Wirtschaft
29.09.2017

Steigender Reichtum: Schon 148.000 Millionäre in Österreich

Linzer Uni-Professoren befeuern mit neuer Studie die Debatte um Erbschafts- und Vermögenssteuer.

Die Ökonomen der Johannes-Kepler-Universität in Linz sind eigentlich über jeden Verdacht erhaben, dem politischen Klassenkampf verfallen zu sein. Doch ein Team um Professor Jakob Kapeller vom Institut für die Gesamtanalyse der Wirtschaft hat nun eine Studie zum Reichtum der Österreicher vorgelegt, die politische Debatten auslösen soll. Das ist nämlich das Ziel der Auftraggeber – der Arbeitskammern Wien und Oberösterreich. Sie fordern die Einführung von Vermögens- und Erbschaftssteuern.

Die Quintessenz der neuen Studie, die auf einer Datenerhebung der Oesterreichischen Nationalbank basiert, ist: Die reichen Österreicher sind reicher, als bisher bekannt ist. So wiegt das Netto-Vermögen (Bargeld, Wertpapiere, Immobilien, Firmenbeteiligungen, private Pensionsvorsorge) der heimischen Haushalte laut ausgetüftelter Hochrechnungen Kapellers 1317 Milliarden Euro, um 310 Milliarden mehr als die OeNB erfasst hatte. Die Zahl der Millionäre stieg sogar von 129.000 auf 148.000. Dazu kommen noch 36 Milliardäre.

Demnach verfügen die reichsten 20 Prozent der Haushalte über 79 Prozent des gesamten Netto-Vermögens, sprich die Schulden, zum Beispiel für einen Hauskredit, sind dabei schon abgezogen. Das oberste Prozent des Geldadels sitzt auf 40,5 Prozent des Gesamtvermögens. Oder anders gesagt: Rund 38.600 Haushalte verfügen laut Linzer Experten über etwa 534 Milliarden Euro Vermögen. Wie viel davon vererbt wurde, das kann aus diesen Zahlen nicht abgeleitet werden.

Starke Abweichung

Offenbar gibt es aber unterschiedliche Berechnungsmethoden. Die Zahlen von Kapellers Team weichen von den Originaldaten der Nationalbank (3000 befragte Haushalte) deutlich ab. Die Nationalbank geht in ihrer Erhebung von einem Gesamtvermögen von rund 1000 Milliarden Euro aus, dem reichsten Prozent gehört davon ein Viertel.

"Der Hauptunterschied zu den Nationalbank-Daten ist, dass durch die Linzer Hochrechnungen jetzt erstmals das Vermögen im obersten Prozent erfasst ist", erklärt Markus Marterbauer, Chefökonom der Arbeiterkammer. Er räumt aber ein, dass noch mehr Transparenz bei diesen Erhebungsdaten nötig ist, um über die steigende Ungleichheit in der Vermögensverteilung politisch debattieren zu können.

Problematisch ist bisher, dass sich vermögende Haushalte nicht in die Karten schauen lassen und solche Befragungen ablehnen. Marterbauer fordert daher von der Bundesregierung die Einführung einer Teilnahmeverpflichtung und die Erstellung eines Reichtumsreports, wie es ihn in Deutschland oder anderen EU-Staaten schon seit 20 Jahren gibt.

Zurück zur Studie: Die unteren fünfzig Prozent der Haushalte besitzen nur 2,5 Prozent des Gesamtvermögens, die untersten Zwanzigprozent haben gerade einmal 6400 Euro auf der hohen Kante.

Erbschaftssteuer

"Wir favorisieren die Erbschaftssteuer schon lange", sagt AK-Experte Marterbauer. "Wenn man nur die Millionäre nimmt, wären nur vier Prozent der Haushalte betroffen. Man kann der Erbschaftssteuer auch viel vom Schrecken nehmen, wenn man sie für Zwecke widmet, die der Allgemeinheit zugutekommen – wie für Pflege oder Bildung." Und wenn ein Unternehmen vererbt wird, kann sich Marterbauer vorstellen, dass die Erbschaftssteuer gestundet und in Raten von zehn Jahren bezahlt wird. Auch hier ist Deutschland das Vorbild.