Wirtschaft
10.10.2017

Vier Lehrberufe bei Mautner Markhof

75 Lehrlinge bildete der Senfmacher schon aus – die Suche nach Nachwuchs fällt immer schwerer.

Dass man in der Nähe der Firma Mautner Markhof ist, merkt man am Geruch. Weht der Wind von Osten, riecht es säuerlich nach Senf, bläst er von Süden, liegt die Süße des Sirups in der Luft.

Hier, im 11. Wiener Gemeindebezirk, liegt der Firmensitz und Produktionsstandort von Mautner Markhof – österreichischer Marktführer bei Senf und Feinkost-Produzent. 135 Mitarbeiter arbeiten hier, "fast die Hälfte ist seit mehr als zehn Jahren bei uns", erzählt Geschäftsführer Jürgen Brettschneider. Geht er durch den Betrieb, grüßt er jeden mit Vornamen und Handschlag. Er ist selbst seit 28 Jahren im Unternehmen, arbeitete sich vom Chemielabortechniker zum Geschäftsführer hoch.

Industriekaufmann

Man scheint gerne hier zu arbeiten – und auch zu bleiben. Mautner Markhof bildete schon 75 Lehrlinge aus, ein Viertel von ihnen arbeitet heute noch hier. Ausgebildet wird in vier Lehrberufen: Industriekaufmann/-frau, LabortechnikerIn, MetalltechnikerIn und LebensmitteltechnikerIn.

Besonders letzterer sei ein Lehrberuf mit Zukunft, so Brettschneider. Denn: "Er ist vielfältiger, als das, was es an Ausbildung bisher für den Lebensmittelbereich gab. Heute braucht man in der Lebensmittelindustrie einen Schlosser, Chemietechniker und Laboranten in einem." Brettschneider hat sich deshalb dafür eingesetzt, dass der Lebensmitteltechniker 2008 ein Lehrberuf wurde. Heute hat er sich etabliert, denn "jedes Jahr schließen zwei volle Klassen ab", ist der Geschäftsführer, der auch Ausbildungsleiter und Vorsitzender der Arbeitsgruppe der Lebensmitteltechniker in der Wirtschaftskammer Österreich ist, stolz.

Vom Lehrling zum Chef

Einer der ersten Lebensmitteltechniker in Österreich ist Stephan Bidlo. Er absolvierte den ersten, den Gründungslehrgang in 2008. 2012 wurde er von Mautner Markhof übernommen. Heute ist er Stellvertretender Abteilungsleiter in der Senf- und Feinkostproduktion. Gekonnt erklärt er bei der Führung durch den Betrieb, wie Senf vom groben Korn zur geschmeidigen, feinen Paste auf unserem Teller wird, welche Verantwortung er hier trägt.

Motivierte Lehrlinge, die später zu unverzichtbaren Mitarbeitern werden – davon wünscht sich Brettschneider mehr. Leicht sei das nicht. "Heuer werden wir zum ersten Mal keinen Industriekaufmann ausbilden", klagt er. Es hätten sich schlicht keine passenden Kandidaten gefunden. Er hofft, im nächsten Jahr dafür zwei aufnehmen zu können.

Die Gründe für die schwierige Lehrlingssuche? "Einerseits das Niveau – da fehlt es an der Basis. Zweitens: Man hat das Gefühl, Lehre macht nur jemand, der sonst nichts anderes mehr findet. Die Jungen sind nicht wirklich motiviert. Und das ist nicht gut." Dabei biete der Betrieb den Jungen viel: kostenlose Mittagessen; Prämiengutscheine für ausgezeichnete Zeugnisse; vier Mal im Jahr wird zu einem Chef- und Lehrlingsfrühstück geladen, um sich besser kennenzulernen, zu erfahren, wo vielleicht der Schuh drückt. "Wir haben ein breites Portfolio. Hier kommt der Lehrling in alle Abteilungen, lernt viel praktische Erfahrung", sagt Brettschneider. "Entwickelt er sich nach der Lehre gut, kann er gehaltlich einen entsprechenden Aufstieg machen."