Christoph Leitl in Schanghai: Persönliche Beziehungen sind alles

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Man muss Vertrauen aufbauen
10/25/2014

"Man muss Vertrauen aufbauen"

Der hochrangige Arbeitsbesuch in China neigt sich dem Ende zu. Der KURIER liefert Updates.

von Helmut Brandstätter

Drei Jahre war kein österreichisches Regierungsmitglied in China, seit Montag sind es dafür gleich drei: Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, Außenminister Sebastian Kurz und Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter. Sechs Tage dauert der Arbeitsbesuch in der Volksrepublik.

Dazu führt WK-Präsident Christoph Leitl eine riesige Wirtschaftsdelegation an, und der Präsident der Akademie der Wissenschaft, Zeilinger, ist mit vielen anderen Forschern da. Auch KURIER-Chefredakteur Helmut Brandstätter ist mit vor Ort und liefert Updates.

Christoph Leitl ist schon in Wien ein auffällig positiver Mensch, der es als Aufgabe des Kammerpräsidenten sieht, gute Stimmung zu verbreiten. Aber die verpestete Luft chinesischer Großstädte motivierte ihn noch zusätzlich. Unter dem dicken Smog entdeckt er gleich Chancen für die heimische Wirtschaft: " Die Chinesen sind ein uraltes Kulturvolk, das nicht auf Dauer mit Gesichtsmasken herumlaufen will" , so Leitl (mehr dazu lesen Sie hier).

Man muss Vertrauen aufbauen

Eindrücke vom fünften Tag des China-Besuchs

Zotter hat in Schanghai ein Schokoladentheater wie in der Steiermark. Julia Zotter leitet es seit einem Jahr.

Eindrücke vom vierten Tag des China-Besuchs

Tag 4: Duale Lehrlingsausbildung in China

In Schanghai werden seit 2012 junge Leute ausgebildet wie in Österreich. Duales System: 80% Praxis, 20% Theorie. Nach österreichischem Lehrplan, dadurch machen sie auch eine österreichische Lehrabschlussprüfung. Geschult werden Metalltechniker und Kunststoffformgeber. Das Verpackungsunternehmen Alpla aus Hard und der Spritzgussmaschinenbauer Engel aus Schwertberg haben hier jetzt 22 Lehrlinge.

Zhou Jian, Vizedirektor der Schule sagt: " Wenn nur einer träumt ist es ein Traum. Wenn viele träumen ist es der Beginn einer Wirklichkeit."

Noch etwas zu Tag 3:Quantenphysiker Anton Zeilingerzeigt Vizekanzler Mitterlehner, was er gemeinsam mit chinesischen Wissenschaftlern ausgetüftelt hat. Terminals, die Information austauschen. Der Vorteil: Diese Art von Informationsfluss kann nicht ausspioniert werden. Mehr dazu hier:Quanten, die Chinesisch reden

Eindrücke vom dritten Tag des China-Besuchs

Der 39 jährige Peter Mitterbauer steht in 3. Generation an der Spitze des Autozulieferers Miba. Der Großvater hat als Schlosser begonnen, sein Vater das Unternehmen internationalisiert. Peter Mitterbauer hat selbst 2006/2007 in Suzhou gelebt und das hiesige Werk geleitet.

Die Miba hat insgesamt rund 5200 Mitarbeiter in 20 Ländern. Nach Österreich ist der zweitgrößte Standort in der Slowakei, dann kommt schon China mit rund 700 Arbeitskräften. Hier hat die Miba 60 Millionen investiert und macht in diesem Jahr rund 50 Millionen Umsatz.

Was ist so attraktiv an China? Neben den Arbeitskosten ist es ein beachtliches Steuerprivileg, das jedenfalls in Suzhou galt: In den ersten vier Jahren fielen keine Unternehmenssteuern an, in den Jahren 5 bis 7 nur geringe und jetzt zahlt man 15 Prozent. Aber die Entscheidung für die Produktion in China lag daran, dass ein Autozulieferer dorthin gehen muss, wo Autos gebaut werden. 40 Prozent des Umsatzes macht Miba mit der Autoindustrie. In China werden in diesem Jahr 20 Millionen Fahrzeuge gefertigt, in Europa nur 15 Millionen. Hier werden die Bestandteile für Motoren und Bremsen gebraucht.

Miba produziert aber auch Bestandteile für Schiffsmotoren, LKW , landwirtschaftliche Maschinen und Windturbinen. In Suzhou sind übrigens zwei junge Salzburger Immobilienhändler gut bekannt, die einen Riecher für die Entwicklung der Gegend hatten. Sie haben rechtzeitig Grundstücke gekauft, die später regen Absatz fanden.

Auch KURIER-Karikaturist Michael Pammesberger beschäftigt sich heute gedanklich mit China. Was die ÖVP von den Chinesen lernen kann, sehen Sie hier.

400 der rund 560 Österreichischen Direktinvestitionen liegen in der Region Schanghai, wobei die chinesische Regierung versucht, Regionen in der Mitte und im Westen Chinas zu fördern.

WKÖ Präsident Christoph Leitl ist deshalb mit Unternehmern auf einen Tag nach Chengdu, zwei Stunden westlich von Peking, geflogen. Das BIP von Chengdu ist größer als das von Ungarn, das Wachstum stärker als im Schnitt Chinas. 2013 hat das größte Gebäude der Welt eröffnet, ein wohn Freizeit und Shopping Zentrum.

Und der Leiterplattenproduzent AT&S baut sein neues Werk in Chonqing.

Mehr zu Österreichischen Unternehmen in China lesen Sie hier.


Das größte Gebäude der Welt

Das "New Century Global Centre" in Chengdu ist drei Mal so groß wie das Pentagon und beherbergt einen Indoor-Strand.

Tag 3: Gute Geschäfte zwischen Alpen- und Volksrepublik

Donnerstag früh wird in Schanghai die Konferenz "Austria connect greater China " eröffnet. Hier finden österreichische Geschäftsleute Kontakt zu chinesischen Unternehmen. Bis Samstag diskutieren rund 500 Teilnehmer den Eintritt in den Markt, Fragen von Technologie und Handel, aber auch Finanzierung und Investitionsschutz.

Weil die Österreicher ein musikalisches Volk sind, hat man sich zu Beginn ein munteres Programm einfallen lassen. Chinesische Trommlerinnen , ganz in Gold, schlagen den Rhythmus. Klar, dass da auch die anwesenden Politiker, Vizekanzler Mitterlehner, die Landesräte Patrizia Zoller-Frischauf aus Tirol und Franz Hiesl aus Oberösterreich sowie Christoph Leitl auf die Bühne gebeten werden.

Von einer Fabrik für kleinste Teile geht es dann zu Fuß zur Firma Engel. Die kommt aus Schwertberg und produziert Spritzgussmaschinen für die Automobilindustrie. Eine wachsende Branche angesichts der steigenden Autoproduktion in China. Das Vorarlberger Unternehmen Blum produziert nicht in Shanghai, sondern hat nur ein Auslieferungslager, ein riesiges allerdings. Scharniere für Küchen sind hier gefragt, allerdings wird die Marke Blum oft nicht respektiert. Man kämpft mit Kopien aller Art.

Im Shanghaier Stadtteil Min Hang sind Unternehmen der High-Tech-Industrie aufgereiht, fast wie im Silicon Valley. Nicht weit von Siemens VA Tech produziert AT&S Leiterplatten für Handys und die Automobilindustrie.

Hier wurden 585 Millionen Euro investiert, rund 4250 Mitarbeiter produzieren 160 Millionen Leiterplatten. Hannes Androsch ist Aufsichtsrat-Chef von AT&S. Er argumentiert, dass nicht Arbeitsplätze von Europa verlagert wurden - in Europa könne man das schlicht nicht mehr produzieren.

Eindrücke vom zweiten Tag des China-Besuchs

Mehr über die China-Projekte und -Kooperationen der Universität Graz lesen Sie hier.

Österreichisch-chinesische Forschungsfreundschaft

Helmut List erzählt, dass er 1974 das erste mal mit seinem Vater in China war, damals begann die Zusammenarbeit mit der Tongji. Heute wird gemeinsam an innovativen Antriebssystemen gearbeitet. Viele Absolventen arbeiten in einem technischen Zentrum von AVL List in Shanghai. Ein Abkommen für zusätzliche Kooperationen wurde unterzeichnet.

Die österreichisch-chinesische Forschungsfreundschaft wird am Abend institutionalisiert. Da wird eine Alumni Organisation für alle die in Graz und Shanghai studiert haben, gegründet.

Uni Präsident Pei Gang beginnt seine Begrüßung mit einem innenpolitischen Statement, um das im Moment in China offenbar keiner herumkommt: Das Plenum des ZK der Kommunistischen Partei berät gerade aktuelle Fragen, erklärt er, die Reformen würden dazu führen, die Gesellschaft besser zu organisieren, natürlich auch die Unis.

Mit mehreren Instituten der Tongji Uni wird kooperiert. Mit dem Institut für Eisenbahnwesen etwa. Hier ist China ja gut unterwegs von Peking nach Shanghai kann man schonn 5 Stunden mit einem Hochgeschwindigkeitszug fahren. Rund 300 km/h pro Stunde fährt man in Zügen, die Kritiker freilich zumindest äußerlich an den deutschen ICE erinnern. An der Tongji forscht man stark an Fragen der Sicherheit. Noch in diesem Jahr soll ein Abkommen mit der TU Graz abgeschlossen werden. Die TU Wien und die TU Graz kooperieren seit 2011 mit dem Institut für Architektur und Stadtplanung, es gibt einen Austausch von Studenten und Professoren. Viele Studenten bleiben nach ihrem Studium in Shanghai, hier wird viel gebaut, erklärt Prof. Li Xiangning. Eine Fahrt durch die Stadt bestätigt die Aussage des Professors.

Prof Ma Jun vom Institut für Automobiltechnik spricht gut Deutsch, er hat in Deutschland gearbeitet und im Kitzbühel gerne Urlaub gemacht. Er legt wert auf gute Beziehungen zur Autoindustrie, gerade auch mit AVL List, er kooperiert aber auch mit der TU Graz. Dort hat ihn beeindruckt, dass schon viele mit dem E-Bike fahren. An der Tongji ist das gute alte Fahrrad, das im autoverliebten China seltener wird, noch allgegenwärtig.

Tag 2: Shanghai - Tongji Universität

Ab heute ist Reinhold Mitterlehner in Shanghai, und heute vormittag ist er nur Wissenschaftsminister. Um 9 Uhr früh stehen schon große Autos mit rot-weiß-roten Wimpeln am Campus der Tongji Universität.

Gegründet 1907 vom deutschen Arzt Erich Paulun als Medizin Uni hat sich die Tongji zu einer der führenden Hochschulen Chinas entwickelt. Für den Rektor der TU Graz ist die Tongji einer der besten technischen Unis der Welt. Beim Eingang grüsst der große Vorsitzende Mao, um den sich aber hier niemand kümmert. Wichtiger sind die Öffnung des Landes und Kontakte zu anderen Unis .

Kooperationen mit Österreich

Die TU Graz, die TU Wien, die Wiener Angewandte und die Unis in Linz und Innsbruck kooperieren in verschiedenen Bereichen. Besonders stolz ist man auf einen Lehrstuhl, der von der Grazer Firma AVL List finanziert wird. Hans List, der Vater des aktuellen Firmenchefs Helmut List, hat hier zwischen 1926 und 1932 selbst unterrichtet.

Zwischendurch ein paar Fakten zu Importen und Exporten: Wie China und Österreich wirtschaftlich verbandelt sind

Um ein Gefühl für die Dimensionen zu bekommen: Peking ist mit 16.800 km2 ungefähr so groß wie die Steiermark (16.400 km2). In der "Beijing Planning Exhibition Hall" nimmt das Modell der Megacity ein ganzes Stockwerk ein. Stadtplanung zahlt sich also aus.

Zwei Orte, an denen die Geschichte der Volksrepublik China und der Kommunistischen Partei in Beton gegossen ist...

Christoph Leitl ist ein internationaler Mann, ist er doch auch Chairman der Global Chamber Platform. Also begrüßt er die Teilnehmer des österreichisch-chinesischen Wirtschaftsforums 2014 in Peking mit einem fröhlichen Zao shang hao - Guten Morgen. Dafür gibt es Applaus von den Chinesen.

Leitl verwies darauf, dass in China inzwischen die Dienstleistungen stärker wachsen als die Industrieproduktion. Ein Projekt sieht die Schaffung eines Wintersportorts vor, das Weingut Heinrich aus Deutschkreutz wird mit einem Importeur kooperieren, Umwelttechnologie ist in dem Smog geplagten Land auch willkommen.

Zao shang hao - Guten Morgen!

Freilich gibt es an dem vielgelobten chinesischen Wachstum auch Zweifel. Das größte Problem des Landes ist die Korruption, dazu kommt eine enorme Landflucht. Um die vielen Wanderarbeiter einzugliedern, müssen alleine dafür rund 20 Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden. Das Zentralkommitee der Kommunistischen Partei tagt gerade, um die Einführung von mehr Rechtssicherheit zu beraten. Aber wie soll ein Rechtsstaat funktionieren, wenn die allmächtige Partei immer das letzte Wort haben will? Diesen Widerspruch wird niemand auflösen können. Aber vorerst garantiert die Partei auch Stabilität. Das suchen Unternehmer in diesen wirtschaftlich so schwierigen Zeiten. (von Helmut Brandstätter)

Der Mond-Knochen ist ein kleines Stück Knorpel am Schulterblatt von Schweinen. „In Österreich wird das meist weggeworfen, weil wir keine Verwendung dafür haben“, sagt der Waldviertler Unternehmer Alfred Dachsberger jun. vom gleichnamigen Fleischerzeuger. „Wir waren am Montag in einem Supermarkt in Peking, und da ist mir aufgefallen, dass der Mond-Knochen teurer verkauft wird als das Schweinsfilet.“

Teile vom Schwein, die wir wegschmeißen, sind eine Delikatesse

Dachsberger ist mit einer großen Wirtschaftsdelegation von Agrarminister Andrä Rupprechter im Land der Mitte. Ziel der Reise: Chinas Importbestimmungen für österreichische Fleischprodukte zu öffnen. Der Markt war bisher verschlossen. „In China sind viele Teile vom Schwein, die wir wegschmeißen, eine Delikatesse, die wir für gutes Geld verkaufen können“, sagt der Unternehmer. Also etwa Schweinekopf, Schweinebauch und eben spezielle lokale Delikatessen wie der Mond-Knochen. (von Bernhard Gaul)

Österreich will mit China mehr Geschäfte machen. Ganz ohne Klischees geht es aber nicht. Ein Internet-Portal wurde am Montag präsentiert, da werden in den sozialen Medien und per Internet-TV die Stärken Österreichs gezeigt. Schönbrunn und die Sisi dürfen nicht fehlen, es werden aber auch starke Industriemarken präsentiert. Außenminister Kurz war beim abendlichen Empfang ein beliebtes Motiv für Fotos und Selfies. Männer in seinem Alter üben in China bestenfalls das Tragen von wichtigen Aktentaschen. Bis 2020 soll das Handelsvolumen auf 20 Milliarden Euro verdoppelt werden.

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