Sportartikel­han­del: Neu aufgestellt in den Winter

Sporthändler leiden unter mildem Winter
Foto: dpa/Matthias Schrader Skischuhe werden noch gekauft. Jeder zweite Skifahrer wedelt aber auf geliehenen Bretteln über die Piste.

Sportartikelhändler setzen verstärkt auf Billigware - Sport 2000 geht einen anderen Weg.

Was die Zahl an Sportgeschäften angeht, ist Sölden rekordverdächtig. In der nicht einmal 4000 Einwohner zählenden Ötztaler Tourismusgemeinde versorgen 32 Sportartikelhändler Skifahrer und Snowboarder mit Bretteln und allem was man auf der Piste braucht. Das Geschäft nebst den Liftstationen brummt. Wie hoch die Preise sind, scheint an den Hotspots des Wintersports nebensächlich.

Durch die Sportartikelbranche in Österreich gibt es dagegen einen Ruck in Richtung Billigschiene. Angetrieben vom britischen Diskontriesen Sports Direct, der sich im Juli die Mehrheit an Sport Eybl/Experts geholt hat. Der größte Sportartikelhändler Großbritanniens krempelt das oberösterreichische Familienunternehmen gehörig um. Fast jede zweite Eybl-Filiale wird zu einem preisaggressiven Sports Experts umgebaut und verstärkt aus London bestückt. Sprich, mit Marken wie Dunlop oder No Fear, die dem neuen Mehrheitseigentümers gehören. „Sports Experts hat einen neuen Schuhschwerpunkt und geht mehr in Richtung Diskont“, formuliert es Katharina Brunner, Sprecherin von Sport Eybl & Experts. Dadurch sollen Kunden, die bisher beim Diskonter billige Schuhe und T-Shirts gekauft haben, in die Läden gelockt werden.

Holger Schwarting, Chef der Fachhändlergemeinschaft Sport 2000, kommt das gelegen. Er will seine 220 Händler aus der gröbsten Preisschlacht heraushalten – und sich im Qualitätssegment positionieren. Unter anderem mit mehr Service und Marken, die es im Billigsegment nicht gibt, etwa Mammut oder Asics. Damit fischt er im selben Teich wie Eybl. Dass dort 13 der 29 Filialen auf die Billigschiene Experts umgeflaggt werden, könnte ihm also zusätzliche Kunden bringen. Freilich muss Schwarting seinen Händlern dennoch günstige Einkaufskonditionen bieten. Deswegen kauft Sport 2000 seit Februar diesen Jahres gemeinsam mit Giga Sport ein, um bessere Konditionen zu bekommen. Der Marktanteil in Österreich stieg dadurch von 22 auf 29 Prozent. Schwarting erhofft sich schon allein durch die Marktnähe einen strategischen Vorteil. Schließlich gehört auch Intersport Österreich seit September zu hundert Prozent zu Intersport Deutschland – und wird daher künftig teilweise aus Heilbronn gemanaged. In Österreich wird das wohl zu einem größeren Personalabbau führen.

Hochsaison

In jedem Fall startet die Branche neu aufgestellt in die umsatzstärksten Monate im Jahr. Im Dezember und Jänner sind die Umsätze traditionell doppelt so hoch wie in anderen Monaten. Rund 15 Prozent des Geschäfts – vor allem im Bereich Textilien – werden bereits im Web gemacht, Tendenz weiter steigend.

Milliardenmarkt Sportfachhandel
Ausgaben Der Sportfachhandel verkauft jährlich Waren im Wert von rund 17,5 Mrd. Euro. Dazu kommen 500 Mio. Euro, die von branchenfremden Händlern – von Forstinger bis zu Hofer und Tchibo – umgesetzt werden. Im Vorjahr hat jeder Österreicher laut Statistik 261 Euro für Sportartikel ausgegeben, im Jahr zuvor waren es 253 Euro.
Marktführer Sport 2000 und Gigasport sind mit 29 Prozent Marktanteil zusammengenommen Marktführer, gefolgt von Intersport (21,4 Prozent), Sport Eybl/Sports Experts und Hervis (24,2 bzw. 15,8 Prozent)
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(kurier) Erstellt am
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