Spitzengage in der Siedlungsunion

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Foto: /Siedlungsunion Die Genossenschaft verwaltet rund 8000 Wohneinheiten.

Genossenschafter kritisieren das hohe Obfrau-Einkommen und politische Naheverhältnisse.

Der gemeinnützige Wohnbau im roten Wien sorgt immer wieder für Aufregung und ist beliebte Zielscheibe der Opposition. Vor allem, wenn Billig-Bleiben für gut verdienende Funktionäre oder üppige Gagen von Managern an die Öffentlichkeit kommen. Zuletzt musste sich Sozialbau-Chef Herbert Ludl verteidigen. Der dreiköpfige Vorstand reicht insgesamt knapp an die Million Euro heran.

Die Sozialbau ist mit mehr als 48.000 Wohnungen immerhin der größte private Hausherr in Österreich. Aber auch bei kleinen Genossenschaften kann man prächtig verdienen. Ingrid Schubert, Obfrau der gemeinnützigen Siedlungsunion, darf sich ebenfalls zu den Spitzenverdienern zählen. Was einigen informierten Genossenschaftern sauer aufstößt.

Die Frau Kommerzialrätin ist eine von drei Bereichsleitern, zuständig für Neubau, Sanierung und Vertrieb. Dafür verdient sie 9649,70 Euro brutto im Monat, 14-Mal im Jahr.

Weil Frau Schubert auch in den Vorstand bestellt und zur Obfrau gekürt wurde, darf sie sich über eine zusätzliche monatliche Aufwandsentschädigung von 5078 Euro freuen.

Und da wäre noch die Funktion als SPÖ-Gemeinderätin. Für den Rathaus-Job kommen weitere 6.601,60 Euro brutto aufs Gehaltskonto, 14-Mal jährlich. Macht monatlich insgesamt 21.329 Euro und ergibt ein Jahressalär von 288.454 Euro. Eine stolze Gage für eine Genossenschaft mit rund 8000 Wohnungen und 22 Mitarbeitern und einen politischen Posten. Um in solche Dimensionen zu kommen, muss man als Manager in der Privatwirtschaft schon sehr weit oben in einem Großunternehmen sein.

"Ich arbeite sehr viel und habe keinen Acht-Stunden-Tag, sondern einen 12- bis 14-Stunden-Tag. Außerdem hafte ich als Obfrau mit meinem Privatvermögen für das Unternehmen", argumentiert Schubert im KURIER-Gespräch. Sie hält ihr Einkommen für gerechtfertigt, "weil ich meine Leistungen auf den Boden bringe, was in den Bilanzen ersichtlich ist und weil meine Leistungen effizient sind".

Schubert hat tatsächlich keine Sonderregelungen, sie kann sich auf den Kollektivvertrag berufen. Die Gemeinnützige Wohnungswirtschaft hat nämlich einen eigenen KV. Versteht sich irgendwie von selbst, dass dieser großzügiger ist als etwa der KV für kaufmännische Angestellte.

Wer es in der höchsten Verwendungsgruppe (VI) auf 27 Dienstjahre schafft, ist mit mehr als 6500 Euro eingestuft. Schubert, 66, jobbt seit April 1978 bei der Siedlungsunion.

Bereits nach 15 Jahren winkt ein Monatsgehalt als Jubiläumsgeld. Nach drei Jahren treuer Dienste wird bei der ersten Verehelichung eine Sonderzulage ausgezahlt, nach dem ersten Dienstjahr gibt’s für jedes Kind eine Beihilfe von mehr als 2500 Euro.

Auch die Vorstands-Gage von Schubert entspricht den Vorschriften. Dafür verrechne sie nicht einmal Kilometergeld, erklärt sie. Das müsste sich mit der Aufwandsentschädigung ohnehin locker ausgehen.

Der Vorstand ist nur ein Ehrenamt und kein Hauptjob. Neben Schubert sitzt der Geschäftsführer einer Tochter der Siedlungsunion im Vorstand, sowie Manfred Führer, technischer Direktor des SMZ Ost. Beide teilen sich eine Pauschale von 5920 Euro im Monat.

Chef des Aufsichtsrates ist Thomas Reindl, im Hauptberuf Abteilungsleiter in der Nationalbank und – Überraschung – ebenfalls SPÖ-Abgeordneter. Im Rathaus stellt er den Ersten Vorsitzenden des Gemeinderates.

Die Optik ist katastrophal und in der Privatwirtschaft wäre es unvereinbar, dass der Aufsichtsratschef und die Obfrau Abgeordnete derselben Partei sind. Der Aufsichtsrat hat den Vorstand zu kontrollieren und darf kein Naheverhältnis zum Management haben. "Man soll uns an unseren Taten messen und nicht an der Optik. Die Siedlungsunion hat ein klares Zukunftskonzept und steht wirtschaftlich hervorragend da", kontert Reindl. Die Frage der Optik will er lieber nicht kommentieren. In Genossenschaften ticken die Uhren eben anders als in der Privatwirtschaft.

Schubert gehört zum SPÖ-Urgestein. Nach einer Lehre bei der Stadt Wien im zweiten Bildungsweg zur Bilanzbuchhalterin ausgebildet, jobbte sie vor der Siedlungsunion bei der SPÖ Donaustadt. Der Wahlkreis ist auch die politische Heimat ihres Aufsichtsratschefs. Die Vielarbeiterin ist noch Vize-Vorsitzende des Stadtrechnungshofes. Die Genossenschaften werden übrigens nicht vom Rechnungshof geprüft, sondern vom Revisionsverband der gemeinnützigen Bauvereinigungen. Schubert, einzige Frau unter den heimischen Genossenschafts-Obleuten, sitzt auch noch in einigen Gemeinderatsausschüssen, darunter dem Unvereinbarkeitsausschuss ...

(kurier) Erstellt am
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