaufen

Wenn Vorstände und Großaktionäre von börsenotierten Unternehmen Aktien verkaufen, beäugen das Börsianer besonders argwöhnisch. Schließlich sollten die Chefs wissen, wie es um die Zukunftsaussichten ihres Unternehmens bestellt ist. Im November 2015 lagen diese "insider sellings" in den USA mit 7,6 Milliarden Dollar ungewöhnlich hoch, deutlich über früheren Jahren. Übertroffen wurde der Wert nur im Mai – und kurz später ging es im Juni und August mit dem US-Index S&P500 bergab. Kein Indiz für weitere Höhenflüge der US-Börsen.

3. Gewinne sinken

Eine Analyse der S&P500-Unternehmen liefert Hinweise für eine Gewinnrezession. Das heißt, dass die einträglichste Phase für die US-Konzerne bereits vorbei scheint. Sie schreiben zwar noch keine Verluste, aber ihre Gewinne haben Mitte 2014 den Zenit überschritten. In den ersten drei Quartalen 2015 sind die Gewinne um 25 Milliarden Dollar geschrumpft.

"Nach der starken Rallye der vorangegangenen Jahre greift eine gewisse Skepsis um sich", sagt Monika Rosen-Philipp, USA-Expertin bei der Bank Austria. "Wir sind für nächstes Jahr für Aktien zwar positiv gestimmt, haben die USA aber untergewichtet, weil dort der Zyklus am weitesten fortgeschritten ist."

4. Zinswende

Das vierte Alarmsignal kommt von der Fed, welche erstmals nach fast zehn Jahren die Zinsen in den USA anhebt statt senkt. Damit geht die Phase des ultrabilligen Geldes, welche die Aktienkäufe in den vergangenen Jahren befeuert hat, langsam, aber sicher zu Ende – zumindest auf der anderen Seite des Atlantik.

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