Wirtschaft
29.10.2017

Telekom: Eine lästige Kündigung

Musste ein Manager Platz für einen Ex-Politiker und Günstling von Carlos Slim machen?

Am 11. Dezember ist Alejandro Plater, Chef der teilstaatlichen Telekom Austria, vor dem Wiener Arbeitsgericht geladen. Der Statthalter des mexikanischen Mehrheitseigentümers América Móvil soll als Zeuge aussagen. Da der Argentinier Plater immer noch nicht gut Deutsch spricht, beantragte der Anwalt der Telekom vorsorglich einen Dolmetscher.

Zwei Wochen vor seinem 50. Geburtstag komplimentierte die Telekom Bernhard H. (Name der Redaktion bekannt) im Vorjahr hinaus. Der Manager hat seine Kündigung jedoch vor dem Arbeitsgericht angefochten (Aktenzahl GZS Cga 159/16m).

"Ein ganz normaler Vorgang. Wie alle Großunternehmen, führt auch die Telekom rund ein Dutzend solcher Prozesse im Jahr", sagt Telekom-Sprecherin Barbara Grohs.

Im Unternehmen allerdings glauben etliche Mitarbeiter ganz und gar nicht an eine normale Kündigung. Vielmehr wird darüber spekuliert, dass Bernhard H. gehen musste, um den Weg für den Ex-Politiker Ivo Ivanovski freizumachen, ein Günstling von Carlos Slim, Boss und Mehrheitseigentümer von America Movil.

Tatsächlich gibt es Indizien dafür, denn an Zufälligkeiten glaubt bei der Telekom schon lange niemand mehr.

Bernhard H., langgedienter Mitarbeiter, leitete zuletzt als Telekom-Lobbyist das "Head of European Affairs" in Brüssel. Formal wurde er am 9. Dezember 2016 gekündigt, doch schon im Sommer zuvor war das Büro verkleinert und nach der Klage geschlossen worden.

Im September 2016 trat Ivanovski seinen Dienst als Telekom-Lobbyist (offiziell "Leitung International Regulatory & European Affairs")an. Im Jänner 2017 beförderte ihn Plater auch noch und machte ihn zusätzlich zum Chef für "Mergers & Acquisitions".

Dazu muss man wissen, dass Ivanovski bis 2015 in Mazedonien Minister für Informationstechnologie war. Unter dem nach schweren Korruptionsvorwürfen zurück getretenen Premier Nicola Gruevski. Die Telekom Austria ist seit langem in Mazedonien aktiv. Kurz vor Ivanovskis Abgang als Minister fusionierte die Telekom ihre Regional-Gesellschaft Vip mit One, der Mazedonien-Tochter der Telekom Slovenije zum Marktführer.

Slim war der eifrige, junge Minister schon länger aufgefallen. 2013 tanzte der Milliardär bei der Hochzeit seines Schützlings an, vermeldeten lokale Medien. Nach seinem Abgang als Minister wechselte Ivanovski sofort auf die Payroll von América Móvil – als Lobbyist der Mexikaner in Brüssel. Ein Danke vom Konzernboss? Wenigstens anstandshalber hätte Ivanovski eine Cooling-off-Phase einhalten können, kritisierte man in der Branche.

Kurz darauf landete er bei der Telekom Austria. Der damalige Compliance-Officer, Martin Walter, der 2011 geholt worden war, um der skandalgebeutelten Telekom Wohlverhaltens-Regeln beizubringen, soll das Engagement von Ivanovski gar nicht gut geheißen haben. Walter ging Ende 2016. Auch Aufsichtsräte ärgerten sich sehr über die Bestellung des Ex-Politikers.

"Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun", beteuert Grohs. Ivanosvski verfüge über eine Kombination aus den notwendigen Sprachkenntnissen, der Kenntnis der lokalen Gegebenheiten in den Ländern, in denen die Telekom aktiv sei und regulatorischen Themen. Expertise also, " die der andere Arbeitnehmer nicht hatte".

Platers Vorgänger Hannes Ametsreiter hatte an der Qualifikation von Bernhard H. nichts auszusetzen. Der Ex-Telekom-Boss bekundete am 9. Oktober vor dem Arbeitsgericht als Zeuge seine hohe Wertschätzung für den Geschassten. Er sei ein Spitzen-Mitarbeiter gewesen und sehr erfolgreich....