Suttner und Nobel: "Eine unerfüllte Liebe"

Kopie von Eine Liebe für den Frieden - Bertha von Suttner un
Foto: ORF/Oliver Roth "Eine Liebe für den Frieden": Suttner (Minichmayr) und Nobel (Koch)

Birgit Minichmayr und Sebastian Koch spielen Bertha von Suttner und Alfred Nobel in "Eine Liebe für den Frieden".

Vielen ist Bertha von Suttner vor allem von der 2-Euro-Münze – oder früher dem Tausend-Schilling-Schein – ein Begriff: Hochsteckfrisur, strenger Blick. Die wilde, widerspenstige Seite der Friedensaktivistin, die mit dem Dynamit-Erfinder Alfred Nobel eine Lebensfreundschaft pflegte und 1905 den Friedensnobelpreis erhielt, zeigt der neue TV-Film "Eine Liebe für den Frieden", der am Montag um 20.15 Uhr auf ORF 2 ausgestrahlt wird. Regisseur Urs Egger im Interview über die - platonische? - Liebe zwischen der "Friedensbewegten und dem Händler des Todes" und seine beiden Hauptdarsteller.

GERMANY CINEMA Foto: EPA/DAVID EBENER Urs Egger wollte Minichmayr „wegen ihrer Persönlichkeit“

KURIER: Wie stark ist der Film an das Theaterstück "Mr. und Mrs. Nobel" von Esther Vilar angelehnt?

Urs Egger: Das Theaterstück dreht sich nur um die Beziehung der beiden. Wir haben das natürlich wieder erweitert. Unter anderem fanden wir eine Szene wichtig, die es im Leben von Bertha von Suttner so gar nicht gegeben hat: nämlich diese Sanitätsszene im russisch-türkischen Krieg. Wir brauchten eine Szene, in der sie ihre Mission findet. Wir haben das Gewicht schon mehr auf die Bertha gelegt.

Wie nahe ist der Film an der historischen Wahrheit?

Biopics sind immer schwierig. Ich finde sie immer dann gelungen, wenn sie einen Haken haben, an dem sie sich festmachen können. Hier war es die Beziehung zwischen der Friedensbewegten und dem Händler des Todes: Das war für den Film gut, um die Jahre zu verdichten. Was mir wichtig war, ist, dass alle Reden, die sie hält, authentisch sind.

Die Handlung von "Eine Liebe für den Frieden"

"Eine Liebe für den Frieden - Bertha von Suttner und Alfred Nobel": Der TV-Film mit Birgit Minichmayr und Sebastian Koch läuft am Montag, 8.12. um 20:15 Uhr auf ORF 2. Vom ersten Moment an ist der geniale Chemiker Alfred Nobel (Sebastian Koch) fasziniert vom selbstsicheren Auftreten der mittellosen Adeligen Bertha von Suttner (Birgit Minichmayr). Sie soll ihm geschäftlich zur Hand gehen. Zwei Wochen arbeitet von Suttner als Alfred Nobels Privatsekretärin in Paris. Eine Begegnung, die prägend für die beiden außergewöhnlichen Persönlichkeiten ist. Alfred Nobel ist unsterblich in Bertha verliebt, doch obwohl auch Bertha von dem exzentrischen Erfinder fasziniert ist, entscheidet sie sich für einen anderen. Ihr Herz gehört dem sieben Jahre jüngeren Draufgänger Arthur Freiherr von Suttner (Philipp Hochmair, li.).
  Das Paar reist in den Kaukasus und erlebt den russisch-türkischen Krieg. In dieser Zeit führen Bertha und Alfred einen intensiven Briefwechsel, in dem Bertha ihr Entsetzen über die Grausamkeiten des Krieges zum Ausdruck bringt. Zurück in Österreich verarbeitet sie ihre Erlebnisse in ihrem ersten Roman "Die Waffen nieder" - ein eindrucksvolles Plädoyer für den Frieden aus Sicht einer Frau. Die Publikation beschert ihr den internationalen Durchbruch.
Bild: Die österreichische Pazifistin und Schriftstellerin Bertha von Suttner (undatierte Aufnahme) und die Schauspielerin Birgit Minichmayr. Gleichzeitig zieht es sie immer mehr zu Alfred Nobel. Die "Botschafterin für den Frieden" und der Erfinder des Dynamits beeinflussen einander lebenslang in ihren Ansichten und Überzeugungen. Bertha von Suttners unermüdlicher Kampf für den Frieden inspiriert Alfred Nobel zu einem außergewöhnlichen Testament: dem Nobelpreis, dessen Preisgelder bis heute aus seinem Vermögen bestritten werden. Bertha von Suttner (1843-1914) wurde 1905 als erste Frau mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Sebastian Koch (Alfred Nobel), Birgit Minichmayr (Bertha von Suttner) Birgit Minichmayr und Sebastian Koch bei den Dreharbeiten Plakatsujet für "Eine Liebe für den Frieden - Bertha von Suttner und Alfred Nobel"

War es eine platonische Freundschaft oder mehr?

Wir wollten das offenhalten. Fakt ist einfach, Alfred Nobel hat sie begleitet über viele Jahre und sie hat ihn vielleicht zum Friedensnobelpreis inspiriert. So genau weiß man das nicht. Aber ich glaube, das war eine platonische Beziehung, eine unerfüllte Liebe quasi. Auf einer intellektuellen Ebene waren sie sich jedenfalls sehr nah. Da war auch der Gatte, der Suttner, kein Partner für sie.

Unterstützt diese Darstellung einer Liebesbeziehung – egal, ob platonisch – nicht die Vorurteile, sie habe den Nobelpreis nur bekommen, weil sie eine abgelegte Liebschaft Nobels war?

Das ist schon deswegen ein falscher Vorwurf, weil sie ihn ja gekriegt hat, als er schon tot war. Und sie war auch nicht die erste Preisträgerin, sondern die erste Frau, die ihn bekommen hat.

Haben Sie die Konstellation Minichmayr/Koch ausgesucht?

Wir wussten, wir müssen versuchen, die Minichmayr zu bekommen. Weil sie eine Authentizität und Ausstrahlung hat, die diese Bertha von Suttner auch hatte. Es reicht nicht, eine gute Schauspielerin zu nehmen, es braucht schon eine Persönlichkeit. Der Koch war ein tolles Gegenstück dazu.

Gedreht wurde ausschließlich in Österreich – man erkennt die französische Botschaft in Wien, im Film Alfred Nobels Pariser Wohnsitz.

Wir haben auch am Semmering gedreht, wo der Kronprinz Rudolf eine große Villa hatte. Im Film liegt sie in San Remo und hat wundersamerweise ein Meer vor der Haustür. Den Kaukasus haben wir auf einem Panzerübungsplatz außerhalb von Wien gedreht und die Berge ebenfalls via Computer dazu gegeben. Bern sieht man nur von innen, das war der alte Nationalratssaal.

Zur Person: Bertha von Suttner

AUSTRIA HISTORY Foto: APA/EPA/---  Bertha von Suttner (1843-1914)   wurde als Gräfin Kinsky geboren – ihr Vater starb vor ihrer Geburt 75-jährig, ihre Mutter war eine Spielerin. Als Gouvernante bei der Familie Suttner verliebte sie sich in deren neun Jahre jüngeren Sohn Arthur und brannte mit ihm nach Georgien durch. 1876 arbeitete sie kurz für Alfred Nobel (1833-’96) in Paris;  sie blieben in Kontakt, er unterstützte  ihr Engagement für den Frieden. Suttner erhielt 1905 den Friedennobelpreis.    

(Kurier) Erstellt am
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