Österreich gilt als besonders technikfeindliches Land: Während hierzulande nur sechs Prozent der Unter-16-jährigen ein Technik-Studium beginnen wollen, sind es in Südkorea 80 Prozent.

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Wirtschaft zahlt Universität
10/15/2013

Tausende Techniker verzweifelt gesucht

Firmen sponsern heimische Universitäten, um mehr Absolventen zu bekommen.

von Sandra Baierl

Um zu wachsen, brauchen wir Menschen“, sagt OMV-General Gerhard Roiss. „Kriegen wir die? Finden wir die? Wir finden sie nicht, weil Angebot und Nachfrage nicht übereinstimmen.“ Die OMV investiert deshalb bis 2016 zehn Millionen Euro in die Montanuniversität Leoben, um die Ausbildung junger Erdölexperten zu fördern.

Konkret spricht der OMV-Chef von 1600 fehlenden Mitarbeitern in den nächsten Jahren – davon 500 bis 600 Akademiker – um die geplante Wachstumsstrategie bis 2016 umsetzen zu können. An der Montanuniverstität Leoben, weltweit angesehen für ihre hohe Qualität, verlassen derzeit 40 Absolventen pro Jahr den Bereich Erdölwesen. Mit der Investition durch die OMV und der Einführung des neuen Masterstudiums „Petrol Engineering“ soll diese Zahl zumindest verdoppelt werden.

Rektor Wilfried Eichlseder ist über diese Annäherung von Wirtschaft und Universität glücklich. Für ihn bringe die Finanzspritze nur Vorteile, Gefahren für die freie Lehre orte er nicht. „Wir haben uns zusammengesetzt und alle Eckdaten dieser Kooperation besprochen. Lehre und Forschung müssen unabhängig sein, da sind sich alle Beteiligten einig.“ Für Roiss ist das Engagement der Wirtschaft der richtige Weg: „Im OECD-Durchschnitt liegt Österreich im untersten Drittel beim Investment von Unternehmen in Universitäten. Ohne diese Kooperation sind wir aber künftig nicht wettbewerbsfähig“, so Roiss.

Unis brauchen Geld

Für die Montanuniversität ist die Zusammenarbeit mit Unternehmen nichts Neues: „Wir arbeiten derzeit mit 400 Firmen zusammen und sind froh über diese Nähe zur Wirtschaft“, erklärt Eichlseder. Dreißig Prozent des Gesamtbudgets der Montanuni komme aus Drittmittelprojekten, das sei der höchste Wert in Österreich. Auch die Technische Universität Wien arbeitet vermehrt mit der Industrie zusammen, der Wissenstransfer zwischen Universität und Wirtschaft finde immer häufiger statt, sagt TU-Sprecher Florian Aigner.

Zudem werde in zwölf Christian-Doppler-Labors, alle von Unternehmen mitfinanziert, Forschung und Wirtschaft zusammengebracht. Erst in dieser Woche wurden zwei neue Labors eröffnet: Eines forscht in Kooperation mit Treibacher Industrie und AVL List; das andere ist von Infineon mitfinanziert.

Der Stromversorger Verbund bekommt viele seiner Nachwuchs-Experten direkt von der TU. Das lässt er sich auch einiges kosten: Begabte Studenten werden im Rahmen des „High Potential Programms“ gefördert.

Mit Jobgarantie

Wer Technik studiert, dem ist ein Job so gut wie sicher. Trotzdem ist die Technik-Aversion der Österreicher unverändert groß. Man orte eine breite Skepsis in allen technischen Bereichen und immer noch viel zu wenige Studierende, so die Experten. „Von den Unter-16-Jährigen wollen in Deutschland und Österreich nur sechs Prozent Ingenieur werden, in Korea sind es 80 Prozent“, sagt Eichlseder.

Eine Studie von Ernst & Young in Deutschland erhob, dass der wachsende Fachkräftemangel für Firmen jährlich Einnahmeausfälle in Milliardenhöhe bedeute. Der Umsatzausfall in Deutschland liege bei 33 Milliarden Euro, eine Million zusätzlicher Fachkräfte könnten die Firmen brauchen – mehrheitlich Techniker.

Industrie hat Talsohle durchschritten

Die heimische Industrieproduktion kommt langsam wieder in die Gänge. Die Betriebe beurteilen ihre gegenwärtige und zukünftige Geschäftsentwicklung positiver als vor dem Sommer, geht aus dem Konjunkturbarometer der Industriellenvereinigung (IV) hervor. „Die Talsohle ist durchschritten. Österreichs Wirtschaft löst sich in den nächsten Monaten allmählich aus der schon sechs Quartale andauernden Stagnationsphase“, fasst IV-Generalsekretär Christoph Neumayer zusammen.

Für 2014 rechnet IV-Ökonom Christian Helmenstein mit einem Wachstum von 1,5 Prozent. Getragen werde die Konjunkturbelebung vor allem durch den Export. Weil die Binnennachfrage eher schwach bleibt, dürften die Betriebe sich mit Investitionen sowie Neueinstellungen von Personal noch zurückhalten, glaubt Helmenstein. Auch die Bank Austria (BA) rechnet frühestens 2014 mit einer Trendwende am Arbeitsmarkt. Im Jahresdurchschnitt 2013 erwarten die BA-Ökonomen eine Arbeitslosenquote von 7,6 Prozent, das ist ein höherer Wert als im Krisenjahr 2009.

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