Wirtschaft
05.02.2018

Tausche E-Bikes gegen leere Zimmer

Tiroler Unternehmen punktet mit innovativem Konzept in der E-Mobility und im Tourismus.

Verdienen an leer stehenden Hotelzimmern? Wie soll das denn gehen? Der Tiroler Hotelier Richard Hirschhuber (Bild) hat mit dieser – auf den ersten Blick schrägen – Idee aus dem E-Bike-Verleiher Trendhouse 2016 das Start-up Greenstorm gemacht und stürmt mit Geschäftspartner Philipp Zimmermann seither die "Charts der Tiroler Business-Welt".

2017 wurde Greenstorm mit dem Tiroler Innovationspreis ausgezeichnet. Begeistert hat die Jury das Vertriebskonzept aufgenommen, das Greenstorm für die Hotellerie entwickelt hat. Hirschhuber, Betreiber des "Auracher Löchls" in Kufstein, hat sich nämlich Folgendes einfallen lassen: Greenstorm stellt den Hotels eine Saison lang E-Bikes oder E-Autos zur Verfügung und bekommt dafür Hotelgutscheine. Diese werden über Plattformen wie zum Beispiel www.we-are.travel vertrieben. Das Besondere daran: Die Käufer bekommen die Hotelzimmer in etwa zum halben Preis und die Hotels können ihre leer stehenden Zimmer kurzfristig doch noch belegen.

Sporthändler

Die Gäste, die mit Hotelgutscheinen von Greenstorm buchen, sind nämlich darauf angewiesen, dass das Hotel einen Leerstand hat. Nur dann können sie ihren Bon einlösen. Greenstorm wiederum verdient an zweierlei: An der Weitervermittlung der Gutscheine und an den E-Bikes oder E-Autos. Diese werden nach jeder Saison zurückgenommen und günstig über ein Netzwerk kleiner Sporthändler regional verkauft. Zudem stellt Greenstorm den Hotels Ladestationen zur Verfügung. In Kooperation mit Smatrics hat das Start-up derzeit 50 E-Tankstellen bei Hotels in Betrieb.

"100 Tesla und ein paar Tausend E-Bikes hat Greenstorm derzeit im Verleih", sagt Hirschhuber. Für heuer habe das Unternehmen bereits 4000 Verträge mit Hotels fix abgeschlossen. "Ich rechne damit, dass noch 3000 dazukommen", erklärt der Greenstrom-Chef. Insgesamt 650 Hotels hat er sich als Vertragspartner bereits gesichert – nicht nur in Österreich, auch in Südtirol, der Schweiz und auf Mallorca. Nicht mit allen hat Hirschhuber das Gutscheinmodell abgeschlossen. "Einige mieten auch einfach die Bikes und Autos", sagt er.

Was Hirschhuber an seiner Geschäftsidee besonders freut, ist, dass nicht nur Greenstorm und die Hotels einen Vorteil davon haben, sondern auch kleinere, lokale Sportartikelhändler. Sie kaufen jede Saison die gebrauchten Fahrräder von Greenstorm günstig und können damit preissensible Kunden gewinnen. "Wenn dem Kunden das E-Bike gefällt, kauft er vielleicht auch einmal ein teureres Rad bei dem Händler", lautet Hirschhubers Idee.

Warum betreibt Greenstorm dann nicht einfach einen E-Bike- und E-Auto-Verleih? "Weil man in der Geschäftswelt auffallen muss", betont Hirschhuber. Man müsse immer anders sein als die anderen und damit schwer kopierbar werden. Und noch ein Credo hat er. "Jeder muss gewinnen, Greenstorm, die Kunden, die Hotels und die Sportartikelhändler."

Bis jetzt ist ihm das auch gelungen. Der Umsatz ist von einer Million Euro im Jahr 2016 auf neun Millionen Euro gestiegen. 40 Mitarbeiter zählt das Start-up mit Sitz in Ellmau in Tirol inzwischen.

Nadelöhr

Nicht ganz so einfach ist die Finanzierung des raschen Wachstums. "Das Nadelöhr ist die Finanzierung der E-Bikes. Wir müssen sie zuerst erwerben und können erst dann die Verträge mit den Hotels abschließen", erklärt der Greenstorm-Chef. Zuletzt ist es dem Unternehmer gelungen eine größere Crowd für seine Idee zu begeistern. 650.000 Euro hat er über die Crowdfunding-Plattform Conda aufgetrieben.

Die Anleger stellen dem Start-up auf diese Weise nachrangige Darlehen auf fünf Jahre zur Verfügung und erhalten dafür eine attraktive Verzinsung. Sechs Prozent Fixzins bringt das Darlehen. "Da habe ich mich erweichen lassen", räumt Hirschhuber ein. Wenn der Plan aufgehe, in diesem Zeitraum einen Ertrag vor Zinsen und Steuern von einer Million Euro zu erwirtschaften, bekommen die Investoren sogar noch einen Aufschlag auf insgesamt 8,88 Prozent Zinsen.