Fünf Jahre nach der Lehman-Pleite gebe es für die USA noch viel zu tun, so Präsident Obama.

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Wirtschaft
09/14/2012

Vier Jahre nach der Lehman-Pleite

Es ist nicht alles rosig, aber die Wirtschaftsdaten Österreichs haben sich deutlich besser entwickelt als im EU-Durchschnitt.

von Michael Bachner

Selten aber doch sind sich Experten und Bevölkerung einig: Österreich kommt besser als andere Euro-Staaten, sozusagen mit einem blauen Auge aus der Finanzkrise.

"Die umfangreichen Konjunktur- und Arbeitsmarktpakete einschließlich Kurzarbeit sowie das Bankenpaket waren ein wesentlicher stabilisierender Faktor", sagt WIFO-Expertin Margit Schratzenstaller. Und Umfragen zum heutigen vierten Jahrestag der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, die gemeinhin als der Auslöser der globalen Finanzkrise gilt, belegen grundsätzlichen Optimismus: 56 Prozent der von Spectra Befragten blicken der Zukunft mit Zuversicht entgegen, lediglich bei 35 Prozent überwiegt die Sorge. Nach dem Lehman-Kollaps und der rasch folgenden globalen Rezession 2009 war das völlig anders.

Die Daten für Österreich sprechen eben für sich: Zwar sind heute mehr Menschen in Österreich arbeitslos als 2007, im letzten Jahr vor der Krise. Doch auch die Beschäftigung ist auf Rekordniveau. Österreich glänzt mit der niedrigsten Arbeitslosenrate in der EU und hat die zweitniedrigste Jugendarbeitslosigkeit. Oder: Auch die Schulden der Republik sind um 14 Prozentpunkte kräftig gestiegen – von 60 Prozent der Wirtschaftsleistung (2007) auf heuer 74 Prozent. Doch in den meisten Euro-Ländern schaut es trister aus. Der Anstieg im EU-Durchschnitt ist mit 28 Prozentpunkten – von 59 auf 87 Prozent – doppelt so heftig ausgefallen.

Nicht zuletzt liegt auch Österreichs insgesamte Wirtschaftsleistung 2012 deutlich höher als 2007. Geschrumpft ist die Wirtschaft hierzulande nur 2009. Im Durchschnitt der EU-Länder verharrt das BIP aber nach wie vor um etwa ein Prozent unter dem Vorkrisenniveau.

Defizit

Schließlich unterschreitet Österreich als eines von nur sechs Euro-Ländern die erlaubte Schwelle von drei Prozent. 2016 soll sogar ein Nulldefizit erreicht werden.

Für AK-Ökonom Markus Marterbauer hat ein "mäßiges, aber stabiles Wachstum der Konsumnachfrage in den Jahren der Finanzkrise den entscheidenden Unterschied zwischen der Konjunktur in Österreich und der EU ausgemacht". Als Exportnation muss Österreich "höchstes Interesse" an einem Fortbestand der Währungsunion haben. Marterbauer: "Wir wären der Verlierer ökonomischer, sozialer und politischer Desintegration in Europa." So sieht das auch Industrie-Ökonom Christian Helmenstein.

An innerösterreichischen Reformen hält Schratzen­staller den Schuldenabbau sowie eine Steuerstrukturreform für vorrangig. Helmenstein wiederum verweist auf manch internationales Standortranking, in dem Österreich zuletzt durchgereicht wurde, und kritisiert das niedrige Niveau an öffentlichen Investitionen.

Nur Sparen sei eben zu wenig, dieser Gedanke eint die Experten, die "Wachstumskräfte" (Forschung, Bildung etc.) gehörten angesichts der EU-weit flauen Konjunkturentwicklung gestärkt. Was die Steuerfrage betrifft, tritt Schratzenstaller für eine Entlastung des Faktors Arbeit ein, "gegenfinanziert durch die Erhöhung von Umweltsteuern und bestimmten vermögensbezogenen Steuern, die wachstumsverträglicher sind als Abgaben auf Arbeit."

Das Konfliktthema ist in der Innenpolitik bekannt.

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