Magna-Zentrale wird nach Wien verlegt

THEMENBILD: MAGNA INTERNATIONAL EUROPE
Foto: APA/Herbert Pfarrhofer Die Magna-Zentrale soll aus Oberwaltersdorf abwandern.

Landtagswahlkampf. Stronach ätzt, NÖ sei "kein attraktiver Standort". Die ÖVP schießt zurück.

Eine Entscheidung des Autozulieferers Magna sorgt für Gesprächsstoff im niederösterreichischen Landtagswahlkampf: Die Europa-Zentrale des von Frank Stronach gegründeten Unternehmens wird mit Jahresende voraussichtlich von Oberwaltersdorf (Bezirk Baden) nach Wien verlegt.

Der Konzern versicherte am Mittwoch, dass die „betriebswirtschaftliche Entscheidung“ nichts mit den politischen Ambitionen des mittlerweile aus der Firma ausgeschiedenen Stronach zu tun habe. Der Vertrag für das angemietete Gebäude in Oberwaltersdorf laufe mit Jahresende aus, erklärt eine Sprecherin. Im Süden Wiens hofft man auf einen günstigeren Standort. Verhandlungen laufen mit den Betreibern des Bürokomplexes „Euro Plaza“.

Stronach nutzte die Causa gleich für Wahlwerbung in eigener Sache: Die Kosten in Niederösterreich seien zu hoch, „das Land scheint leider kein attraktiver Standort zu sein“, stichelte der Milliardär in Richtung ÖVP. Das wichtige sei aber, dass die Arbeitsplätze in Österreich erhalten bleiben.

„Faktum ist, Niederösterreich ist ein top-attraktiver Standort, was ein Rekord an Betriebsansiedlungen beweist“, konterte ÖVP-Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav . Zudem seien andere Standorte im südlichen Niederösterreich für die Zentrale im Gespräch.

Der Oberwaltersdorfer Bürgermeister Markus Gogollok (ÖVP) zeigt sich über die Absiedelung „bestürzt. Mit uns hat niemand gesprochen“, stellte er klar.

Pröll vs. Stronach

Der Wahlkampf in NÖ spitzt sich immer mehr auf das Match Erwin Pröll gegen Stronach zu. Der Austro-Kanadier spricht Pröll Respekt ab und vergleicht das Land mit einer Diktatur. Pröll, für den es am 3. März um die absolute Mehrheit geht, lässt seine Landesräte Stronachs „Baustellen“ kritisieren.

Der Zwist reicht aber viel länger zurück. Geplatzte Träume eines Milliardärs spielen eine zentrale Rolle. Es war 1999, als die Raumordnungsabteilung des Landes „die Kugel“ ablehnte. Jenen „Magna Globe Resort Park“, der die Errichtung einer 140 Meter hohen „Weltkugel“ nahe Ebreichsdorf vorsah. Frank Stronach wollte einen Themenpark samt Geschäften und Gastronomie inmitten eines Reitsportzentrums für 700 Pferde verwirklichen.

Jüngst ließ Stronach verlauten, Pröll habe ihm damals Unterstützung zugesagt, sei dann aber umgefallen.

„Niemand ist umgefallen. Das Projekt wurde aus wasserschutzrechtlichen Gründen abgelehnt“, entgegnet der jetzige VP-Umweltreferent Stephan Pernkopf. Und nun wolle Stronach „seine Söldnertruppe in den Landtag schicken, um seine Luftschlösser durchzudrücken“.

Doch nicht nur die Kugel war Zankapfel: Auch dass das Land 2010 eine von ihm geforderte Haftung über vier Millionen Euro für ein Fußballstadion in Wiener Neustadt nicht übernommen hat, hat Stronach nicht vergessen.

(kurier / M. Hofer, P. Kienzl) Erstellt am
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