Stresstest: Gutes Zeugnis für die Großbanken

Willi Cernko, Vorstandschef der<br />
UniCredit-Tochter Bank Austria, Herbert Stepic: Chef der Raiffeisen<br />
Bank International (RBI), Andreas Treichl: Boss der Erste Group, Holding für Österreich und Osteuropa-Tochter
Foto: AP, Reuters

Österreichs große Geldinstitute bestehen den EU-Belastungstest. Nur die Volksbanken AG ist durchgefallen.

Die heimischen Geldinstitute sind krisenfest: Raiffeisen Bank International (RBI), Erste Group und Bank Austria finden sich beim Stresstest der EU-Bankenaufsicht im oberen Mittelfeld aller 91 geprüften Institute. Für eine österreichische Bank, die Volksbanken AG (ÖVAG) endete die Belastungsprobe jedoch negativ.

Die wichtigsten Benotungen

Willi Cernko, Vorstandschef der<br />
UniCredit-Tochter Bank Austria, Herbert Stepic: Chef der Raiffeisen<br />
Bank International (RBI), Andreas Treichl: Boss der Erste Group, Holding für Österreich und Osteuropa-Tochter Foto: AP, Reuters Willi Cernko, Vorstandschef der
UniCredit-Tochter Bank Austria, Herbert Stepic: Chef der Raiffeisen
Bank International (RBI), Andreas Treichl: Boss der Erste Group, Holding für Österreich und Osteuropa-Tochter

Getestet haben die Aufseher, ob die Banken eine schwere wirtschaftliche Krise aus eigener Kraft überstehen können. Das heißt: Haben die Institute genügend Eigenkapital um in Krisenzeiten Verluste ohne Hilfe von außen abdecken zu können? Für acht der 91 geprüften Institute aus den 27 EU-Ländern und aus Norwegen musste die Bankenaufsicht diese Frage mit nein beantworten.

Fünf spanische Banken, zwei griechische und die Österreichische Volksbanken AG sind zu kapitalschwach, um einen scharfen wirtschaftlichen Einbruch aus eigener Kraft durchzustehen. Diese Institute müssen der Aufsicht innerhalb von drei Monaten einen Plan vorlegen, wie sie ihre Kapitalpolster auffüllen werden.

Die ÖVAG hat notwendige Maßnahmen bereits eingeleitet. Sie wurden im Stresstest, der Daten nur bis Ende April 2011 erfasst hat, aber nicht mehr berücksichtigt. Alle anderen haben den Test großteils mit Bravour bestanden. Die von den Bankenaufsehern vorgesehene Mindestquote von fünf Prozent Eigenkapital in Relation zum Geschäftsvolumen können sie auch in dramatischen Krisen halten. Die Raiffeisen Bank International kommt auf 7,8 Prozent, die Erste Group auf 8,1 Prozent und die Bank Austria, die indirekt über ihre Mutter UniCredit getestet wurde, ebenfalls auf rund acht Prozent.

"Das Ergebnis spiegelt die Stärke unseres Geschäftsmodells als Universalbank in 15 Märkten wider", freut sich RBI-Chef Herbert Stepic über das gute Ergebnis. Erste Group-Finanzvorstand Manfred Wimmer sieht "das komfortable Bestehen des Stresstests im an der Realwirtschaft orientierten Geschäft der Bank" begründet.

Nicht genug

Willi Cernko, Vorstandschef der<br />
UniCredit-Tochter Bank Austria, Herbert Stepic: Chef der Raiffeisen<br />
Bank International (RBI), Andreas Treichl: Boss der Erste Group, Holding für Österreich und Osteuropa-Tochter Foto: AP, Reuters Willi Cernko, Vorstandschef der
UniCredit-Tochter Bank Austria, Herbert Stepic: Chef der Raiffeisen
Bank International (RBI), Andreas Treichl: Boss der Erste Group, Holding für Österreich und Osteuropa-Tochter

Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny lobt die heimischen Banken zwar dafür, dass ihre Eigenmittelausstattung "im oberen Mittelfeld" der geprüften Institute liege. Zum Vergleich: die Deutsche Bank kommt auf 6,5 Prozent Eigenkapital im Krisenfall, die Landesbank Berlin auf 10,5 Prozent. Nowotny hält für die heimischen Institute dennoch eine weitere Stärkung der Eigenmittelbasis "für wünschenswert".

Die Bankenaufseher der EU haben beim Stresstest nämlich ein Drohpotenzial nicht analysiert: einen Zahlungsausfalls Griechenlands. Die Auswirkungen seien nicht abschätzbar, meinen Experten. Simuliert wurde für den Stresstest ein Einbruch des Wirtschaftswachstums in Europa von prognostizierten 3,3 Prozent über zwei Jahre auf minus 0,7 Prozent.

Kritik an den Testvorgaben kam insbesondere von jenen Banken, die negativ beurteilt wurden. In Spanien, wo mit insgesamt 25 Banken so viele wie in keinem anderen Land getestet wurden und fünf nicht bestanden haben, werden die Kapitalvorschriften der EU-Bankenaufseher beanstandet. Sie hätten Eigenkapital viel zu eng definiert. Die Rückstellungen für allgemeine Bankrisiken, zu denen die spanische Bankenaufsicht die Institute des Landes angehalten habe, seien nicht anerkannt worden. Die deutsche Helaba hat sich vor Bekanntgabe der Testergebnisse sogar auf eine öffentliche Auseinandersetzung mit der Aufsicht eingelassen. Die Helaba wollte bestimmte Kapitalpositionen wie etwa die stille Einlage des Landes Hessen ( das ist eine Beteiligung an Gewinn und Verlust der Bank, nicht aber eine Beteiligung am Vermögen) anrechnen. Die Aufsicht erlaubte dies nicht.

Besorgt zeigten sich Banken über die detaillierte Veröffentlichung der Ergebnisse. Eigentlich sollte die Publizierung die Finanzmärkte beruhigen. Da die Informationen, die die Aufsicht bekannt gibt, hoch komplex sind, befürchten Experten, dass der Markt überfordert sein könnte und Spekulationen erst recht angeheizt würden.

Stresstest: Prüfung der Stabilität

Systemrelevanz Im Fokus der Prüfung stehen die 91 in Europa für die Stabilität des Finanzmarktes systemrelevanten Institute. Errechnet wird, wie sich das harte Kernkapital (Core Tier 1) bei einem erneuten Rückfall in eine Rezession entwickelt. Eine Pleite Griechenlands wurde dabei nicht in Betracht gezogen.

Core Tier 1 Das harte Kernkapital umfasst die sofort verfügbaren Mittel aus Stammaktien und Gewinnrücklagen. Die Banken haben dieses Geld in Form von sicheren Einlagen bei anderen Instituten angelegt. Eine Bank besteht den Test, wenn die harte Kernkapitalquote bis Ende 2012 nicht auf weniger als 5 Prozent des Geschäftsvolumens fällt.

Mehr zum Thema

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?