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Gas-Importe
08/29/2014

Strategien gegen die Abhängigkeit

Spät, aber doch, beginnt die EU Notfallpläne auszuarbeiten. Gasspeicher in Österreich fast voll.

von Andreas Anzenberger

Die EU will die Gasimporte aus Russland deutlich verringern. Die Voraussetzungen passen. "Europa liegt günstig für Gaslieferungen", verweist Walter Boltz, Vorstand der Energie-Aufsichtsbehörde E-Control, auf die Erdgasvorräte rund um den Kontinent. Neben der Nordsee und Nordafrika wird nun auch im östlichen Mittelmeer Gas gefördert. Israel hat bereits damit begonnen. Zypern könnte zu einem großen Gaslieferanten werden. Ein Hoffnungsgebiet ist das Kaspische Meer.

Allerdings ist Europa spät dran. Es wird noch Jahre dauern, bis aus den Plänen Realität wird. Es fehlt eine Pipeline, mit der Gas aus dem östlichen Mittelmeer oder dem Kaspischem Meer nach Mittel- und Südeuropa gebracht werden kann.

Die russische Gazprom plant mit der Southstream eine Pipeline, die dafür geeignet wäre. Doch das Projekt ist umstritten. "Die Southstream muss für alle Lieferanten zugänglich sein, nicht nur für die Gazprom", verlangt Boltz. Denn eine alleinige Nutzung durch die Gazprom würde die Abhängigkeit nicht verringern. Die EU-Kommission sieht das genau so.

Boltz hält die Gründung eines Konsortiums von europäischen Netzbetreibern zum Pipeline-Bau für sinnvoll. Bei der Liberalisierung des europäischen Energiemarktes habe man in diesem Bereich zu sehr auf nationale Lösungen gesetzt. Deshalb fehlt in Europa ein Unternehmen wie die Gazprom, das in der Lage ist, teure Infrastrukturprojekte umzusetzen.

Flüssiggas

Ein Alternative zu langen Pipelines ist Flüssig-Erdgas (LNG). Das Gas wird verflüssigt und per Schiff transportiert. In europäischen Häfen werden derzeit zusätzliche Terminals gebaut, in denen der flüssige Brennstoff wieder in den gasförmigen Zustand zurückversetzt werden kann. Dann wird das Gas über die bestehenden Pipelines in Europa verteilt. Allerdings ist Flüssiggas um rund 25 Prozent teurer. Über einen längeren Zeitraum wäre es derzeit möglich, 25 bis 30 Prozent der Importe aus Russland durch Flüssiggas zu ersetzen. Boltz schätzt, dass es noch drei Jahre dauern wird, bis das Angebot an Flüssiggas deutlich steigt.

Derzeit erstellt die EU Notfallpläne, um die Versorgung im Falle eines Lieferstopps aus Russland sicherzustellen. Zwei Szenarien werden durchgespielt. Bei einer Unterbrechung der Gaslieferungen durch die Ukraine wäre Österreich kaum betroffen. Lieferungen über andere Pipelines sind möglich. Anfang September werden die Gasspeicher in Österreich voll sein. Die Reserven reichen etwa für ein Jahr. Probleme mit der Versorgung hätten vor allem Staaten am Balkan und im Baltikum.

Völliger Lieferstopp

Bei einem völligen Lieferstopp der Gazprom schaut es nicht so gut aus. Boltz rechnet bei diesem Szenario nach drei bis vier Monaten mit Versorgungsengpässen in Staaten mit hoher Abhängigkeit von Importen aus Russland.

EU-Kommissar Günther Oettinger sieht die Gefahr, das der Konflikt mit Russland eskaliert. "Die Lage ist ernst". Gasimporte aus Russland sind daher Thema beim EU-Gipfel.

Die Energie-Experten der großen Player am Energiemarkt rechnen aber nicht mit einer Eskalation. Die Gaspreise sind nach wie vor im Keller. Ökonomisch wäre ein Lieferstopp der Gazprom keine gute Idee, erläutert Boltz. "Für die nächsten 10 bis 12 Jahre bleibt Europa der wichtigste Markt. Russland hat keine Alternative." Sollte es aber trotzdem dazu kommen, dann werden alle mit vollen Speichern "den großen Schnitt machen".

Denn der Gaspreis wird bei einem Lieferstopp rasch auf das Doppelte steigen. Das bringt satte Gewinne. Auch die Gazprom hat ihre Speicherkapazität in Europa deutlich ausgebaut.

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