Wirtschaft
28.06.2017

Vermessung der Agrar-Welt: Mehr größere Betriebe und mehr Bio-Bauern

Im Ackerbau sinkt die Zahl der Betriebe, vor allem im Osten Österreichs. Indes hat Salzburg mit 44 Prozent die höchste Dichte an Biobauernhöfen.

Das " Bauernsterben" bremst sich leicht ein. In den vergangenen drei Jahren haben jeden Tag etwa fünf Landwirte die Mistgabel endgültig hingeworfen. 5162 Betriebe verschwanden von den Ackerfläche, drei Jahre zuvor waren es noch 6000 Landwirtschaften. Fakt ist: Seit 1995 ist die Zahl der bäuerlichen Betriebe um fast ein Drittel auf 161.200 (Stand 2016) gesunken, der Großteil davon (63.000) waren Nebenerwerbsbauern.

"Kleinere Betriebe geben die Bewirtschaftung auf, weil sie sich nicht mehr rentiert", sagt Martina Dötzl von der Statistik Austria zum KURIER. "Es gibt aber zugleich einen Trend zu größeren Betrieben, die aufgelassene Flächen pachten oder kaufen."

In den vergangenen drei Jahren betrug der Rückgang rund drei Prozent. "Dieser Wandel wird in den nächsten Jahren weitergehen", sagt Anton Reinl von der Landwirtschaftskammer zum KURIER. "Im Ackerbau geht die Zahl der Betriebe rasant zurück, insbesondere im Burgenland und in Niederösterreich." Im Burgenland hat sich die Zahl Agrarbetriebe in den vergangenen 20 Jahren auf 8470 deutlich mehr als halbiert.

Trend zur Pacht

Die Äcker und Wiesen werden in der Regel verpachtet. "Wir haben im Burgenland einen Pachtanteil mehr als 60 Prozent", sagt Reinl zum KURIER. In Vorarlberg sind es 45 Prozent, in Niederösterreich 42 Prozent. Auch die Technisierung kurbelt diesen Wandel an. Die Traktoren spielen heute nicht nur alle Hightech-Stückerln, sondern sind größer, teurer und können großräumigere Flächen beackern. "Wenn sie gängige Produkte erzeugen, braucht man eine bestimmte Fläche, um die Kosten hereinzuspielen und um einen Ertrag zu erwirtschaften, von dem man leben kann", sagt der Experte. Aufgrund der kleinstrukturierten Landwirtschaft sind die Produktionskosten in Österreich höher als in anderen Ländern. Bewirtschaftet ein deutscher Bauer fast 59 Hektar, so kommt ein heimischer auf knapp 20 Hektar.

Ab-Hof-Verkauf

"Wir haben in Österreich aber die Chance, dass wir mit qualitativ hochwertigen Produkten und der Vielfalt punkten", sagt Reinl. "Viele Ab-Hof-Verkäufer sind sehr erfolgreich. Wir haben auch bei Obst und Gemüse sehr viel innovative Betriebe. Man versucht saisonale Produkte wie Erdbeeren und Himbeeren regional zu vermarkten." Das läuft auch bei anderen Produkten.

Während die Zahl der Kühe um 20.000 Stück gesunken ist, steigt der Bestand an Schafen und Ziegen leicht. "Bei Milchkühen ist die Milchleistung stark gestiegen. Dieselbe Menge Milch wird heute mit weniger Kühne erzeugt", sagt der Experte. Schafe und Ziegen haben in der Käseerzeugung an Bedeutung gewonnen. Rund 404.000 Schafe umfasste der bestand 2016.

Mehr Bio-Bauern

Österreich ist nach wie vor ein Land des Nebenerwerbsbauern. 54 Prozent aller Höfe werden neben einem Hauptjob bewirtschaftet. Doch hier gibt es mitunter ein Generationsproblem. Rackern sich die Eltern oft bis zum Umfallen ab,wollen die gut ausgebildeten Kinder ihre Freizeit und ihren Urlaub nicht im Stall und auf den Feldern verbringen. Sie haben eine andere Lebensplanung.

Indes verzeichnen die Biobauern einen Zuwachs um 1600 auf 22.300 Betriebe. Salzburg hat mit einem Anteil von 44 Prozent die höchste Bio-Dichte, bundesweit liegt diese bei 16 Prozent.