Studenten protestieren gegen ökonomische Lehre

WU Wien
Foto: KURIER/Jürg Christandl Die neue Wirtschaftsuniversität Wien: Moderne Architektur, veralteter Lehrplan?

Die alten Theorien haben die Krise nicht vorhergesehen. Studierende aus 19 Ländern fordern daher eine Reform.

Einseitig und wirklichkeitsfremd - so empfinden offenbar viele Ökonomiestudenten die Wirtschaftslehre. Mit einer globalen Protestaktion machten daher Studentengruppen aus 19 Ländern ihrer Unzufriedenheit Luft, indem sie am Montag ein gemeinsames Manifest für eine Reform der Ökonomenausbildung veröffentlichten.

Pluralismus lautet dabei das Zauberwort. „Wir beobachten eine besorgniserregende Einseitigkeit der Lehre, die sich in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch verschärft hat. Diese fehlende intellektuelle Vielfalt behindert uns im Umgang mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – von Finanzmarktstabilität bis zum Klimawandel“, beklagen die Studenten. Die alten Theorien hätten die Krise nicht vorhergesehen und müssten durch neue Erklärungsversuche außerhalb des Mainstream ergänzt werden.

Entscheidungsträger der nächsten Generation formen

"An Ideen für neue Studienpläne mangelt es uns nicht", so eine Vertreterin. "Wir sind es leid, uns die neueren wissenschaftlichen Erkenntnisse und vom Mainstream abweichende Theorien immer in Eigenregie aneignen zu müssen". Die Lehrinhalte der Curricula formen das Denken der nächsten Generationen von EntscheidungsträgerInnen und damit die Gesellschaft, in der wir leben", so die Gesellschaft für Plurale Ökonomik Wien, die im Herbst letzten Jahres von Volkswirtschafts-Studierenden der Wirtschaftsuniversität Wien gegründet worden war.

Prominente Unterstützer

Unterstützt werden die Studierenden von über 230 ProfessorInnen und ForscherInnen, darunter Prominente, wie der US-Ökonom James Galbraith oder der linksliberale französische Erfolgsautor Thomas Piketty („Capital in the 21. Century“). Auch der Vorstand der Bank von England, Andrew Haldane, sowie der Ausbildungsdirektor des Institute of Economic Affairs, Stephen Davis, eines traditionsreichen, marktliberalen Forschungsinstituts, stehen auf der Liste.

(Kurier / ps) Erstellt am
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