Wirtschaft
28.01.2018

Investor befürchtet Zerschlagung der Deutschen Bank

Auch das dritte Geschäftsjahr unter Sanierer Cryan endet mit einem Minus. "Falls in ein paar Jahren die Erträge noch immer nicht sprudeln", könnte das bisher Undenkbare eintreten, heißt es vom Großaktionär Union Investment.

Die Fondsgesellschaft Union Investment fürchtet die Zerschlagung der Deutschen Bank. "Falls in ein paar Jahren die Erträge noch immer nicht sprudeln, könnte auch das heute noch Undenkbare eintreten: Die Zerschlagung der Bank und Verschmelzung mit anderen europäischen Großbanken", sagte Fondsmanager Ingo Speich der Welt am Sonntag. Union Investment ist Großaktionär der Deutschen Bank.

Die Amerikaner hätten der Deutschen Bank viel Geschäft weggenommen. Er setze alle Hoffnungen darauf, dass das Frankfurter Geldhaus zumindest einen Teil der Marktanteile zurückgewinnt und das Ertragswachstum wieder anspringt. "Die Bank muss ihre Kunden zurückgewinnen, nur dann fließen wieder die Erträge und sie schafft es aus der Krise", sagt Speich. Es reiche nicht, nur intern aufzuräumen und die Kosten zu senken. Dem amtierenden Institutschef John Cryan stärkte Speich den Rücken: "Cryan muss bleiben, bis die Sanierung abgeschlossen ist", forderte er.

Hoffen auf Trendwende 2018

Nach zwei Milliardenverlusten in Folge endet bei der Deutschen Bank laut vorläufigen Zahlen auch das dritte Geschäftsjahr unter Sanierer Cryan mit einem Minus. Bereits Anfang Jänner schockte der DAX-Konzern die Börse mit der Nachricht, dass der Vorstand entgegen der Planungen für 2017 nun "einen geringen Verlust nach Steuern" erwarte.

Grund ist die kurz vor Weihnachten beschlossene Steuerreform von US-Präsident Donald Trump. Sie belastet Deutschlands größtes Geldhaus nach Angaben der Bank im vierten Quartal mit rund 1,5 Mrd. Euro. Die Bilanz für das abgelaufene Jahr legt Konzernchef Cryan an diesem Freitag (2.2.) in Frankfurt vor. 2016 stand ein Verlust von knapp 1,4 Mrd. Euro in den Büchern, 2015 musste die Bank ein Rekordminus von rund 6,8 Mrd. Euro verkraften.

"Wir sind davon überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind", betonte Cryan Mitte Jänner beim Neujahrsempfang seines Instituts in Berlin. "Wir haben diesen Weg im Herbst 2015 eingeschlagen und immer gesagt, dass dieser Umbau nicht in ein oder zwei Jahren abgeschlossen sein würde." Es gelte nun, "unsere Kosten weiter zu senken und in unsere Systeme zu investieren".

Ausgemistet

Nach seinem Amtsantritt im Sommer 2015 hatte Cryan radikal ausgemistet. Teure juristische Altfälle wurden konsequent beendet, die IT wird auf Vordermann gebracht, die Integration der Postbank in den Konzern läuft. Ab dem zweiten Quartal 2018 sollen rund 13.000 Beschäftigte der Deutschen Bank und etwa 17.000 Beschäftigte der Postbank unter einem rechtlichen Dach arbeiten.

Doch das Tagesgeschäft schwächelt. Wegen geringer Schwankungen an den Kapitalmärkten fielen im vierten Quartal die Erträge aus dem Handel mit Anleihen, Währungen und Aktien nach vorläufigen Angaben der Bank um fast ein Viertel geringer aus als vor Jahresfrist. Schon länger kämpft das Geldhaus im einst goldenen Kapitalmarktgeschäft mit Gegenwind. Der Verkauf des Privat- und Firmenkundengeschäfts in Polen brockte der Deutschen Bank einen Verlust ein.

Höhere Boni

Für Aufregung sorgte zuletzt, dass das Institut trotz des erneuten Jahresverlusts höhere Boni an die Mitarbeiter ausschütten will als ein Jahr zuvor - nach übereinstimmenden Medienberichten geht es um etwa eine Milliarde Euro. "Wir müssen gerade jetzt in unsere Leute investieren und international wettbewerbsfähig bleiben - auch bei den Gehältern", verteidigte Co-Chef Marcus Schenck den Schritt im Magazin "Focus". "Im Übrigen können unsere Mitarbeiter nichts dafür, dass Donald Trump die Steuern senkt und damit einmalig unser Ergebnis belastet." Schenck betonte, ohne die Belastung durch die US-Steuerreform rechne die Deutsche Bank vor Steuern mit einem positiven Ergebnis für 2017.

Die neuen Steuergesetze in den USA belasten auch bei etlichen US-Konkurrenten der Deutschen Bank die Jahresbilanzen 2017 - auch wenn die Institute wie die meisten US-Unternehmen auf längere Sicht profitieren dürften. Zum einen können Banken US-Steuern nicht mehr so stark durch frühere Verluste - etwa aus der Finanzkrise - drücken: Durch sogenannte Verlustvorträge konnten bisher frühere Fehlbeträge mit künftigen Gewinnen verrechnet und so die Steuerlast gesenkt werden. Zum anderen werden Gewinne, die bisher im Ausland geparkt und so dem US-Fiskus entzogen wurden, mit einer einmaligen Sondersteuer belegt.