Wirtschaft
02.08.2017

"Steuer auf Kursgewinne hat private Aktionäre vertrieben"

Fritz Mostböck, Chefanalyst der Erste Group, hält die Steuer für sinnlos.

An der Wiener Börse konnten Anleger in den vergangenen Jahren gutes Geld machen. Nur leider haben sehr wenige private Aktionäre davon profitiert. Die Privaten halten nämlich so gut wie keine Aktien.

Das war nicht immer so. Doch nach der Finanzkrise 2008 hat die Politik nicht nur Aktien als Teufelszeug angeprangert, sondern auch die einjährige Spekulationsfrist abgeschafft, nach deren Ablauf Kursgewinne steuerfrei waren. 27,5 Prozent aller Kursgewinne müssen nun an den Staat abgeführt werden. "Diese Kapitalertragsteuer hat die privaten Aktionäre vertrieben", sagt Fritz Mostböck, Chefanalyst der Erste Group und Präsident des Österreichischen Verbandes der Finanzanalysten.Die Steuer müsse sofort fallen, fordert der Aktien-Experte. Der Finanzplatz Österreich bräuchte mehr private Aktionäre. Es gäbe sicher eine Reihe von heimischen Unternehmen, die an die Wiener Börse gehen wollten. Doch es fehle die Aktionärsschicht im Lande, die Aktien dieser Firmen auch kaufe, erklärt Mostböck.

Die Kapitalertragsteuer auf Aktiengewinne ist für den Experten überhaupt ein seltsames Instrument. "Für den Staat bringt diese Steuer wenig Einnahmen. Für die Banken aber ist der Abrechnungsaufwand enorm. Und die Privaten werden abgeschreckt", sagt er.Für Online-Broker, über die Private Aktien handeln können, sei diese Steuer besonders belastend. Einige, wie etwa Brokerjet der Erste Group, wurden eingestellt. "Die Steuer hat Internet-Broker vertrieben", ist Mostböck überzeugt.

Pensionsvorsorge

Das private Ansparen für die Pension sei ohne gut funktionierenden Kapitalmarkt erschwert. "Der Staat wird die Pensionen auf Dauer nicht stemmen können. Eine private Absicherung fürs Alter wird daher unumgänglich", erklärt der Chefanalyst. Länder wie die Niederlande oder Polen hätten das längst erkannt. In Österreich aber wolle die Politik dies nicht wahrnehmen.

Der Finanzanalysten-Verband (ÖVFA) will dieses Thema im Wahlkampf aufs Tapet bringen. Am 5. Oktober hat der Verband Abgeordnete der wichtigsten Parteien zu einem Gespräch eingeladen, um die Bedeutung eines starken Finanzplatzes für das Land zu diskutieren. Mostböck hofft auf mehr Verständnis der Politik. "Das fehlt bisher völlig", kritisiert er.