Wirtschaft
14.06.2017

USA: Inflation schwach, Zinsen steigen trotzdem

Phase des billigen Geldes endet in den USA allmählich; die Eurozone wartet darauf noch lange.

Nur keine unliebsamen Überraschungen: US-Notenbankchefin Janet Yellen tut alles, damit Investoren und Banken nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden. So beschloss die Federal Reserve (Fed) am Mittwochabend, den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf eine Bandbreite von 1,0 bis 1,25 Prozent anzuheben. Diesen Schritt hatten die Märkte schon mit 96 Prozent Wahrscheinlichkeit eingepreist.

Ebenso vorsichtig will Yellen jene Wertpapiere abstoßen, die als Reaktion auf die Krise gekauft wurden und die die Fed-Bilanz von zuvor 800 Milliarden auf 4,5 Billionen Dollar aufgebläht hatten. Die USA straffen also – langsam, aber doch – die Geldpolitik.

Europas Nullzinsen bleiben

In Europa kann davon noch lange keine Rede sein. Die Europäische Zentralbank ( EZB) hat erst vorige Woche an den Nullzinsen festgehalten. Das einzig Neue: Sie hat ein weiteres Absinken der Zinsen ausgeschlossen. Eine rein verbale Veränderung.

EZB-Chef Mario Draghi hält obendrein an den Anleihenkäufen fest, die zusätzlich billiges Geld in den Finanzmarkt pumpen. Das freut Kreditnehmer und verschuldete Staaten, ärgert aber die Sparer und solide Banken. Bis Europas Zinsen so weit sind wie in den USA, werden noch Jahre vergehen.

Amtszeit endet bald

Der Grund für das Auseinanderdriften: Die Erholung der USA nach der Krise ist viel weiter als in Europa. Mit einer Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent ist Vollbeschäftigung erreicht – womit eines der zwei Fed-Ziele erfüllt ist.

Sorgen bereitet hingegen das andere, eine Inflationsrate nahe 2 Prozent. Die Preise steigen nämlich langsamer, als man anhand der guten Konjunktur erwarten könnte. Steigende Zinsen sind da kontraproduktiv – deshalb gibt es Zweifel, ob sich heuer noch wie angekündigt eine weitere Zinsanhebung ausgeht.

Yellen vor Ablöse?

Janet Yellen selbst dürfte übrigens nach Jänner 2018 keine weitere Amtszeit vergönnt sein. Laut US-Medien sucht Trumps Wirtschaftsberater, Ex-Wall-Street-Banker Gary Cohn, einen Nachfolger. Auch diesem selbst werden Ambitionen nachgesagt.