Wirtschaft
14.03.2013

Speisefische: Die rote Liste wird länger

Acht Kilo Fisch verzehrt jeder Österreicher im Jahr. Greenpeace liefert mit dem aktualisierten Fischratgeber Einkaufshilfe.

So mancher mag im Zuge des jüngsten Fleischskandals vermehrt zu Fisch greifen. Um es im Fastenzeit-Jargon zu sagen: Ab nun Karfreitag, aber jeden Tag.

Doch welcher Fisch kann mit gutem Gewissen gekauft werden?

Für mehr Durchblick beim Fischkauf sorgt die heute erschienene Neuauflage des Greenpeace "Fisch-Ratgebers", für den über 500 Fischereien und Fischzuchten ökologisch bewertet wurden. Darin wird aufgelistet, was eigentlich auf jeder Verpackung stehen sollte: Artname, Fanggebiet und Fang- bzw. Zuchtmethode.

Klar ist: Die "Leider Nein"-Liste ist länger geworden, und das Leben für umweltbewusste Konsumenten und Pescetarier (Fleisch nein, Fisch ja) damit schon wieder härter.

Denn laut der Greenpeace-Auswertung der aktueller wissenschaftlichen Daten zu Bestandsgrößen, Fangquoten und eingesetzten Fangmethoden soll auf hierzulande beliebte Speisefische wie beispielsweise Alaska-Seelachs (der in vielen Fischstäbchen und Schlemmerfilets steckt) Zander oder Makrele verzichten werden.

Als ökologisch vertretbare Alternative werden heimischer Karpfen und Saibling angeführt.

Fisch-App

Wer im Supermarkt vor dem Tiefkühlregal oder der Fisch-Theke steht und ad hoc mehr Wissen möchte: Die Orientierungshilfe gibt es auch als Mobilversion für das Smartphone gibt.

Greenpeace fordert von Handel und Fischindustrie eine vollständige Kennzeichnung ihrer Produkte. "Der Fischindustrie ist diese lückenhafte Kennzeichnungspflicht jedoch meist sehr recht, denn wer kauft schon Fischstäbchen, auf denen als Fangmethode umweltschädliche Grundschleppnetzfischerei ausgewiesen ist“, so Greenpeace-Konsumentensprecherin Claudia Sprinz.

Acht Kilo Fisch

Durchschnittlich verzehrt jeder Österreicher rund acht Kilogramm Fischfilet pro Jahr, das entspricht einem Fanggewicht von etwa 14 Kilogramm. 87 Prozent aller Fischbestände sind bereits erschöpft, überfischt oder komplett ausgebeutet, schätzt die Welternährungsorganisation FAO. In Europa gelten drei von vier Fischbeständen als überfischt, ein neues Fischerei-Gesetz wird derzeit auf deine Beine gestellt (siehe unten).

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Kritik an Rückwurfquoten

Erst jüngst, Ende Februar 2013, einigten sich die EU-Länder auf eine Reform der Fischereipolitik. Die zuständigen europäischen Minister fanden einen Konsens bei den Themen Beifänge, Rückwürfe und Anlandegebote.

So soll etwa beim Kampf gegen die Überfischung künftig ein Verbot helfen, versehentlich gefangenen Fisch wieder zurück ins Wasser zu werfen. Denn dort landen die Tiere oft tot oder verletzt.

Ob sich diese sogenannten Beifänge ganz vermeiden lassen, ist strittig. Fakt ist: Sie bleiben in einer gewissen Höhe erlaubt, allerdings wird die Menge jedes Jahr etwas verringert. In mehreren Jahren soll die Zahl der Rückwürfe dann auf sieben Prozent sinken. Zudem wird dieses Rückwurfverbot in den unterschiedlichen europäischen Gewässern in den verschiedenen Regionen erst schrittweise eingeführt.

Als Erfolg wollen Umweltschutzorganisationen die Beschlüsse auf politischer Ebene deshalb nicht bewerten. "Es ist inakzeptabel", so Greenpeace-Sprecherin Melanie Aldrian, "dass auch zukünftig essbarer Fisch weggeschmissen werden darf. Von der viel gerühmten Kehrtwende in der Fischereipolitik kann nicht gesprochen werden."

Die weitaus ambitionierteren Reformvorschläge des Europäischen Parlaments fanden vorerst kein Gehör. Für Aldrian liegt der Ball nun beim Europäischen Parlament, dieses dürfe in den kommenden Verhandlungen nicht abzuweichen und müsse "einen gangbaren Weg finden, der dem Fischbestand die dringende Erholung beschert."

40 Prozent des Fischfangs landen im Müll

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