Wirtschaft
05.05.2017

Talfahrt der Ölpreise setzt OPEC unter Druck

Am Freitag gaben Notierungen auf tiefsten Stand seit November nach. Jüngster Preisrutsch mit US-Entwicklung erklärt: Dort wird Produktion immer weiter erhöht.

Wie gewonnen so zerronnen. Mit einem historischen Schulterschluss senkten die Mitgliedsstaaten des OPEC-Ölkartells und andere wichtige Förderländer zu Jahresbeginn ihre Ölproduktion. Ziel war eine Stabilisierung der Ölpreise. Was zunächst hervorragend funktioniert hat und einen starken Preisanstieg auslöste, erwies sich zuletzt immer stärker als wirkungslos.

Im Verlauf der Woche alarmierte eine rasante Talfahrt der Ölpreise die Finanzmärkte. Mit dem jüngsten Preisverfall gerät die Organisation erdölexportierender Länder ( OPEC) wieder stärker unter Druck.

Am Freitag fiel der Preis für Nordsee-Öl auf 46,64 US-Dollar (42,7 Euro) je Barrel und der für US-Öl auf 43,76 Dollar. So günstig waren die beiden Ölsorten zuletzt im November. Damals entschloss sich das Ölkartell zu einer bis dahin beispiellosen Produktionskürzung. Der Plan wurde in die Tat umgesetzt. Seit Jänner wird mit einer Laufzeit von sechs Monaten weniger Öl gefördert. Die Folge war ein starker Anstieg der Ölpreise, die deutlich über 50 Dollar zulegen konnten.

Zu Beginn des Jahres waren noch viele Experten skeptisch, ob die Förderkürzung auch wie versprochen eingehalten wird. Aber die jüngsten OPEC-Produktionsumfragen zeigen ein eindeutiges Bild. "Die Ergebnisse weisen für April eine weiterhin hohe Umsetzung der Produktionskürzungen aus", analysierte Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank die Daten.

Trotzdem sind seit Beginn der Woche der Brent-Preis um etwa neun Prozent und der US-Ölpreis um mehr als zehn Prozent eingebrochen. Experten erklärten den Preisrutsch mit der jüngsten Entwicklung in den USA. Während OPEC-Länder ihre Produktion drosseln, wird sie in den Vereinigten Staaten immer weiter erhöht. Am Mittwoch hatte die US-Regierung mitgeteilt, dass die landesweite Produktion in der vergangenen Woche um 0,30 Prozent auf 9,293 Millionen Barrel Rohöl pro Tag gestiegen war. Das ist der höchste Stand seit Mitte 2015.

Schon wird innerhalb der OPEC über eine mögliche Verlängerung der Förderkürzung über den Juni hinaus diskutiert. Die notwendigen Entscheidungen könnten schon Ende Mai getroffen werden. Dann werden sich die Vertreter der Mitgliedsstaaten des Ölkartells zu Christi Himmelfahrt (25. Mai) in Wien zu einer OPEC-Konferenz treffen.

Nach Einschätzung des Experten Weinberg ist eine Verlängerung der Produktionskürzung mit dem jüngsten Preisrückgang wahrscheinlicher geworden. Weinberg wollte aber noch aus einem anderen Grund eine Gegenbewegung am Ölmarkt mit steigenden Preise nicht ausschließen. Seiner Einschätzung nach dürfte für viele Produzenten von Schieferöl in den USA, die ihr Öl zu vergleichsweise hohen Kosten zu Tage fördern, "ein Preisniveau von deutlich unter 50 Dollar nicht mehr profitabel sein".