Wirtschaft
11.04.2012

Stromausfälle könnten sich häufen

Die Allianz warnt in einer neuen Studie vor häufigeren Stromausfällen. Die Stromnetze sind am Rande ihrer Belastbarkeit angekommen.

Mit dem Sommer kommt die Hitze und mit ihr die Zeit der Klimaanlagen. Bevor die Stromfresser in Büros wie Privathaushalten angeworfen werden, warnt die Allianz vor häufigeren Stromausfällen. "Wir müssen damit rechnen, dass Stromausfälle in den nächsten Jahren weltweit häufiger werden, länger andauern und sich regional weiter ausdehnen", fasst Risikoberater Michael Bruch die Ergebnisse einer Studie des Industrieversicherers Allianz Global Corporate and Specialty (AGCS) zusammen. Obwohl Österreich bei der Versorgungssicherheit im europäischen Spitzenfeld liegt, ist es vor Ausfällen nicht gefeit. Und dies kann der Wirtschaft Millionen kosten.

Österreich ist laut Allianz mit 31,77 Minuten ungeplanten Stromausfällen bei der Versorgungssicherheit Nummer drei in Europa (Zahlen aus 2010). Spitzenreiter war Deutschland mit 14,90 Minuten, weniger Ausfälle als in Österreich hat es auch in den Niederlanden gegeben.

Veraltete Netze

Gründe für Stromausfälle sind vor allem auf eine schwächelnde Netzinfrastruktur zurückzuführen. Die bestehenden Stromnetze seien am Rande ihrer Belastbarkeit angekommen, weil der Strombedarf steige, während die Kraftwerke und Netze oft überaltert seien. Die Netzinfrastruktur ist im vergangenen Jahrhundert entworfen worden, um Strom von zentralen Elektrizitätswerken zu den Kunden zu leiten - und nicht als Transportnetz in alle Richtungen. Die bestehenden Netze müssten also erweitert werden, um Strom aus zahlreichen, dezentralen Erzeugungsquellen einspeisen zu können und auch grenzüberschreitend ungehindert fließen zu lassen, so die Ergebnisse der Studie. Denn die überalterten Netzinfrastrukturen begünstigen Dominoeffekte, die auch in benachbarten Stromnetzen Ausfälle verursachen können.

Außerdem schwanke die Stromerzeugung aus Wind und Sonne stark. "Um den steigenden Anteil der erneuerbaren Energien zu bewältigen, brauchen wir intelligente Netze mit Mess-, Kommunikations- und Kontrollfunktionen", fordert Bruch.

Auch Cyberkriminalität, die Teile der Versorgungsinfrastruktur über längere Zeit außer Kraft setzen könnten, berge laut Allianz Gefahrenpotenzial.

Folgekosten für die Wirtschaft

Lang andauernde Stromausfälle können beträchtliche Auswirkungen auf das Alltagsleben und die gesamte Wirtschaft haben. Das zeigt ein Beispiel aus dem Jahr 2003, als es zum größten Stromausfall in der Geschichte der USA kam. Aufzüge und U-Bahnen fuhren nicht mehr, Ampeln fielen aus, Fließbänder standen still und Flughäfen mussten geschlossen werden. Der damalige wirtschaftliche Schaden wird auf 4 bis 8 Milliarden US-Dollar (3,05 bis 6,1 Mrd. Euro) geschätzt.

Doch auch häufiger auftretende kürzere Stromausfälle können für Unternehmen beachtliche Kosten durch ruhende Produktion, stillstehende Anlagen oder Schäden an Daten oder Produkten verursachen. Schätzungen zufolge belaufen sich diese beispielsweise für einen Stahlhersteller auf 350.000 Euro pro Ausfall, für einen Finanzhändler auf 6 Millionen Euro pro Stunde und für einen Telekommunikationsanbieter auf 1,8 Millionen Euro pro Stunde.

Unternehmen können sich auf mögliche Stromausfälle vorbereiten. So kann eine Notstromversorgung kurze Ausfälle überbrücken und teure Betriebsrechnungen vermeiden.