Wirtschaft
14.06.2017

Trotz Trump-Risiko: US-Firmen bleiben (noch) cool

Die Unternehmen haben den Appetit auf Zukäufe nicht verloren, das Tempo wird aber gebremst.

Droht ein Börsencrash in den USA? Tobias Levkovich, Analyst der Citibank, findet "furchterregend", dass die Zahl der angekündigten Firmenübernahmen auf ein Mehrjahrestief gesunken sei. So seien heuer bisher "nur" 7600 Transaktionen angekündigt. Und während 2013 US-Deals im Wert von 2,06 Billionen Dollar angebahnt wurden, waren es 2016 nur 1,7 Billionen. Weniger Deals habe bisher oft geheißen: Es kündigt sich eine Kurskorrektur an den Börsen an, warnt Levkovich. Was ist dran?

Stimmung ist gut

Eines stimmt: Firmenzukäufe sind ein guter Stimmungsindikator. Die Unternehmensbosse planen nämlich große Deals (M&A, Mergers & Aquisitions) nur, wenn sie darauf vertrauen, dass das Geschäft weiter brummen wird.

Eine KPMG-Umfrage, die am Dienstag veröffentlicht wurde, ergab freilich: Die1300 weltweit befragten Vorstandschefs sind weiterhin sehr optimistisch – wenn auch eine Spur weniger als vor einem Jahr. 69 Prozent glauben, dass die nächsten drei Jahre in ihrer Branche gut verlaufen werden. 2016 waren es sogar 85 Prozent.

Hohe Bewertungen

Die Börsenkurse sind in den USA extrem hoch geklettert. Das macht Kurskorrekturen (Verluste) an den Börsen wahrscheinlicher. Und es heißt auch, dass die Unternehmen schon recht teuer geworden sind – womit sie natürlich weniger als Zukaufsziel e in Frage gekommen. Der Konnex von Börsenkursen und Mergers könnte also ebenso gut umgekehrt sein.

Abweichende Statistiken

Schwächeln die Firmen-Übernahmen? Andere M&A-Experten kommen zu anderen Schlüssen: Das Volumen der Deals zwischen Europa und den USA sei 2017 sogar so hoch wie seit 2007 nicht, analysiert Reuters (Grafik). Trotz Brexit, trotz Trump. "Überraschend ist, dass es weniger, dafür aber größere Deals gegeben hat", kommentierte Hernan Cristerna, M&A-Chef von JP Morgan.

Unbeirrbare Firmen

Apropos: Die US-Unternehmen lassen sich von ihrem erratischen Präsidenten weniger beirren, als viele Europäer denken. In den ersten 100 Trump-Tagen wurden 3100 Merger angekündigt. Nicht nur Kleinvieh: Es waren 13 Megadeals um 5 Mrd. Dollar oder mehr dabei – verglichen mit 12 unter Obama und 21 unter George W. Bush.

Mehr Protektionismus

Trotzdem ist nicht alles in Butter. "Der wachsende Protektionismus in den USA und Großbritannien wird die Aktivitäten nicht stoppen, aber verlangsamen", prognostizierte Karen Cook, Chefin des Investmentbanking bei Goldman Sachs, am Montag bei einer Reuters-Konferenz in London. Premierministerin Theresa May will die britischen Gesetze verschärfen, sodass Zukäufe rascher abgewickelt oder abgeblasen werden müssen.

"Ultimative Bazooka"

Und Trump? Der verfüge über die "ultimative Bazooka", warnte Cristerna: Laut Gesetz beruft der US-Präsident das Kommittee für ausländische Investments (CFIUS, sprich "Sifius") ein, das mit 16 Kabinettsmitgliedern bestückt ist und jede fremde Beteiligung verbieten kann, wenn es die "nationale Sicherheit" bedroht sieht. Was schnell einmal der Fall ist. Speziell für chinesische Interessenten, die US-Ziele ins Auge fassen, sehen die Experten schwarz. Diese hätten es "sehr schwer, das Trump-Twitter-Risiko zu vermeiden", sagte Steve Baronoff von der Bank of America.

Ungewisse Agenda

Viele Firmen warten auch ab, weil ungewiss ist, ob Trump seine Steuersenkungen und Infrastrukturinvestitionen politisch durchbringt. Davon hängt aber der Wirtschaftsausblick maßgeblich ab.

Teurere Kredite

Und auch das Geld für Zukäufe wird knapper werden. Heute, Mittwoch, wird die US-Notenbank so gut wie fix die Zinsen anheben – nicht zum letzten Mal. Damit werden Kredite absehbar teurer.

Fazit: Kommt der Crash?

Ja, irgendwann wird eine Kurskorrektur an den US-Börsen kommen. Wann wissen wir leider nicht. Einen direkten Zusammenhang mit der Zahl der geplanten Firmen-Übernahmen gibt es dabei jedenfalls nicht.