Spanien in der zweiten Rezession

Madrid Börse
Foto: Reuters ANDREA COMAS Sorgenfalten an der Börse in Mailand.

Erneut steckt Spanien in einer Rezession, die Zinsen für Staatsanleihen überstiegen die kritische sechs-Prozent-Marke.

Die spanische Wirtschaft ist nach jüngsten kolportierten Zahlen zu Jahresbeginn erneut geschrumpft und steckt damit zum zweiten Mal seit 2009 in einer Rezession. "Das erste Quartal dürfte genauso ausgefallen sein wie das letzte Quartal des vergangenen Jahres", sagte Wirtschaftsminister Luis de Guindos. Im Schlussvierteljahr 2011 war das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent gesunken. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge wird von einer Rezession gesprochen.

Darüber hinaus ist die Sorge um Spanien auch in den gestiegenen Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen neuerlich zum Ausdruck gekommen. Die Rendite für solche Papiere stieg am Montag deutlich auf über sechs Prozent und notierte am Vormittag sogar schon bei 6,131 Prozent. Viele Experten halten ein Niveau von mehr als sechs Prozent für langfristig nicht tragbar.

"Wir sind voll zurück im Krisenmodus", sagte Rabobank-Analyst Ly Graham-Taylor. "Es sieht immer mehr danach aus, als ob Spanien irgendeine Art von Rettung braucht." Ausgelöst wurde der Zinsanstieg von anhaltenden Sorgen um die spanischen Banken. Sie liehen sich im März 316 Mrd. Euro von der Europäischen Zentralbank (EZB) - rund doppelt so viel wie im Februar. Viele Geldhäuser leiden unter den Folgen der in den vergangenen Jahren geplatzten Immobilienblase.

Barroso: "Volles Vertrauen"

"Volles Vertrauen" in Spanien hat EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso. Am Rande einer Pressekonferenz zum Thema nachhaltige Energie sagte Barroso am Montag in Brüssel, der sei absolut zuversichtlich, dass die spanische Regierung "alle Schwierigkeiten meistern" werde.

Zu Spekulationen über allfällige Finanzhilfen für Spanien - nach Griechenland, Irland und Portugal - zeigte sich Barroso ablehnend. "Wir arbeiten mit den spanischen Behörden sehr eng zusammen." Er habe absolutes Vertrauen in die Regierung in Madrid, mit den Problemen umgehen zu können.

Kredite

Um die Konjunktur anzukurbeln, will die spanische Regierung mittelständischen Unternehmen einen besseren Zugang zu Krediten verschaffen. "Wir werden einen Markt für Unternehmensanleihen vorantreiben, der für mittelständische Firmen sehr attraktiv sein könnte", sagte de Guindos. Die Unternehmen leiden unter einem schlechten Zugang zu frischem Geld. Die Kreditvergabe sei zuletzt um vier Prozent geschrumpft.

(apa / js) Erstellt am
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