US-Behörde tappt bei Problemen im Dunkeln

Boeing Dreamliner 787-800
Foto: Reuters_THOMAS MUKOYA Japan soll vor der Erstauslieferung des Dreamliners von Boeing offenbar die Sicherheitsstandards für die Maschine gelockert haben.

Weitere Ermittlungen haben keine Ursache für die in Brand geratene Batterie gefunden.

Die Boeing-Langstreckenflugzeuge 787 "Dreamliner" dürften wohl noch eine ganze Weile ausfallen. Weitere Ermittlungen hätten noch immer nicht die Ursache für die in Brand geratene Batterie gefunden, teilte die Unfalluntersuchungsbehörde NTSB am Sonntag mit. Man sei bei den Prüfungen auf keine "offensichtlichen Normabweichungen" gestoßen. Deshalb seien weitere detaillierte Tests nötig.

Ein großer "Dreamliner"-Kunde, das US-amerikanische Flugzeug-Leasingunternehmen ILFC, hält die Probleme des einstigen Boeing-Vorzeigejets aber trotz mehrerer Zwischenfälle für beherrschbar. Boeing befinde sich in einer "schwierigen Situation", sagte ILFC-Chef Henri Courpron dem Handelsblatt.

Bei einer geparkten 787 von Japan Airlines am Flughafen in Boston hatte Anfang Jänner eine Batterie-Explosion einen Brand ausgelöst. Die US-Luftverkehrsbehörde FAA hatte in der vergangenen Woche angeordnet, alle "Dreamliner" in den USA am Boden zu lassen, bis die Ursachen für die Batterieprobleme geklärt sind. Der Airbus-Konkurrent hat die Auslieferung der Maschinen gestoppt, will die Produktion des Langstreckenflugzeugs aber fortsetzen.

Japan lockerte Sicherheitsstandards

Allerdings wurde am Montag bekannt, dass Japan vor der Erstauslieferung des Dreamliners von Boeing offenbar die Sicherheitsstandards für die Maschine gelockert habe. Dies geht aus Unterlagen und Berichten von Teilnehmern hervor, in die Reuters Einsicht nehmen konnte. Die Zugeständnisse, die ein Beratergremium des japanischen Verkehrsministeriums in Sicherheitsfragen rund um das Prestigeobjekt von Boeing machte, seien auch auf Druck der späteren Dreamliner-Kunden All Nippon Airways (ANA) und Japan Airlines (JAL) erfolgt

Damit sollten japanische Firmen unterstützt werden, die rund 35 Prozent der Bauteile des 787er liefern - vom Karbon in den Flügeln bis hin zur Elektronik und den Batterien, die nun im Fokus der Untersuchungen stehen. Dies erfuhr Reuters von mit den Überlegungen vertrauten Personen.

Keine Belege

Allerdings gibt es keine Hinweise oder Belege dafür, dass die Lockerung der Standards zu den aktuellen Problemen geführt hat. Damals ging es auch nicht im Besonderen um die mittlerweile in die Kritik geratenen Lithium-Ionen-Batterien. Allerdings zeigen die Vorgänge, wie eng die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Boeing und seinen japanischen Zulieferern sind - und auch wie einflussreich die Fluggesellschaften. ANA und JAL wollten auf Anfrage keine Stellung dazu beziehen. Die beiden japanischen Fluggesellschaften haben rund die Hälfte aller weltweit ausgelieferten 50 Dreamliner im Dienst.

(APA/Reuters / la) Erstellt am
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