Wirtschaft
22.01.2018

Trump-Steuerreform bringt nur kurzfristig Wachstum

Währungsfonds erhöht Wachstumsprognosen für Eurozone, USA und gesamten Globus. Mahnung an Politik: Sicherheitspolster jetzt anlegen.

US-Präsident Donald Trump schiebt nach Einschätzung des IWF die US-Wirtschaft - und sehr kurzfristig auch die Weltwirtschaft - mit seiner Steuerreform an. Der Internationale Währungsfonds erhöhte am Montag auch deshalb seine Wachstumsprognosen für die USA und Deutschland. "Die Änderungen in der US-Steuerpolitik stimulieren die wirtschaftlichen Aktivitäten." Es gebe dadurch Anreize für Investitionen. Das werde aber auf Kosten späterer Jahre gehen.

Die treibende Kraft hinter der Wachstumsbeschleunigung seien bisher Asien und Europa gewesen. Schon unter Barack Obama habe aber auch die USA anzuschieben begonnen. Der nunmehrige Wachstumsimpuls für die USA durch die neue Steuerreform werde zwar auf die großen Handelspartner ausstrahlen. Dies dürfte aber nur bis ins Jahr 2020 hineinwirken, so der IWF in seinem aktuellen Wirtschaftsausblick. Nach 2022 könnten dann dämpfende Effekte durchschlagen, etwa durch ein größeres US-Leistungsbilanzdefizit oder einen stärkeren Dollar, sagte IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld.

Globale Wirtschaft wächst

Für die globale Wirtschaft rechnet der Fonds mittlerweile mit einem Zuwachs von jeweils 3,9 Prozent in den Jahren 2018 und 2019, in beiden Fällen 0,2 Punkte mehr als noch im Herbst. Die Prognosen für Deutschland wurden um je einen halben Punkt auf 2,3 Prozent in diesem Jahr und 2,0 Prozent im nächsten Jahr hochgesetzt. Der US-Wirtschaft wird jetzt ein Wachstum von 2,7 Prozent 2018 und 2,5 Prozent 2019 zugetraut, der Eurozone heuer 2,2 Prozent (bisher 1,9 Prozent) und kommendes Jahr 2,0 (statt 1,7) Prozent.

Trump reklamiert den aktuellen Aufschwung und die Rekorde an den Börsen für sich, obwohl die Wirtschaftsdaten auch schon unter seinem Vorgänger Obama gut waren. Obstfeld sagte, der Boom habe schon vor Trump begonnen. Dabei habe auch die lockere Geldpolitik vieler Notenbanken eine Rolle gespielt. Die Federal Reserve steuere in den USA zwar um, das aber sehr vorsichtig. Die Europäische Zentralbank habe deutlich gemacht, dass für sie eine Änderung der Nullzinsen noch in ferner Zukunft liege.

Ausruhen gehe nicht

Der IWF appellierte an die Politik, sich nicht auszuruhen. So sollten die aktuell guten Zeiten genutzt werden, um strukturelle Mängel in den Ländern zu beheben. Mehr Menschen und Staaten müssten von der Aufwärtsentwicklung profitieren und Sicherheitspolster anlegen. Andernfalls werde die nächste Krise rascher heraufziehen und schwerer zu bekämpfen sein.

Neben den USA und Deutschland sieht der IWF auch die Wachstumsperspektiven für China optimistischer. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt dürfte dieses Jahr um 6,6 Prozent zulegen und 2019 dann um 6,4 Prozent. Das sind jeweils 0,1 Prozentpunkte mehr als noch im Herbst. Skeptisch ist der Fonds angesichts des geplanten EU-Austritts dagegen für Großbritannien. Hier wird 2018 weiterhin mit 1,5 Prozent Wachstum gerechnet. Für 2019 wurde die Prognose um 0,1 Punkte auf ebenfalls 1,5 Prozent gesenkt.