Alfred Gusenbauer (M.) und Karl Sevelda beim Wiener Strategieforum

© /Wiener Strategieforum / Arman Rastegar

Wiener Strategieforum
06/01/2016

Unternehmertum: Zwischen Zwergen und Vollidioten

Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer geht hart mit Österreichs Mentalität ins Gericht.

von Hermann Sileitsch-Parzer

"Ein Aufatmen geht durchs Land", stellt Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer fest. Der Wechsel an der Regierungsspitze könne eine Phase der Veränderung einleiten. Aber: "Österreich ist ein eminent strukturkonservatives Land. Die Kräfte der Beharrung sind im Zweifelsfall stärker", warnte der Ex-Politiker am Mittwoch beim zweiten Wiener Strategieforum an der Wirtschaftsuniversität Wien.

RBI-Chef Karl Sevelda erinnerte in der Podiumsdiskussion wohlwollend, dass Gusenbauer die Interessenvertretungen aus dem Parlament gedrängt hat: "Vielleicht geht auch der neue Kanzler in diese Richtung." Gusenbauers Antwort: "Ich weiß nicht, ob ich ihm das empfehlen kann." Der Konflikt mit Spitzengewerkschaftern seiner eigenen Partei war mit ein Grund für die recht kurze Kanzlerschaft.

"Aufstand der Gartenzwerge"

Wenn jemand die Widerstände aufbrechen könne, dann sei es Kern, sagte der jetzige Unternehmer. Blockierer ortet Gusenbauer freilich auch in den Ländern am Werk. "In Sonntagsreden sind alle für die Förderalismusreform. Wenn aber Mini-Kompentenzen zum Bund wandern sollen, gibt’s den Aufstand aller vorhandenen Gartenzwerge."

Risikobereitschaft und eine Kultur, die Scheitern toleriert: Das wäre der Nährboden für Unternehmertum – darin waren sich Sevelda und Gusenbauer einig. In Österreich mit seiner "Untertanen-" (Gusenbauer) oder "Versorgungsmentalität" (Sevelda) fehle es an beidem.

Briten als Korrektiv

Langsam beginne sich das zu ändern, sagte Irene Fialka vom universitären Gründerservice INITS. Unternehmererfahrung werde im Lebenslauf positiv gewertet. Vielleicht gehe es den Österreichern aber zu gut, vermutete die Start-up-Beraterin. Studien belegten den Zusammenhang zwischen höherer Arbeitslosigkeit und mehr Selbstständigkeit.

Zu Mut zu mehr Eigenverantwortung rief Banker Sevelda auf. Der Staat solle nicht alles bis ins Kleinste regeln. Als Negativbeispiel erwähnte er eine EU-Richtlinie (MiFID2), die 2018 in Kraft tritt. Dann sei es unmöglich, Wertpapiere zu kaufen, ohne zuvor 30 bis 40 Seiten auszufüllen: "Konsumentenschutz ist wichtig. Aber hier geht die Politik davon aus, dass alle Bürger Europas Vollidioten sind." Gusenbauer hofft, dass die Briten – traditionell Befürworter eines schlanken Staates – in der EU bleiben: "Ich will mir gar nicht vorstellen, was das sonst in Brüssel an neuem Regulierungswahn auslösen würde."

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