Former Telekom Austria CFO Stefano Colombo (L) and former deputy CEO Rudolf Fischer wait for their share manipulation trial at a court in Vienna February 11, 2013. Three former Telekom Austria top managers, including Colombo and Fischer, along with another former employee and a banker are charged with arranging the mass buying of Telekom Austria shares in 2004, causing a surge in the price that triggered a payout of 9 million euro ($12 million) bor bosses. REUTERS/Heinz-Peter Bader (AUSTRIA - Tags: BUSINESS CRIME LAW TELECOMS)

© Reuters/HEINZ-PETER BADER

Telekom-Prozess
02/27/2013

Schuldsprüche für Colombo, Fischer und Trimmel

Ex-Generaldirektor Heinz Sundt wurde dagegen freigesprochen.

von Andrea Hodoschek

Die heimische Justiz bleibt bei ihrer mittlerweile härteren Gangart gegen Wirtschaftsdelikte. In der Kursmanipulationsaffäre, dem ersten Prozess über die Skandal-Vergangenheit der Telekom Austria, gab es am Mittwoch unbedingte Haftstrafen. Der Schöffensenat verurteilte den teilgeständigen ehemaligen Festnetz-Chef und Vorstand Rudolf Fischer wegen Untreue zu drei Jahren. Der ehemalige Finanzvorstand Stefano Colombo, nicht geständig, fasste dreieinhalb Jahre aus. Josef Trimmel, einstiger Leiter des Großkundengeschäfts, erhielt drei Jahre, davon zwei bedingt. Er spielte eine „Randrolle“ und trug zur Aufklärung des Falls bei.

Nur einer der Angeklagten war erleichtert. Heinz Sundt, von 2000 bis 2006 Chef des börsenotierten Großkonzerns, wurde freigesprochen. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig, sowohl Staatsanwalt Hannes Wandl als auch die Verteidiger erbaten sich Bedenkzeit.

„Fischer, Colombo und Trimmel war sehr wohl bewusst, dass sie hier ihre Befugnis missbrauchen“, sagte Richter Michael Tolstiuk, der den acht Tage dauernden Prozess souverän leitete, in seiner Urteilsbegründung. Sie könnten sich auch nicht auf das „Notwehrrecht“ berufen, wie ihre Verteidiger teilweise vorbrachten. Diese argumentierten, der Kurs sei zuvor in Zusammenhang mit der Absicherung des Bonusprogramms nach unten manipuliert worden. Dafür habe es keine Anhaltspunkte gegeben. Das einzig Richtige wäre gewesen, den Aufsichtsrat zu informieren. Bei Sundt habe es zwar Verdachtsmomente, aber zu wenig Anhaltspunkte für einen Schuldspruch gegeben, erklärte der Richter.

„Abenteuerlich“

Der Fall sei abenteuerlich geworden, als 2004 Geldsackerl durch Wien getragen wurden, argumentierte Tolstiuk weiter. Der Broker Johann Wanovits hatte den Telekom-Kurs im Februar 2004 in letzter Sekunde nach oben gejagt. Damit wurde das Ziel des Stock-Option-Programms für den Vorstand (mehr als 392.000 Euro pro Mann) und 95 Manager erreicht. Die Telekom zahlte 8,8 Millionen Euro an die Belegschaft aus. Der Broker erhielt dafür in drei Bargeld-Tranchen und über Scheinaufträge des Ex-Lobbyisten Peter Hochegger insgesamt 990.000 Euro.

Das Bargeld wurde von Hochegger in Plastik verschweißt in seiner Privatwohnung an Ex-Telekom-Vorstand Gernot Schieszler und Trimmel übergeben, die damit zum Treffpunkt mit Wanovits in einem Lokal am Nachmarkt marschierten. Das Verfahren gegen den Broker wurde ausgeschieden und auf April vertagt.

Der Richter bezeichnete die Aussagen von Schieszler, der auf den Kronzeugenstatus und damit auf Straffreiheit hofft, als glaubwürdig und richtig: „Wir können dem Herrn Schieszler sehr wohl glauben.“

Lange wurde vor den Urteilen über die Höhe des Schadens, den die Telekom erlitten hatte, diskutiert. Der Konzern hatte sich als Privatbeteiligter angeschlossen und 9,9 Millionen beantragt: Die Boni sowie die Entlohnung des Brokers. Tolstiuk sprach diese Summe der Telekom als Schadenersatz zu, das Unternehmen muss bei Rechtskräftigkeit nicht mehr auf dem Zivilrechtsweg einklagen.

Fischer-Anwalt Wolfgang Brandstetter erklärte, die Auszahlung der Boni für die Mitarbeiter könne allerdings kein „Untreue-Schaden“ sein. Sondern nur jene Zahlungen, die ohne ausreichenden Rechtsgrund an Wanovits erfolgten. Gegen Fischer sind bereits zwei weitere Anklagen fertig.

Bezeichnend übrigens eine Ansage von Colombo-Verteidiger Rudolf Mayer: „Was früher Geschäfte auf Grund guter Beziehungen waren, ist heute Korruption.“

Die Grün-Abgeordnete Gabriela Moser kann sich jedenfalls freuen. Erst auf Grund ihrer Sachverhaltsdarstellung 2011 begann die Staatsanwaltschaft über den wundersamen Kurssprung zu ermitteln.

Ametsreiter verlängert

Die gute Nachricht für Hannes Ametsreiter, 46: Er bleibt zumindest weitere vier Jahre auf dem Chefsessel der Telekom Austria. Der Aufsichtsrat verlängerte am Mittwoch seinen Vertrag, der noch bis Ende 2013 läuft, um drei Jahre fix bis Ende 2016 mit einer Option auf weitere zwei Jahre Laufzeit. Bereits vor einem Jahr hat der Aufsichtsrat den Vertrag von Finanzchef Hans Tschuden um drei Jahre bis Ende März 2015 verlängert, ebenfalls mit einer Option auf zwei weitere Jahre.

Offen blieb vorerst, wann die Chefetage aufgestockt wird. Ein dritter Vorstand wird derzeit gesucht, eine Entscheidung dürfte aber erst in den nächsten Wochen, spätestens bis zur Hauptversammlung im Mai fallen.

Die weniger gute Nachricht – für Ametsreiter und für die TA-Aktionäre: Die Erste Group senkte am selben Tag das Kursziel für die Telekom-Aktie von 5 auf 4,50 Euro und bekräftigte ihre Empfehlung „Verkaufen“. Als Grund für die Senkung des Kursziels und ein geringeres operatives Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) nennen die Analysten den verschärften Regulierungsdruck in den Mobilfunk-Kernmärkten Bulgarien und Kroatien sowie den harten Wettbewerb in Österreich.

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