Wirtschaft
30.08.2017

Südkoreaner spitzen auf Immobilien in Kontinental-Europa, auch in Wien

Der Hotelentwickler UBM rechnet mit der Neubewertung des Immo-Marktes. Ein Grund ist der geplante Brexit.

Vor einem Jahr haben die Börsen-Analysten dem Wiener Immobilienentwickler UBM noch keine großen Würfe zugetraut, im ersten Halbjahr 2017 hat das Unternehmen aber alle Erwartungen deutlich übertroffen. Die Gesamtleistung, sprich der Umsatz und die Verkaufserlöse, konnte um fast zwei Drittel auf 422 Millionen Euro gesteigert werden, der Nettogewinn um ein gutes Drittel auf 16,3 Millionen Euro. Die Verschuldung wurde allein im zweiten Quartal um 165 Millionen auf knapp 579 Millionen Euro reduziert.

Mittlerweile hat sich das Unternehmen zum führenden Hotelentwickler in Europa gemausert, Kernmärkte sind Deutschland, Österreich und Polen. Am Ende des Geschäftsjahres 2017 wird mit einem Nettogewinn in Höhe von 33 Millionen Euro gerechnet, die Verschuldung soll sich bei 550 Millionen Euro einpendeln.

950 Millionen Euro Erlöse bis Ende 2018

"Bisher war das die Pflicht, jetzt kommt die Kür", sagt UBM-Chef Thomas Winkler zum KURIER. "Allein in einem Quartal haben wir Projekte um eine Viertelmilliarde Euro verkauft." Bis Ende 2018 winken Verkaufserlöse in Höhe von 950 Millionen Euro, bis Ende 2020 sollen sogar 1,7 Milliarden Euro eingespielt werden.

UBM profitiert von der Niedrigzinspolitik der EZB und dem knappen Angebot an Anlagemöglichkeiten, die mehr Rendite als Staatsanleihen abwerfen. So erhöhen viele Finanzinvestoren, Fonds und Lebensversicherer den Immobilien-Anteil ihrer Portfolios, um akzeptable Zinserträge zu lukrieren.

Neue Bewertung

"Wir glauben, dass es in Kontinentaleuropa zu einer Neubewertung von Immobilien kommt, da asiatische Anleger Europa für sich entdeckt haben", sagt Winkler. "Für chinesische und südkoreanische Investoren schaut Europa zurückgeblieben aus, weil die Wertentwicklung im Vergleich zu Boom-Regionen wie den USA und Australien noch immer als moderat gilt."

Südkoreaner in Wien

Die Asiaten haben schon länger einen Fuß in Europa , aber Europa war für sie der Finanzplatz London. "Durch den Brexit sind sie aber das erste Mal für ihre Investitionspolitik abgestraft worden, jetzt sehen sie, dass es in Kontinentaleuropa Alternativen gibt", sagt der UBM-Chef. "Auch in Wien gibt es mittlerweile südkoreanische Investoren, die Immobilien einkaufen."

Volle Kriegskasse

Die Wiener haben bisher 50 Hotels entwickelt, sieben Großhotels sind in Arbeit: darunter ein Hyatt in Amsterdam (211 Zimmer), ein Holiday Inn in Warschau (254 Zimmer), ein Hotel in München (279 Zimmer) und eines in Danzig (236 Zimmer). Diese Projekte werden 2018 fertiggestellt, sind aber schon verkauft. Zugleich betreibt UBM 15 Hotels als Pächter. Im zweiten Halbjahr 2017 sollen noch mehr als 150 Millionen Euro in diverse Projekte investiert werden. UBM entwickelt auch Büro- und Wohnimmobilien.

Für künftige Projekte hat UBM alleine 140 Millionen Euro Cash zur Verfügung. Winkler: "Das ist ein gutes Gefühl, ich habe volle Firepower."