Wirtschaft
20.04.2017

Starke Pendler-Bewegung bei den Immobilienpreisen

Aktionen gegen Pendler bringen höhere Preise für Immobilien in den Ballungszentren.

Im September wird auch der Wiener Bezirk Favoriten das Parkpickerl einführen. Autobesitzer mit Wohnsitz im 10. Bezirk können sich ein Parkpickerl kaufen und damit im Bezirk parken. Alle anderen bezahlen wie in einer Kurzparkzone. Das Parkpickerl beschert der Gemeinde zusätzliche Einnahmen und soll Pendler fernhalten. Überhaupt soll der Pendlerverkehr mit dem Auto aus Klimaschutzgründen massiv eingeschränkt werden.

Nebenwirkungen

Diese Politik hat allerdings Nebenwirkungen. Wenn es für die Pendler immer schwieriger und teurer wird, zum Arbeitsplatz zu kommen, steigt die Motivation, in die Ballungszonen umzuziehen. Das verstärkt den ohnehin sehr starken Trend, vom Land in die städtischen Regionen zu wechseln.

Univ. Prof. Michael Bräuninger von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg hat die Auswirkungen von Zuwanderung auf die Immobilienpreise in den Ballungszentren untersucht. "Steigt die Einwohnerzahl um ein Prozent, ziehen die Immobilienpreise um zwei Prozent an." Es ist daher kein Wunder, dass die Immobilienpreise in Wien oder Innsbruck sowie im Umland in den vergangenen Jahren massiv gestiegen sind.

Laut der im Auftrag des ÖAMTC erstellten Studie gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen Immobilienpreisen und dem Pendleraufkommen. Hohe Preise für Eigentumswohnungen in den Städten motivieren dazu, sich billigeren Wohnraum außerhalb zu suchen.

Zwischen 2009 und 2014 ist die Zahl der Pendler in allen Landeshauptstädten gestiegen. Österreichweit machen sich an einem Arbeitstag etwa 2,14 Millionen Menschen auf den Weg in eine andere Gemeinde. Rund 1,3 Millionen Pendler erhalten als Abgeltung eine Pendlerpauschale.

Kein Konzept

Ein umfassendes Konzept liegt nicht vor. Es wird vielmehr darüber nachgedacht, die Pendlerpauschale im Zug einer ökologischen Steuerreform abzuschaffen, um das Pendleraufkommen zu reduzieren. Das würde den Zuzug in die Ballungszonen weiter verstärken. Die Bundesregierung hat allerdings ein Programm gestartet, um die Abwanderung aus den ländlichen Gebieten zu reduzieren.

"Die Bekämpfung des Pendelns ist nicht zielführend", lautet die Schlussfolgerung vom Leiter des ÖAMTC, Bernhard Wiesinger. Die Klimastrategie der Bundesregierung dürfe kein Vorwand sein, die Pendler zusätzlich zu belasten. Zumal vor allem jene mit dem Auto unterwegs seien, die über keine vernünftige Alternative mit öffentlichen Verkehrsmitteln verfügen.