Former Telekom Austria Chief Executive Heinz Sundt arrives for his share manipulation trial at a court in Vienna February 11, 2013. Three former Telekom Austria top managers, including Sundt, along with another former employee and a banker are charged with arranging the mass buying of Telekom Austria shares in 2004, causing a surge in the price that triggered a payout of 9 million euro ($12 million) for managers. REUTERS/Heinz-Peter Bader (AUSTRIA - Tags: BUSINESS CRIME LAW TELECOMS)

© Reuters/HEINZ-PETER BADER

Telekom-Prozess
02/12/2013

Sundt: Von Manipulation "nichts gewusst"

Ex-Telekom-Chef Heinz Sundt wies im Prozess um Kursmanipulationen jede Schuld von sich.

von Andrea Hodoschek

Wusste Heinz Sundt, Ex-Generaldirektor der Telekom Austria (TA), dass der mitangeklagte Banker Johann Wanovits am 26. Februar 2004 in einem Herzschlagfinale den Aktienkurs der TA hinaufjagte? Er sei „nicht schuldig“, habe Wanovits und seine Euro-Invest-Bank gar nicht gekannt und von Gegengeschäften schon überhaupt nichts gewusst, verteidigte sich der ehemalige Konzernboss am Dienstag im Untreue-Prozess über die Kursmanipulationsaffäre.

Der bereits teilgeständige Ex-VorstandRudolf Fischer hatte amVortag ausgesagt, dass sowohl Sundt als auch der ehemalige FinanzchefStefano Colombo bei der entscheidenden „informellen Besprechung“ dabei gewesen seien. Als besprochen wurde, dass Wanovits über eine Großorder auf eigene Rechnung den Kurs der Telekom-Aktie nach oben korrigieren sollte. Damit an den Vorstand und 95 Manager ein großzügiges Optionsprogramm über insgesamt 8,8 Millionen Euro ausbezahlt werden konnte. Wanovits sollte dafür „Gegengeschäfte“ in der Größenordnung von einer Million Euro erhalten. Freilich, ganz ausschließen wollte Sundt solche Gespräche in seiner Gegenwart nicht, „vielleicht habe ich so was überhört. In Erinnerung ist es mir nicht.“

Ausführlich wird im Verhandlungssaal 203 darüber diskutiert, was unter „Gegengeschäften“ zu verstehen ist. Sundt mag solche Deals gar nicht, gibt er zu verstehen: „Ich weiß, es klingt zwar lachhaft, aber bei Gegengeschäften stellen sich mir die Haare auf.“ Tatsächlich kam es mit Wanovits dann nicht mehr dazu, er erhielt seine „Risikoprämie“ später in drei Bargeldtranchen aus Scheingeschäften mit dem Lobbyisten Peter Hochegger.

Seinen Gewinn von 392.719 Euro brutto aus dem Bonusprogramm hat Sundt bis heute nicht an die Telekom zurückgezahlt. Er sieht aus strafrechtlicher Sicht dazu „keinen Anlass. Das wäre ein Schuldeingeständnis und davon distanziere ich mich meterweit“.

„Riskanter Börsegang“

Als Sundt über legale Formen der „Kurspflege“ referiert, erzählt der ehemalige Konzernchef, der 2006 auf Druck der damaligen schwarz-blauen Regierung vorzeitig abtreten musste, interessante Details aus dem Verhältnis zur Politik. Der Zeitpunkt für den Börsegang der Telekom, die als „Volksaktie“ angepriesen wurde, sei 2000 „sehr ungünstig gewesen. Dieser Börsegang war ein Risiko, aber wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“. Die Staatsholding ÖIAG habe „extremen Druck“ gemacht, obwohl das Unternehmen intern nicht reif dafür gewesen sei und die Verfassung des Kapitalmarktes schlecht war.

Weil der damalige FinanzministerKarl-Heinz Grasser, dessen Namen Sundt zunächst nicht einfällt („sehen Sie, so habe ich ihn verdrängt“), sein Nulldefizit feiern wollte, wurde über einen Teilverkauf an die Swisscom verhandelt. Letztlich habe aber „der politische Wille gefehlt“, einen Einstieg des Schweizer Monopolisten „unter dem Titel Privatisierung zu verkaufen“.

Als der damalige ÖIAG-Chef Peter Michaelis öffentlich Gespräche mit den Schweizern dementierte, rasselte die Aktie hinunter und die Telekom verlor an einem Tag 1,4 Milliarden Euro an Börsewert. Was natürlich auch das Erreichen des Kursziels für das Bonusprogramm erschwerte. Er habe dann versucht, Siemens als Miteigentümer an Bord zu holen, bekam aber einen Korb. Rückblickend betrachtet sei der Börsegang allerdings „in Summe richtig“ gewesen, weil das Unternehmen rascher restrukturiert werden konnte.

„Goldes Wert“

Sein Verhältnis zu Grasser bezeichnet Sundt vor Richter Michael Tolstiuk als „chronisch hochgestört“. Sodass er Hochegger ersuchte, zu vermitteln. Doch nicht einmal der Ex-Lobbyist und Grasser-Spezi schaffte eine Entstörung, „der Brückenschlag misslang“.

Mit Hochegger, der nächsten Mittwoch als Zeuge geladen ist und dessen Verfahren gesondert abgehandelt wird, arbeitete Sundt bereits 1996 in der Mobilkom zusammen. „Goldes wert“ sei Hocheggers Know-how gewesen, er habe „erhebliche Wettbewerbsleistungen geboten“. Hochegger sei hauptsächlich für Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt worden und habe auch bei der Telekom-Regulierungsbehörde guten Wind gemacht – unentgeltlich.

Trimmel nahm ein Packerl Geld

Der als Beitragstäter mitangeklagte Ex-Prokurist Josef Trimmel gab am Dienstag zu, gemeinsam mit Ex-Vorstand Gernot Schiezsler dem Banker Wanovits zwei Mal Bargeld übergeben zu haben. Hochegger habe ihnen eine Viertelmillion Euro in bar ausgehändigt, die sie dann zu Wanovits brachten. Der habe sie bei der Übergabe aufgefordert, „nehmt’s euch ein Packerl“.

Ja, er und Schieszler, der auf den Kronzeugenstatus hofft, hätten sich Geld genommen. Er selbst „etwa 10.000 bis 15.000 Euro“, bestätigte Trimmel. Der ehemalige Großkunden-Leiter, der sich heute als Unternehmensberater versucht, gab sich zerknirscht. Schieszler sei immer „der Machatschek“ gewesen, „ich Trottel bin halt dabei gewesen“. Er habe seinen Gewinn aus dem Bonusprogramm von 112.000 Euro bereits retourniert und dafür ein Sparbuch aufgelöst. Das „Packerl“ von Wanovits wolle er zurückzahlen, auch wenn er die Höhe des Betrags nicht wisse, versicherte er dem Privatbeteiligtenvertreter der Telekom. „Das war ein Riesenfehler, weil ich hab mir im ganzen Leben nie Geld genommen“. Wie viel Schieszler einsteckte, wisse er nicht.

Über die Bargeldübergabe habe er sich „selber g’schreckt“. Ein legales Gegengeschäft mit Wanovits sei wegen der Ermittlungen der Finanzmarktaufsicht nicht mehr möglich gewesen, habe ihm Schieszler gesagt. „Was soll ich machen, jetzt renn’ ich davon. Die Suppe war eingebrockt“. An die Details der zweiten Geldübergabe erinnert sich Trimmel nicht mehr.

Telekom-Prozess