Wirtschaft 12.03.2014

Falschberatung: Ex-Manager punktet gegen Bank

Ex-Verbund-Chef Hans Haider zerrte seine Hausbank vor Gericht. © Bild: APA/Roland Schlager

Privatbank soll Ex-Verbund-Chef Haider bei Griechen-Anleihen falsch beraten haben – Urteil nicht rechtskräftig.

Beim Verkauf von griechischen Staatsanleihen ist es offenbar zu Beratungsfehlern gekommen. Am vergangenen Dienstag hat die Wiener Handelsrichterin Sonja Zimmermann eine Wiener Privatbank dazu verurteilt, dem früheren Verbund-Vorstand Hans Haider und seiner Ehefrau, vertreten durch Anwalt Dieter Böhmdorfer, rund 88.000 Euro zurückzuzahlen und den Verkauf der Griechenland-Anleihen rückabzuwickeln. In der Urteilsbegründung heißt es vereinfacht: Die Risikoeinstufung der Griechenland-Anleihe durch die Bank sei zum Zeitpunkt des Kaufes nicht richtig gewesen. Es handelte sich tatsächlich um eine riskantere Veranlagung, als vom Kunden gewünscht. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Aber der Reihe nach. Hans Haider ist ein durchaus erfahrener Anleger, wie die Richterin im Urteil festhielt. Er investierte seine Ersparnisse vorwiegend in Garantieprodukte und Wertpapiere mit niedrigem Risiko und lehnte Vorschläge seines langjährigen Bankberaters mit höherem Risiko "immer ab". Nur vereinzelt kaufte er auch heiklere Wertpapiere, wie eine Anleihe der Voest, weil er großes Vertrauen in den Stahlkonzern hatte.

So war auch im ursprünglichen Anlegerprofil Haiders bei der Bank seine Risikobereitschaft mit der niedrigsten Stufe "risikoscheu" vermerkt. "Risikoklasse 1" nennt man das in der Bankensprache.

Höheres Risiko

Dennoch empfahl ihm der Berater Anfang 2010 die Papiere der Hellenen. Die Wiener Privatbank stufte die Griechenland-Anleihen in die Risikoklasse 2 (erhöhtes Risiko) ein, Haiders Anlegerprofil wurde später im Einvernehmen an diese Risikostufe angepasst.

Dass ihm damals die wirtschaftlichen Probleme Griechenlands bekannt waren, räumte der ehemalige Energiekonzern-Manager vor Gericht ein, aber einen Zahlungsausfall eines EU-Mitgliedslandes zog er nicht in Betracht.

"Haider durfte darauf vertrauen, dass er von seiner Bank entsprechend seines Veranlagungsziels beraten wird", heißt es im Urteil. Doch das war hier nicht der Fall. Wie das Handelsgericht bescheinigt, hätte die Bank die Griechenland-Anleihen tatsächlich riskanter einstufen müssen: nämlich mit Risikoklasse 3 – hohes Risiko. Das belegt auch ein Gerichtsgutachten des Sachverständigen Christian Imo. Demnach hätten nämlich bei einer korrekten Risikobewertung der Griechenland-Anleihen auch die Risikoaufschläge ("Credit Spreads") und die berühmt-berüchtigten Kreditausfalls-Swaps (CDS) berücksichtigt werden müssen. Laut Imo wäre das für eine Bank "ohne größere Umstände möglich" gewesen.

Erstellt am 12.03.2014