Wirtschaft
04.01.2012

Tremonti rät Italien von IWF-Hilfe ab

Der italienische ehemalige Wirtschaftsminister Giulio Tremonti sieht in einem Hilfegesuch an den IWF die "größte Gefahr" für Italien.

Italien würde der Verlust seiner Souveränität drohen." Italiens Ex-Wirtschaftsminister warnt in einem Interview mit der Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera von Mittwoch Italien davor, finanzielle Hilfe vom Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Eindämmung seiner Verschuldung anzunehmen. Dies wäre für das Land die größte Gefahr. "Der IWF verleiht Kapital und verlangt dafür die Umsetzung seines Programms. Wir wären das erste große Land unter Kontrolle des IWF-Programms", warnte Tremonti. "Die größte Gefahr für Italien ist nicht, einen zusätzlichen Sparplan zu verabschieden, sondern beim IWF um Hilfe bitten zu müssen, wie uns sowohl von Finanzkreisen als auch in der EU geraten wird", so der ehemalige Wirtschaftsminister weiter.

"Mit dem IWF besteht die Gefahr einer dramatischen politischen Spaltung des Euro-Raums zwischen Staaten der ersten Klasse, die immer mehr zählen, und der zweiten Klasse, die immer weniger zählen und die den Strick am Hals haben", so der Wirtschaftsexperte.

Kontrolleure des Internationalen Währungsfonds (IWF) sollen noch im Jänner nach Italien reisen, um die Sparbemühungen der neuen Regierung um Mario Monti zu überwachen. Bisher wurde kein genaues Datum für die Visite genannt. Der frühere Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte sich bei einem EU-Gipfel in Cannes im November bereiterklärt, die Sparpolitik des Landes durch EU und IWF enger überwachen zu lassen. Die Nachfolge-Regierung um Monti hat erst vor kurzem ein 33 Milliarden Euro schweres Sparpaket aufgelegt.

Inflation verdoppelt

Die Teuerung in Italien hat sich 2011 im Vergleich zum Jahr davor fast verdoppelt. Das staatliche Statistikinstitut Istat vermeldete am Mittwoch auf Basis vorläufiger Daten ein Plus von 2,8 Prozent aus. 2010 hatte die Inflationsrate um 1,5 Prozent zugelegt. Allein im Dezember schnellte die Inflation um 3,3 Prozent auf Jahresbasis in die Höhe. Gegenüber November kletterte die Teuerung um 0,4 Prozent. Seit drei Jahren war die Inflation in Italien noch nie so hoch, teilte Istat mit.

Das Statistikamt führte den Anstieg der Inflation auf die höheren Energie- und Lebensmittelpreise zurück. Nach der von der Regierung Monti beschlossenen Erhöhung der Benzinsteuer sind die Spritpreise dieser Tage auf ein neues Rekordhoch von 1,8 Euro pro Liter Benzin geklettert. Der Preis für einen Liter Diesel stieg auf 1,7 Euro.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund