© Angel Vadillo

Wirtschaft
08/18/2012

Spanien: Bürgermeister hungert gegen Krise

Er ist im dritten Monat seines Hungerstreiks: Angel Vadillo, Bürgermeister einer Kleinstadt, protestiert gegen den Sparkurs der Regierung.

Seit April hat Angel Vadillo seine Zelte vor dem spanischen Industrieministerium aufgeschlagen. Und seit mehr als zwei Monaten hat der 48-Jährige Politiker keine feste Nahrung mehr zu sich genommen – aus Unverständnis und Empörung darüber, dass der spanische Staat jegliche Zuschüsse für neue Projekte bei erneuerbaren Energien gestrichen hat. Denn seine Gemeinde Alburquerque, die knapp 5500 Einwohner zählt, steht dadurch vor der Pleite, berichter der Spiegel.

Albuquerque liegt in der Region Extremadura, die eine Arbeitslosenrate von bis zu 30 Prozent aufweist. Die Gemeinde hat sich bereits vor zwei Jahrzehnten auf Solarenergie verlegt und lebte davon ganz gut – bis das Ministerium kam und die Förderungen strich. "Das bedeutet, dass wir 850 neue Arbeitsplätze verlieren", sagt Angel Vadillo. Landesweit dürften es bis zu 10.000 sein. Durch die Steuerausfälle kann sich der Ort zudem viele Sozialprojekte nicht mehr leisten. Eine Behindertenwerkstatt und ein Altersheim seien gefährdet.

Marsch auf Madrid

Mit seinem Hungerstreik will der Politiker Madrid dazu bewegen, die Maßnahme wieder rückgängig zu machen. Ein derartig plakativer Protest war allerdings gar nicht von Anfang an geplant: Der spanische Bürgermeister machte sich zu Fuß in die spanische Hauptstadt auf, um mit Minister José Manuel Soria über sein begehr zu sprechen – doch der wollte ihn nicht mal empfangen. Vadillos trotzige Reaktion: Er parkte einen Lieferwagen vor den Toren des Gebäudes, richtete sich dort häuslich ein und trat in den Hungerstreik.

Die einzige Nahrung, die er zu sich nimmt, ist Honigwasser – und zwar acht Liter davon täglich. Vadillo ist sichtlich abgemagert; dies bestätige auch die Ambulanz, die seinen Gesundheitszustand überwache: "Sein Zustand ist kritisch", wird der Sanitäter vom Spiegel zitiert.

"Das Treffen – ein Monolog"

Der zuständige Minister ließ Vadillo nach geraumer Zeit – und mehreren Berichten über dessen Aktion – dann später doch zu sich vor. Das Ergebnis ist allerdings recht fruchtlos: "Unser Treffen war mehr ein Monolog", so Vadillo. "Ich habe meinen Standpunkt erklärt, und der Minister hat kein Wort gesagt außer, dass ich meine Haltung noch mal überdenken solle."

Mehr Resonanz findet der kämpferische Bürgermeister bei seinen Wählern – in seiner Heimatgemeinde trifft man sich jeden Tag um zehn Uhr vor dem Rathaus, um Vadillo, den "Helden", moralisch zu unterstützen. Und per Mausklick unterstützten Vadillo immerhin schon vier Millionen Menschen. Aufgeben will er gerade deshalb nicht, auch wenn er mit de Aktion sein Leben aufs Spiel setzt: "Es geht auch darum, in Würde zu leben", so Vadillo im Spiegel.

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