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Wirtschaft von innen
08/26/2015

Überraschender Wechsel im OMV-Vorstand

Rascher als geplant rückt Johann Pleininger auf. Sorgen über Russen-Deal.

von Andrea Hodoschek

Ganz wichtig sei es, Ruhe in das Unternehmen zu bringen, hatte der neue OMV-Chef Rainer Seele, ein Deutscher, noch vor seinem Einstand angekündigt. Davon kann bei Österreichs größtem börsenotierten Unternehmen und wichtigsten Energieversorger auch nach dem unfreiwilligen Abgang von Gerhard Roiss keine Rede sein. Im Konzern brodelt die Gerüchteküche heftig, in Eigentümerkreisen beobachtet man die Entwicklung kritisch besorgt.

Auf der Tagesordnung der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag steht der Punkt " Vorstandsangelegenheiten". Upstream-Vorstand Jaap Huijskes (Exploration und Produktion), ein Niederländer, hat angekündigt, seinen bis 2018 laufenden Vertrag nicht abzudienen, sondern im ersten Halbjahr 2016 zu gehen.

Huijskes will sich, hört man, allerdings noch rascher verabschieden. Zwischen ihm und Seele dürfte die Chemie nicht stimmen. Huijskes soll Probleme mit den Führungsqualitäten des neuen Chefs haben und wolle so früh wie möglich weg, wird intern kolportiert.

Zum Nachfolger soll am Donnerstag OMV-Manager Johann Pleininger bestellt werden. Der 53-Jährige ist in der zweiten Ebene für Exploration zuständig. Ihm wird gute Arbeit attestiert, vor allem beim rumänischen Tochterkonzern Petrom. Der Politik gefällt, dass mit Pleininger ein Österreicher in den Vorstand einzieht. Pleininger gilt als fix, aber bei der OMV weiß man nie, welche Dynamik sich bei Aufsichtsratssitzungen noch entwickelt.

Der neue Upstream-Vorstand hat zwar keine breite internationale Erfahrung, doch diesen Part beansprucht ohnehin Seele für sich. Im Unternehmen und auch in Politkreisen – 31,5 Prozent an der OMV hält die Republik Österreich – wird derzeit besorgt darüber spekuliert, welchen Deal Seele mit seinen Freunden vom russischen Energie-Riesen Gazprom einfädelt.

Ein möglicher Einstieg der Russen bei der Raffinerie Schwechat, über den der KURIER berichtete, ließ in der Regierung die Alarmglocken läuten. Das Thema hat sich somit bereits erledigt.

Abtausch

Neue kolportierte Variante, wie der geplante Asset-Swap (Abtausch von Beteiligungen) mit Gazprom laufen könnte: Die OMV gibt ihre Beteiligungen an zwei Gasfeldern in Norwegen ("Aasta Hansteen", "Zidane") und einem Projekt in Tunesien ("Nawara"-Gasfeld) ab und steigt dafür bei der Entwicklung des russischen Öl- und Gasfeldes "Urengoy" ein. "Wäre ein strategischer Wahnsinn, politisch viel zu riskant", warnen Insider. Die OMV wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

Wolf im Hintergrund?

Kritische Beobachter vermuten, dass Siegfried Wolf, ehemaliger Aufsichtsratschef der alten Staatsholding ÖIAG und Top-Manager beim russischen Oligarchen Oleg Deripaska, im Hintergrund mittaktiert. Wolf und Seele kennen einander über ihre Russland-Aktivitäten.

Im Präsidium der OMV gibt es noch immer enge Verbindungen zur alten ÖIAG-Truppe. Die Fäden laufen beim Auto-Industriellen Peter Mitterbauer (Miba) zusammen.

Der neue Aufsichtsratspräsident der OMV, der Papier-Manager Peter Oswald, saß bis vor kurzem im Aufsichtsrat der Miba AG und in der Mitterbauer Beteiligungs-AG. Mit 21. Juli wurde er dort von Wolf abgelöst.

Ebenfalls in beiden Miba-Aufsichtsräten ist Wolfgang Berndt vertreten. Der Vertraute von Mitterbauer ist wiederum stellvertretender Aufsichtsrats-Präsident der OMV. Womit sich der Kreis schließt.

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