Wirtschaft
06.05.2017

Telefon-Terror legt Wiener Schlüsseldienste lahm

Mit einer neuen Masche versuchen mutmaßliche Kriminelle, die Geschäfte von seriösen Aufsperrdiensten zu blockieren.

Für viele Dienstleistungsfirmen ist eine gute Platzierung bei der Internet-Suchmaschine Google ganz wichtig – so auch für Aufsperr- und Schlüsseldienste. Daher nehmen diese Unternehmen zum Teil viel Geld in die Hand, um bei der Google-Suche ganz oben aufzuscheinen. Doch nun wird es kriminell.

"Seit vier, fünf Wochen werden Wiener Aufsperrdienste, die sich bei Google ganz nach vorne reihen lassen, mit sogenannten Terrorcalls lahmgelegt", sagt Georg Senft, Innungsmeister der Metalltechniker in der Wirtschaftskammer Wien, zum KURIER. "Alle 15 bis 30 Sekunden wird dabei die Telefonnummer des Schlüsseldienstes offenbar mithilfe von Computern angerufen, dadurch wird das Firmentelefon blockiert." Gesprochen wird dabei in der Regel nichts, aber das Unternehmen kann telefonisch keine Aufträge mehr entgegennehmen.

Unternehmer auch bedroht

Sobald die Opfer-Firmen bei Google aber wieder nach unten rutschen, endet die Telefon-Blockade. "Ich habe die Einschaltung bei Google eine Stunde nach Beendigung der Blockade wieder aktiviert, schon wurde ich wieder bombardiert", gab ein verzweifelter Schlüsseldienst-Inhaber bei der Wiener Polizei zu Protokoll. Im schlimmsten Fall werden die Unternehmer laut Innungsmeister Senft am Telefon sogar bedroht.

"Eine Computerstimme teilte einem Firmeninhaber mit, wir haben dich gewarnt, wir zünden dein Geschäft an", erzählt der Experte. Der Bedrohte fürchtet seitdem "um sein Leben". Er will bei Google keine Werbung mehr schalten lassen. "Vermutlich bedeutet das auch, dass ich meine Firma schließen muss", sagte der bedrohte Schlosser zur Polizei. Aufgrund des Schocks ist er derzeit nicht in der Lage zu arbeiten.

Wer steckt dahinter?

Damit wirft sich die Frage auf: Wer sind diese Täter? "Es stecken internationale Leute dahinter", sagt Senft. Aber genau weiß man das nicht. Eine Rückverfolgung der "Terrorcalls" ist nicht möglich, weil die inländischen Handynummern, die dabei aufscheinen, nicht existieren. In einem Fall wurde eine rumänische Nummer angezeigt, aber auch die gibt es nicht.

Ob zwischen dem Telefonterror und den dubiosen Aufsperrangeboten eines in Wien lebenden Tschetschenen ein Zusammenhang besteht, ist unklar. Dessen Aufsperr-Notrufnummern führen zu deutschen Callcentern.

Türen und Schlöser zerstört

"Er bewirbt seine Aufsperrdienste mit Dumpingpreisen. Jedem Konsumenten muss klar sein, dass für fünf Euro keine Aufsperrung erfolgen kann", sagt Senft. "Verlangt werden dann vor Ort aber 700 bis 800 Euro und mehr." Üblich sind hingegen 150 bis 200 Euro, am Samstagabend können es auch 300 Euro werden. Die Opfer, die nicht so viel Bargeld zuhause haben, werden von den unseriösen Handwerkern sogar zum Bankomaten begleitet, oder die Täter nehmen dem Kunden den Reisepass oder das Handy als Pfand ab. Am nächsten Tag kommen die Täter wieder und kassieren den Rest ab."

Mutmaßlich kriminell ist dabei nicht nur der bezahlte Preis, sondern auch die stümperhafte Wohnungsöffnung. "Sie zerstören dabei meist Schlösser und Türen", sagt Senft. "Oft haben sie gar kein Profiwerkzeug mit, leihen sich das Werkzeug bei einem Wohnungsnachbarn oder haben bloß ein Brecheisen dabei."

Vorsicht bei fragwürdigen Aufsperrdiensten

Das empfiehlt die Wirtschaftskammer Wien:

Vor dem Anruf beim Notdienst den Firmennamen googeln, es gibt bereits viele Warnungen vor unseriösen Diensten auf Konsumentenschutzseiten.

Bei einem seriösen Anbieter finden Sie im Internet den Firmennamen, eine vollständige Anschrift und eine Telefonnummer, und in der Regel auch die Firmenbuchnummer und Umsatzsteueridentifikationsnummer (UID).

Seriöse Anbieter sagen Ihnen schon am Telefon, was Ihr Dienst ungefähr kostet. Und bevor Sie vor Ort tätig werden, teilen Sie Ihnen den tatsächlichen Preis mit.

Seriöse Anbieter haben Profiwerkzeug mit.

Vorsicht auch bei Notrufnummern, die zu Callcentern in Deutschland führen bzw. am anderen Ende der Leitung Personen mit bundesdeutschem Akzent abheben.

Kein Pfand (etwa Reisepass) hinterlegen, wenn man vor Ort nicht bezahlen kann.

Bei seriösen Anbietern kann man auch per Einzahlschein (auf ein Firmenkonto) zahlen.

Dubiose Anbieter stellen oft auch keine Rechnung aus, oder eine Rechnung mit der deutschen Umsatzsteuer von 19 Prozent.

Sollten Sie von den dubiosen Handwerkern in Sachen Bezahlung unter Druck gesetzt werden, rufen Sie die Polizei.

So finden Sie einen AufsperrdienstMo.–Fr. untertags über die Innung der Metalltechniker ( 01/51450/2612).
24-Stunden-Hotline: 01/513 513-8.