Wirtschaft
04.04.2017

Veranlagen: Wohin mit der verflixten Milliarde?

Einige Vorschläge für VW-Patriarchen Ferdinand Piëch und die B&R-Gründer – fast ernst gemeint.

Mit solchen Problemen ist Otto Normalverbraucher nie konfrontiert: Ferdinand Piëch darf nach seinem Ausstieg bei VW ungefähr eine Milliarde Euro erwarten. Und auch auf die Gründer der oberösterreichischen Automatisierungsschmiede Bernecker&Rainer wird nach dem Verkauf an ABB ein ähnlicher Geldregen einprasseln. Da stellt sich die Frage: Wohin mit so viel Geld? Was stellt man mit einer Milliarde Euro an?

Bunkern

Wer Dagobert Duck nacheifern möchte, sollte jedenfalls kräftige Fundamente betonieren. Die Goldbarren hätten nämlich ein Gewicht von 26 Tonnen. Leichter würde es als Bares, aber auch 200-Euro-Scheine wiegen immerhin noch 5,5 Tonnen. Somit wären - Währungsrisiko hin oder her - eher Schweizer Franken anzuraten, wo die Tausender-Scheine (ja, die gibt es bei den Eidgenossen weiterhin) auf nur 1,2 Tonnen kommen. Der Stapel wäre allerdings trotzdem fast so hoch wie der Wiener Stephansdom.

Ausgeben

Ein Lamborghini Aventador LP700-4 alleine kostet serienmäßig nur 312.970 Euro. Somit müsste man schon die gesamte Jahresproduktion aller Lamborghini-Modelle aufkaufen. Aber was fängt man dann mit ungefähr 4000 Supersportwägen an?

Mit den Transferrechten aller Kicker in Österreichs Bundesliga kommt man übrigens ebenfalls nicht weit. (Unabhängig von der Frage, ob das ein sehr werthaltiges Investment wäre.) Die werden nämlich nur auf ungefähr 150 Millionen Euro geschätzt.

Sparen

Nullzinsen, egal: Die typisch österreichische Lösung wäre aufs Sparbuch legen. Dabei auf die Einlagensicherung bauen wird allerdings schwierig: Da müsste das Geld nämlich auf 10.000 Sparbücher verschiedener Banken verteilt werden. So "overbanked" ist nicht einmal Österreich.

Anlegen

Wer US-Investor Warren Buffett vertraut, kann die A-Aktien seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway, bekannt als teuerste Aktie der Welt, ordern: 4270 Stück gehen sich immerhin aus.

Fazit: Eine Million Menschen hätte jedenfalls bedeutend weniger Probleme, jeweils 1000 Euro auszugeben. Und es würde die Wirtschaft sinnvoll ankurbeln.

Profis Privatbanken

Etwas ernsthafter betrachtet: Privatbanken sind die selbsternannten Profis im Veranlagen großer Beträge. Gedacht ist das Service für einen exklusiven Kreis: Üblicherweise gibt es in Österreich eine Eintrittshürde ab mindestens einer Million Euro Vermögen. Nach oben sind hingegen keine Grenzen gesetzt. "Wir sind für alle Vermögensgrößen eingerichtet", sagt Susanne Höllinger, Chefin der Kathrein-Privatbank, zum KURIER.

Die Tipps sind nicht viel anders als für jeden Anleger: Oberstes Gebot sei die Risiko-Streuung. Das umfasse in solchen Fällen alle Anlagenklassen: Aktien, Anleihen, Immobilien, Gold, Rohstoffe - als Derivat und physisch -, Unternehmensbeteiligungen von klassischem Private-Equity, über Start-up-Finanzierungen bis hin zu Business-Angel-Modellen, ausgeklügelte Optionenstrategien, Währungen und Investments in Infrastruktur.

Ein Vermögen von einer Milliarde Euro werde üblicherweise in verschiedene Teile mit unterschiedlichen Zielen gegliedert. Um den Erhalt des Vermögens generationenübergreifend zu sichern, sei für den sehr langfristig veranlagten Teil "der reale Kapitalerhalt nach Inflation, Steuern und Kosten, mit einem kleinen Aufschlag" ein übliches Ziel, so Höllinger. Die Rendite tritt hier in den Hintergrund - das bleibt dem mittelfristig veranlagten Teil vorbehalten.

Kommt vor

Ganz hypothetisch ist das Szenario übrigens nicht: Auch in einem kleinen Land wie Österreich kämen "mehrmals im Jahr große Vermögen zur Veranlagung", erklärt Höllinger. Auch internationale Investoren würden Österreich als Ort ihrer Investments wählen. Üblicherweise würden solche Mandate europaweit ausgeschrieben und auf mehrere Segment-Manager (für Aktien, für Anleihen, etc.) verteilt. Für die Koordination, Überwachung von Performance und Risiko zeichnet dann die Privatbank des Vertrauens (das sogenannte "Family Office") verantwortlich.