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OECD-Bericht
07/02/2013

Stolz ist erlaubt, Selbstgefälligkeit nicht

Österreich erhielt ein gutes Zeugnis mit Teilleistungsschwächen.

Den Österreichern geht es besser, als ihnen womöglich bewusst ist. „Ihr könnt stolz auf euer Land sein“, ermutigte Angel Gurría, Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD), am Dienstag die Bevölkerung. Auch Kanzler Werner Faymann erntete vom Mexikaner im Bundeskanzleramt in Wien ein Schulterklopfen. Die OECD mit Sitz in Paris stellt regelmäßig Vergleiche ihrer 34 Mitglieder, allesamt fortschrittliche Industriestaaten, an und leitet daraus politische Empfehlungen ab.

Trotz der vergleichsweise geringen Arbeitslosigkeit, steigenden Lebenserwartung und hohen Einkommen: für Selbstgefälligkeit sei kein Anlass, betonte Gurría. Das gute Abschneiden im OECD-Wirtschaftsbericht und beim „Wohlfühlindex “(siehe Grafik)sei kein Ruhekissen. Denn nicht alle profitieren in Österreich gleichermaßen vom hohen Lebensstandard: Alleinerzieher und Menschen mit Migrationshintergrund seien benachteiligt.

Überdies raten die OECD-Experten Österreich seit Jahren, Bildung und Gesundheit auf Vordermann zu bringen. Beide Bereiche bringen bei hohen Kosten nur durchschnittliche Ergebnisse. Bei den Pensionen seien erste Reformen eingeleitet, es gebe aber noch mehr zu tun. Konkret: Höheres Regel-Pensionsalter für Frauen, automatische Anpassung an die steigende Lebenserwartung.

Kritik an Zersiedelung

Als Stärke sieht Gurría neben der Sozialpartnerschaft, die zwischen Löhnen und Produktivität ausgleicht, die vielen kleineren und mittleren Unternehmen. Das Bemerkenswerte: In anderen Ländern hinken diese der technologischen Entwicklung nach, in Österreich sind sie Vorreiter. Die Globalisierung stellt aber auch sie vor Herausforderungen: „Die höhere Spezialisierung könnte Kooperationen mit ausländischen Partnern nötig machen. Die Gepflogenheiten mancher Familienbetriebe sind dafür nicht transparent genug“, sagt OECD-Wirtschaftschef Andreas Wörgötter zum KURIER.

Schwächer als erwartet schneidet Österreich in Sachen Umwelt ab: Der Straßenverkehr nimmt zu, weil allzu viele Menschen in die „Speckgürtel“ rund um die Städte ziehen. Das Ausmaß der Grünflächen, die verbaut und asphaltiert werden, hat sich seit 1995 verdoppelt. Das erhöhe das Hochwasserrisiko und gefährde die Artenvielfalt. Solche Kosten sollten stärker berücksichtigt werden: Die Experten plädieren auch bei Pkw für eine kilometerabhängige Maut statt der Vignette. Das Pendlerpauschale würden sie abschaffen.

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