Wirtschaft
26.10.2017

Varta steht bei Batterien für Elektroautos noch auf der Bremse

Mehrheitseigentümer will mit dem Geld aus dem Börsegang expandieren.

Der Börsegang des deutschen Batterieherstellers Varta in der Vorwoche entwickelt sich bis dato zu einem Erfolg. Nicht nur, dass der Ausgabepreis mit 17,50 Euro am oberen Ende der Preisspanne lag; auch der Kurs legte seitdem auf 22,30 Euro zu. Der österreichische Unternehmer Michael Tojner (Bild), dem nach dem Börsegang noch rund 65 Prozent der Anteile gehören, sieht den Ausgabepreis nicht zu tief angesetzt. "Ich will darüber gar nicht nachdenken, ich bin zufrieden damit. Und wenn die Anleger schon am Beginn etwas dazugewinnen, passt es auch." Im Vorjahr musste der Börsegang mangels Interesse abgesagt werden, jetzt sei die Lage anders, nicht zuletzt wegen des Gewinns, der im ersten Halbjahr mit elf Millionen Euro schon über jenem des gesamten Vorjahres (9 Mio.) lag.

Tojner sieht die Aktie im KURIER-Gespräch als "langfristiges Dividendenpapier", er plant eine 50-prozentige Ausschüttungsquote. "Vielleicht für 2017 noch nicht, aber 2018 bin ich sehr dafür." Grund für die vorläufige Zurückhaltung sei die Möglichkeit von Zukäufen. "Wir haben das ein oder andere Unternehmen außerhalb Europas im Auge. Das könnte heuer noch verlautbart werden." Insgesamt stünden nach dem Börsegang plus zusätzlicher Kredite 300 bis 400 Millionen Euro für Zukäufe und den Ausbau der Produktion zur Verfügung.

Varta solle der wichtigste europäische Player im Batterienbereich werden, nachdem schon viele Hersteller nach Asien abgewandert seien. Der große Unterschied zu den dortigen Anbietern ist aus Tojners Sicht die Qualität. "Wir wollen eine Alternative zu den Billiganbietern sein." Das würde auch von den namhaften großen Kunden wie etwa Google oder Apple honoriert. Bei einem Preis von ca. drei Euro je Batterie sei die Differenz bei einer Virtual-Reality-Brille zum Preis von 900 Euro egal.

Hörgeräte

Varta stellt mit 2000 Mitarbeitern Mikrobatterien für Hörgeräte oder Kopfhörer her; früher auch Haushalts- und Autobatterien. Die Bereiche wurden aber 2007 von den früheren Eigentümern verkauft. Zellen für Elektroautos werden aber auch für Tojner wieder ein Thema, wiewohl er noch ein bisschen auf der Bremse steht. Ursprünglich kündigte er schon 2014 den Bau einer solchen Fabrik an, jetzt ist eine Entscheidung über ein großes Investment erst in zwei bis drei Jahren geplant. "Es hat die Unterstützung der Autobauer zur fixen Abnahme größerer Mengen gefehlt."

"Elektromotoren werden kommen, aber es wird noch ein bissl dauern", sagt Tojner. Die Reichweiten seien noch zu gering und die Batterien zu teuer. Noch werde auf die Lithium-Ionen-Technik gesetzt, sie könnte aber von einer anderen Technologie abgelöst werden. "Das wäre ein Sprung, den wir abwarten wollen." Denn ein Fehlinvestment von ein paar hundert Millionen Euro könne sich Varta nicht leisten.