Wirtschaft
10.05.2017

Unternehmen sollten in einigen Ländern auf der Hut sein

Frankreich ist Spitzenreiter bei den Pleiten in Westeuropa, aber auch in Kroatien und in den USA gibt es einen massiven Anstieg. Sorgenkind am Balkan ist Kroatien.

Im Vorjahr sind die Firmenpleiten in Österreich um 2,1 Prozent auf 5534 Fälle gestiegen. Doch die Konjunkturdynamik wird heuer die Insolvenzen eindämmen. "Wir glauben, dass sich das Insolvenzgeschehen wieder beruhigen wird", sagt Helmut Rödl vom Wirtschaftsinformationsdienstleisters Creditreform. "Wir erleben 2017 eine weitere Stabilisierung der Unternehmen." Vor allem die steigende Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern sei dafür verantwortlich. So sind in der Industrie die Pleiten sogar um 9,1 Prozent zurückgegangen. Nur am heimischen Bau geht der Trend noch in die andere Richtung: Hier sind die Insolvenzen um 10,2 Prozent gestiegen. Es fehlen vor allem Aufträge der öffentlichen Hand.

Fakt ist: In Westeuropa sind die Firmenpleiten 2016 zurückgegangen, am deutlichsten in Spanien (–20 Prozent) und in den Niederlanden (–16,5 Prozent).

In Dänemark, Großbritannien, Luxemburg und in der Schweiz gibt es einen Anstieg. Und Italien kommt laut Rödl seit fast zehn Jahren nicht aus dem Krisenmodus. Die Insolvenzen pendelten sich am Stiefel auf hohem Niveau ein. Ein Drittel aller Pleiten in Westeuropa entfällt auf Frankreich. Mit 61.400 Fällen ist das aber der niedrigste Stand seit 2011.

"In Frankreich ist der Aufschwung insgesamt noch zu schwach", sagt Rödl. In einigen Ländern sollten heimische Firmen auf der Hut sein. Geschäfte mit Russland, der Ukraine und der Türkei bergen aufgrund der politischen Entwicklung auch ein wirtschaftliches Risiko. Die dortigen Insolvenzahlen gelten eher als "willkürlich".

In Südosteuropa ist zum Teil Feuer am Dach. "Der Fall des kroatischen Konzerns Agrokor überdeckt alles", sagt Gudrun Meierschitz vom Kreditversicherer Prisma. Der schwer verschuldete private Nahrungsmittelkonzern Agrokor (60.000 Mitarbeiter, 7,2 Mrd. Euro Umsatz) wurde kürzlich unter staatliche Aufsicht gestellt.

Zu Agrokor gehören Firmen in Bosnien, Ungarn und Serbien. In Kroatien können seit 2015 auch vom Staat Insolvenzen eingeleitet werden. Das führte 2016 zu einem Anstieg um 58 Prozent auf 38.000 Fälle.

Auffällig ist auch die Entwicklung in den USA: Dort haben die Pleiten 2016 um 27 Prozent auf 38.000 Fälle zugelegt. Ursachen sind der starke Dollar und der schwache Export.