Wirtschaft
24.09.2016

Mit Praktiker Millionen in den Sand gesetzt

Ein Investmentflop holt die Wiener Anlagexpertin Isabella de Krassny ein. Sie weist die Vorwürfe zurück.

Marie-Luise Z. war vor fünf Jahren noch eine wohlhabende Frau. Sie verfügte über 2,6 Millionen Euro, der Großteil stammte aus dem Verkauf ihres Elternhauses. Im Jahr 2010 wechselte sie von der Raiffeisen Centrobank zur Semper Constantia Privatbank, wo sie fortan auch ihr Wertpapierdepot hatte. Sie folgte damit der erfolgreichen Analystin und Fonds-Managerin Isabella de Krassny, die bei der Semper Constantia angeheuert hatte. Krassnys Ehemann, der Chemie-Industrielle Alain de Krassny, hielt bis Herbst 2012 einen Minderheitsanteil an der Privatbank. Und Frau Z. war eine "alte Freundin" von Alain de Krassny. Diese Freundschaft ist aber mittlerweile zerbrochen.

Frau Z. hat kürzlich eine Strafanzeige gegen Isabella de Krassny, deren Ehemann, gegen die Semper Constantia und den zypriotischen Fonds Maseltov eingebracht. Sie fühlt sich "massiv getäuscht". Zur Erklärung: Isabella De Krassny verwaltete den Maseltov-Fonds, der zehn Prozent der Aktien der defizitären deutschen Baumarktkette Praktiker (24.000 Mitarbeiter, drei Milliarden Umsatz) aufgekauft hatte.

Heftige Vorwürfe

Wie aus der Anzeige hervorgeht, soll Frau de Krassny im November 2012 ihrer "Bekannten" Marie-Luise Z. den Kauf einer Anleihe einer Tochtergesellschaft der später insolventen Praktiker-Kette ans Herz gelegt haben.

"Frau Z. vertraute auf die Zusicherung von Isabella de Krassny, dass das Investment in die Praktiker-Anleihe eine sichere Sache sei", behauptet Frau Zs. Anwalt Ewald Scheucher im Gespräch mit dem KURIER. "Dass Praktiker zumindest seit dem Frühjahr 2012 ein Sanierungsfall war, ist meiner Mandantin verheimlicht worden." Außerdem soll beim Kauf der Anleihen "zeitlicher Druck" ausgeübt worden sein. Anfang Dezember 2012 will Frau Z. die unterzeichnete Kauforder für die Praktiker-Anleihen (1,1 Millionen Euro) persönlich in die Privatwohnung der de Krassnys in Wien-Grinzing gebracht haben. Detail am Rande: Frau Z. investierte weitere 500.000 Euro über die Semper Constantia in Papiere des später bankrotten Linzer Plantagenbetreibers Teak Holz International. Das Geld ist großteils futsch. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Zurück zu Praktiker: In deutschen Medien wurde Isabella de Krassny im März 2012 als potenzielle Praktiker-Retterin gefeiert. "Zusammen mit anderen Geldgebern gehört die schlanke blonde Frau aus Österreich zu der Investorengruppe, die jetzt das Sagen bei der angeschlagenen deutschen Baumarktkette hat", schrieb das Handelsblatt.

"Sie war überzeugt, dass Praktiker eine gute Investitionsmöglichkeit ist", sagt ein Bekannter de Krassnys zum KURIER. Sie soll dabei "Gott und Teufel in Bewegung gesetzt haben", damit Investoren Aktien in der Maseltov und Anleihen von Praktiker kauften. Letztlich ging Praktiker aber im Juli 2013 mit Bomben und Granaten Pleite. Von ihrem Praktiker-Investment (1,1 Millionen Euro) hat Frau Z. bisher nur 215.000 Euro zurückerhalten. Mit dem Schaden will sie sich aber nicht abfinden.

Herber Verlust

Alle Angezeigten bestreiten die Vorwürfe. "Die Semper Constantia geht davon aus, dass die Ermittlungsbehörden die Unrichtigkeit der Vorwürfe rasch feststellen und das Verfahren rasch einstellen", teilt die Bank dem KURIER mit. Frau de Krassny sei nie als "Anlageberaterin" für die Bank tätig gewesen.

Auch Isabella de Krassny weist die Vorwürfe als "infame Unterstellung" zurück. "Frau Z. hat mich bedrängt, ihr Tipps zu geben, ich hatte das strikt abgelehnt", sagt Isabella de Krassny zum KURIER. "Erst als mein Mann mich gebeten hat, du kannst doch eine alte Freundin nicht hängen lassen, kam ich dem Wunsch nach, sein Depot offenzulegen, damit Frau Z. sich in Anlehnung seiner Assets die eine oder andere Investment-Idee abschauen kann." Nachsatz: "Frau Z. hat sich vor allem die vermeintlich weniger riskanten Anleihen herausgesucht."

"Nur private Tipps"

Es habe sich dabei aber um keine Beratung gehandelt, sagt de Krassny, sondern es waren lediglich "private Tipps" . "Frau Z. hat selbst entschieden, in was sie investiert", sagt die Kapitalanlage-Expertin. "Wir haben selbst viel Geld verloren, nicht weil ich jemanden betrügen wollte, sondern weil ich hoffte, dass Praktiker zu retten ist." Kolportiert wird, dass de Krassny selbst mindestens 15 Millionen Euro mit Praktiker-Aktien in der Sand gesetzt hat. Dieser Betrag wird von ihr nicht dementiert.