Wirtschaft 05.12.2011

Sponsor von Laudas Kapperl in Bedrängnis

Money Service Group: Beim Liechtensteiner Kapperl-Sponsor von Niki Lauda geht's rund. Der Chef kam plötzlich abhanden, Rechnungen werden nicht bezahlt.

Niki Lauda, bekannt sparsamer Billig-Airliner, könnte der Sponsor fürs blaue Kapperl abhanden kommen. Seit Tagen versucht der dreifache Ex-Formel-1-Weltmeister, Michael Seidl zu erreichen. Der Gründer der im liechtensteinischen Schaan domizilierten Money Service Group (MSG) trat am 30. Juni völlig überraschend als Chef der Finanzdienstleistungs-Gruppe zurück. Offizielle Erklärung: gesundheitliche Gründe.

Was in der Branche freilich niemand so recht glauben will. Kurz vor der jähen Erkrankung gab Seidl noch ein Interview über seine Pläne in Österreich. Mit Kleingeld gibt sich der Finanzmanager, dem kein Mangel an Selbstbewusstsein nachgesagt wird, gar nicht ab. Privatkunden ab einem Vermögen von drei Millionen Euro aufwärts seien die potenzielle Klientel.

Lauda hatte mit Seidl im Jänner einen vierjährigen Sponsor-Vertrag abgeschlossen. "Bis jetzt wurde alles gezahlt", sagt Lauda. Die nächste Rate ist Anfang August fällig. Klar, dass Niki Nazionale wissen will, ob er mit dem Geld rechnen kann. "Ich habe versucht, Herrn Seidl zu erreichen. Leider habe ich bis heute nichts von ihm gehört." Wie viel er für sein Kapperl bekommt, will Lauda nicht verraten. Beim Vorgänger Oerlikon waren es rund 1,2 Millionen. Nicht anzunehmen, dass es Lauda für die MSG, die mit viel Geld in der Formel 1 um sich wirft und das Sauber F1 Team mitfinanziert, wesentlich billiger gibt.

Der Sponsor von Niki Laudas blauer Kopfbedeckung dürfte in veritablen Schwierigkeiten stecken.
© Bild: KURIER/Christandl

Der ehemalige Skirennläufer Michael Walchhofer hat bereits eine offene Rechnung - aus dem Sponsor-Vertrag vom Vorjahr. Dem Weltmeister von 2003 ist es ebenfalls nicht gelungen, Seidl seit seinem Abgang ans Telefon zu kriegen. "Wäre ärgerlich, wenn das Geld nicht kommt", brummt Walchhofer, der mindestens so ein Sparefroh ist wie Lauda.

Genau genommen muss sich jetzt der ÖSV um die Kohle kümmern, der Skiverband hat den Vertrag abgeschlossen. An die MSG vermittelt wurde Walchhofer von Harti Weirather vermittelt, der mit seiner Frau eine große Agentur in Liechtenstein betreibt. Walchhofer hat gleich doppelt Pech. Er verlor eine angeblich sechsstellige Summe beim Zusammenbruch der AvW-Gruppe des Kärntner Finanzjongleurs Wolfgang Auer-Welsbach.

Auf rund 60.000 Euro wartet die PR-Agentur Ecker & Partner. Auch die Schweizer Agentur, die MSG betreut, soll eine offene Rechnung haben. Die nach einjähriger Verzögerung im April 2011 eröffnete Repräsentanz in der Wiener Innenstadt wird derzeit gerade ausgeräumt. Als Mitglied eines Expertenrates war der ehemalige Verkehrsminister Rudolf Streicher angekündigt worden. Auf der Homepage wird übrigens der Banker Georg Wallentin, derzeit bei der LGT Bank, ab August als Top-Experte bei MSG angekündigt. Der hat allerdings schon längst abgewunken.

Wer aber ist die Money Service Group?

Das erste Unternehmen wurde 1993 von Michael Seidl gegründet. Die Dachmarke besteht aus drei Gesellschaften. Man versteht sich als umfassendes "Family Office" für Reiche und hat auch Fonds aufgelegt. In einen der Fonds hat Lauda eine kleine Summe investiert. Bei den Fonds sind auch kleine Sparer als Kunden willkommen. Erfahrung, wie man Anleger keilt, hat Seidls interimistischer Nachfolger Thomas Adam Ziegler , der war zuletzt Inhaber einer Finanzvertriebsgesellschaft mit 2000 freien Mitarbeitern.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011