Tempo 85: Beliebte Kleintranspor­ter ausgebremst

Walter Naderer, Kleinlaster, Nutzfahrzeuge N1…
Foto: /Naderer   

Ab Juni ist auch in Klein-Lkw, die auf 3500 Kilo "heruntertypisiert" sind, ein Tempo-Begrenzer Pflicht.

Sie sind die beliebten "Lastesel" für viele Wirtschaftstreibende. Ob Handwerker, Händler, Landwirte oder Gewerbebetriebe: Viele benötigen für ihre Transporte einen Kleinlaster. Kein Wunder, dass aktuell 390.000 Fahrzeuge der Klasse N1 in Österreich zugelassen sind (siehe unten).

Darunter sind schätzungsweise 180.000 Fahrzeuge, die eigentlich in die schwerere Klasse N2 fallen würden, aber auf N1 "heruntertypisiert" wurden. Im Fachjargon wird das Ablastung genannt. Es hat den Vorteil, dass diese Kleinlaster unverändert mit dem "klassischen" B-Führerschein gefahren werden dürfen. Und, als netter Nebeneffekt: Eine Überladung dieser Fahrzeuge ist nicht auf den ersten Blick erkennbar, weil sie nicht "in den Federn hängen".

Allerdings kommt es ab Juni in Österreich zu einer Verschärfung, die viele Wirtschaftstreibende mit Mercedes Sprinter, Iveco Transporter und Co. buchstäblich ausbremsen wird.

Striktere Auslegung

Für N2-Fahrzeuge regelt nämlich ein Tempo-Begrenzer ab circa 85 Kilometern pro Stunde automatisch ab. Bisher war es üblich, dass dieser mit der Umtypisierung auf N1 ausgebaut bzw. deaktiviert werden konnte.

Damit ist künftig Schluss. Auf 3500 Kilogramm abgelastete Fahrzeuge bleiben weiterhin als N2 eingestuft. Der Begrenzer muss also aktiviert bleiben. Diesen auszuhebeln sei in keinem anderen EU-Land möglich, lautet die Begründung. Österreich habe die EU-Richtlinie bisher großzügiger ausgelegt – das wird jetzt strikter gehandhabt. Und zwar auch für bereits bestellte Fahrzeuge. Große Automobil-Hersteller, die auf Nutzfahrzeuge spezialisiert sind, laufen dagegen angeblich Sturm.

Neu ist auch: Die jährliche Begutachtung dürfen nur Werkstätten durchführen, die für die Klasse N2 zugelassen sind.

Immerhin: Ein Lkw-Führerschein (C) soll nicht benötigt werden, auch der Tachograph zur Fahrzeitenerfassung oder die Maut-Einheit (GO-Box), die für Lkw über 3,5 Tonnen verpflichtend sind, bleiben den Fahrern erspart.

Walter Naderer, Autohändler und Landtagsabgeordneter in Niederösterreich, hält die Änderungen für unsinnig. Der Schwellenwert von 3500 Kilo sei zwar eine internationale Vorgabe, aber völlig beliebig gewählt. Und die Anhebung auf 4800 Kilo Höchstgesamtgewicht überfällig, sagt Naderer zum KURIER. Zumal das Eigengewicht der Fahrzeuge stetig gestiegen sei; auch um die strengeren Abgasnormen einzuhalten. Die Folge: Die Transporter dürfen um ein Viertel bis zur Hälfte weniger Nutzlast befördern als 1990.

"Reine Geldbeschaffung"

Somit würden immer mehr Kleinlaster überladen – was von der Exekutive verschärft geahndet werde. "Eine reine Geldbeschaffung", kritisiert Naderer. Er will, dass die schwereren Fahrzeuge auch mit dem B-Führerschein gelenkt werden dürfen.

Walter Naderer… Foto: /TP Images Technisch sei die Anhebung kein Problem, weil die Fahrzeuge ohnehin immer leistungsstärker und stabiler würden. Und es würde die Innenstädte und das Klima entlasten, argumentiert Naderer: In den Geschäftsstraßen wäre das Verkehrsaufkommen geringer, wenn die Zusteller höhere Volumina transportieren.

Bei der Höchstgeschwindigkeit plädiert der Landespolitiker für neue Regeln: Fahrzeuge bis 4800 Kilogramm sollten auf Autobahnen 110 km/h fahren dürfen. Und der Begrenzer erst ab 115 km/h einsetzen, damit Schwer-Lkws gefahrlos überholt werden können.

Nutzfahrzeug-Klassen

Was es mit N1 und N2 auf sich hat

Eine Frage des Gewichtes

Die Fahrzeugklassen sind in der EU-Richtlinie 2007/46/EG bzw. Paragraph 3 des Kraftfahrgesetzes (KFG) geregelt. Demnach gilt als Nutzfahrzeug N1 ein Fahrzeug zur Güterbeförderung mit einer zulässigen Gesamtmasse von nicht mehr als 3500 kg. Die Klasse N2 reicht bis maximal 12.000 kg Gesamtmasse.

Die striktere Auslegung der Ablastung wurde bei der Fahrzeugreferententagung der Länder beschlossen. Das Protokoll wirkt wie ein Erlass und tritt nach drei Monaten Übergangsfrist in Kraft. Übrigens: Für Kraftwagen über 3500 kg gilt das Höchsttempo 70 km/h  im  Freiland und 80  auf der Autobahn.

(kurier) Erstellt am
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