Gleich am ersten Tag der Weltklimakonferenz im peruanischen Lima ist Österreich mit dem Negativpreis bedacht worden.

© APA/EPA/PAOLO AGUILAR

UN-Klimakonferenz
12/02/2014

Österreich erhält Negativpreis "Fossil des Tages"

Der Grund: Österreich habe als eine von wenigen Industrienationen bisher keine konkrete Zusage für den "Green Climate Fund" getätigt. Grüne-Umweltsprecherin Brunner: "Peinlich und beschämend."

Österreich ist am ersten Tag der UN-Weltklimakonferenz in Lima in Peru (Details siehe unten) von Umweltschutzgruppen mit dem Negativpreis "Fossil des Tages" bedacht worden. Grund dafür war, dass Österreich als eine von wenigen Industrienationen bisher keine konkrete Zusage für den "Green Climate Fund" getätigt hat. Für die Grüne-Umweltsprecherin Christiane Brunner (Bild) ist dies "peinlich und beschämend".

Im Vorfeld der Konferenz haben alle wichtigen Industrienationen und sogar einige Entwicklungsländer Geld in Höhe von fast zehn Milliarden Dollar für den Fonds zugesagt, mit dem klimarelevante Projekte in Entwicklungsländern finanziert werden sollen. Auch Österreich hat auf der Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 versprochen, einen Beitrag dazu zu leisten. Im Gegensatz etwa zu Deutschland (eine Milliarde Dollar), Schweden (580 Millionen Dollar) Italien (313 Millionen Dollar) oder der Schweiz (100 Millionen Dollar) gab es von Österreich bisher allerdings nur eine vage Zusage, ohne dabei eine bestimmte Summe zu nennen.

"Gerechtfertigt"

"Daher ist die 'Auszeichnung' als 'Fossil des Tages' gerechtfertigt und zugleich peinlich und beschämend für Österreichs Bundesregierung. Österreich sendet damit das Signal an die Weltklimakonferenz: Es ist uns egal, ob es einen Klimavertrag gibt oder nicht", kritisierte Brunner gegenüber der APA.

Brunner ging davon aus, dass Österreich - wenn überhaupt - nur eine "peinlich geringe Summe" in den Klimafonds einzahlen wird. "Mit seiner Beitragsverweigerung riskiert Österreich ein Scheitern der Klimaverhandlungen, da die Befüllung des Klimafonds die erste Bedingung ist, um einen Verhandlungserfolg erzielen zu können", sagte die Umweltsprecherin.

"Schande für Österreich"

Ein ausreichender Beitrag Österreichs läge bei 100 Millionen Dollar. An VP-Umweltminister Andrä Rupprechter (Bild)appellierte Brunner: "Ersparen Sie Österreich diese Schande und fliegen sie nicht ohne unterzeichneten Scheck zur Weltklimakonferenz nach Lima!".

"Die Grünen haben die Bundesregierung schon seit Wochen gewarnt, dass ein Bruch des Versprechens zur Klimafinanzierung aus Österreich eine Schande ist. Österreich ist eines der reichsten Länder der Welt und hält sein Versprechen, den Ärmsten und vom Klimawandel am stärksten betroffenen Menschen zu helfen, nicht. Es gibt überhaupt keine Entschuldigung für dieses unsolidarische Verhalten Österreichs", meinte Brunner. Vergeben wird der "Fossil-of-the-Day"-Preis vom Climate Action Network (CAN), in dem 900 Umweltorganisationen aus der ganzen Welt zusammen geschlossen sind.

Germanwatch stellt Klima-Risiko-Index vor

Am Rande des Klimagipfels stellte die Organisation Germanwatch ihren Klima-Risiko-Index vor. Demnach sind im Vorjahr die Philippinen, Kambodscha und Indien am schwersten von Wetterextremen heimgesucht worden. In den vergangenen 20 Jahren waren es Honduras, Myanmar und Haiti. Experten streiten, welchen Anteil der Klimawandel an den Wetterextremen hat. Der Index ist laut Germanwatch ein Warnsignal und zeige, wie verwundbar Staaten seien.

UN-Konferenz in Lima ringt um Entwurf für Weltklimavertrag

Mit hohen Erwartungen hat in Perus Hauptstadt Lima das Ringen um einen globalen Klimaschutz-Vertrag begonnen. Vertreter aus 195 Ländern verhandeln rund zwei Wochen lang über die Rohfassung eines Weltklimaabkommens, das dann Ende 2015 in Paris verbindlich verabschiedet werden und 2020 in Kraft treten soll.

Im Kern geht es darum, den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase zu verringern und so die fortschreitende Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen.

"Die Welt erwartet von uns, dass wir nicht scheitern", sagte Perus Umweltminister Manuel Pulgar-Vidal zur Konferenzeröffnung am Montag. Es sei klar, dass sich das Zeitfenster für einen erfolgreichen Kampf gegen den Klimawandel bald schließe. "Wir dürfen diese Chance nicht vergeben", mahnte Pulgar-Vidal, der die Konferenz als Gastgeber leitet. Die Chefin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres, warnte, dass das Jahr 2014 vermutlich das heißeste in der Geschichte der Menschheit werde.

"Wir haben zwölf Monate und die Uhr läuft"

In Peru sollen Hauptelemente des Vertrages soweit wie möglich fixiert werden. "Lima ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg nach Paris. Wir haben zwölf Monate und die Uhr läuft. Die Arbeit muss hier vorankommen", sagte EU-Delegationsleiterin Elina Bardram vor dem Start der "LimaCop20". Die Regierungen sind aufgefordert, spätestens bis Ende März 2015 nationale Klimaschutz-Zusagen vorzulegen.

Beflügelt werden die Verhandlungen in Lima von jüngsten Zusagen der beiden größten "Klimasünder" China und USA. Die USA hatten diesen Monat angekündigt, den Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2025 um 26 bis 28 Prozent im Vergleich zu 2005 zu reduzieren. China sagte zu, spätestens 2030 den Maximalwert an jährlichen CO2-Emissionen hinter sich zu lassen und bis dahin den Anteil erneuerbarer Energien auf etwa 20 Prozent zu steigern.

Industrieländer als Vorreiter

Die Entwicklungsorganisation Oxfam forderte die Industrieländer auf, die Vorreiterrolle beim Klimaschutz zu übernehmen und das auch mit Geld. Die finanzielle Unterstützung der armen Länder gegen den Klimawandel sei ein Dreh- und Angelpunkt der Verhandlungen, sagte der Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig. Die reichen Länder müssten sich zu konkreten Schritten verpflichten, die Klima-Hilfen bis 2020 wie versprochen auf 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr zu steigern.

Der Vertreter der in der Gruppe G77 vereinten Entwicklungsländer nannte die bisherigen Milliarden-Zusagen für den Grünen Klimafonds bei weitem nicht ausreichend. Die G77 sei zu konstruktiven Gespräche bereit. Die Entwicklungsländer müssten mit Technologietransfer in die Lage versetzt werden, sich dem Klimawandel anzupassen.

Greenpeace-Aktion bei Machu Picchu

Vor Beginn der Konferenz hatte die Umweltschutzorganisation Greenpeace in der auf mehr als 2000 Metern Höhe liegenden Inka-Ruinenstadt Machu Picchu die Forderung "Klima schützen - Solar ausbauen!" an einen Berg projiziert. "Wir fordern die Teilnehmer der Klimakonferenz auf, konsequent die größte und sauberste Energiequelle zu nutzen: die Sonne", sagte Martin Kaiser, Leiter der internationalen Klimapolitik von Greenpeace.

Skeptisch äußerte sich der Vorsitzende der NaturFreunde Deutschlands, Michael Müller. Es sei ein ermüdendes Ritual, das sich bei den Konferenzen wiederhole. "Zuerst wird - zu Recht - die Dramatik der Situation beschworen, dann unmittelbar vor Beginn der Verhandlungen vor zu hohen Erwartungen gewarnt, im Verlauf der Konferenz bricht die Frustration über Blockaden und Bremser durch und schließlich werden dürftige Resultate so interpretiert, dass es beim nächsten Mal auf jeden Fall besser wird." Klimaschutz sei dabei die Voraussetzung für eine Welt in Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit. "Und das geht uns alle an, diese Fragen dürfen wir nicht länger bewegungsunfähigen Gremien überlassen", betonte Müller.

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