Wirtschaft
04.03.2013

Sound für die Ohren der Autofans

Das steirische Familienunternehmen lässt auch Hybridautos wie Benziner brummen

Angelika Kresch gibt Gas. Die Chefin der Remus-Sebring-Gruppe und damit von 500 Mitarbeitern in der Steiermark fährt einen Porsche und trägt rote Hosen mit Gepardenmuster. Sie ist freundlich, aber bestimmt. „Beinhart“ sei sie bei Verhandlungen, sagen Geschäftspartner. In der krisengebeutelten Autozulieferer-Branche ist das wohl nötig.

Remus baut Auspuffanlagen für Autos und Motorräder und nennt sich selbst Weltmarktführer von Sportauspuffanlagen. Einst im Tuning-Bereich positioniert, macht Remus heute 60 Prozent des Geschäfts als Erstausstatter für die Industrie. Auf der Kundenliste stehen Ducati, Porsche, Mercedes AMG, Bentley oder McLaren. Bei Sebring in Voitsberg laufen Abgasanlagen für die Industrie vom Band, der Tuning-Bereich ist bei Remus in Bärnbach angesiedelt.

Kresch hat nach der HAK-Matura bei Sebring gearbeitet, dort ihren Mann, den Techniker Otto Kresch, kennengelernt. Die beiden haben Sebring 1990 verlassen und Remus gegründet. Sieben Jahre später hat das Paar ihren alten Arbeitgeber übernommen. „Heute arbeite ich nicht mehr so viel. Täglich 16 bis 18 Stunden von Montag bis Freitag“, sagt Kresch, während sie durch die Fabrik führt. „Früher hab ich auch am Wochenende gearbeitet.“

In den Fabrikshallen hängen Plakate der Gewerkschaft und Kalender mit männlichen Models. Ein Fünftel der Belegschaft ist weiblich. „Wir haben viele ehemalige Frisörinnen oder Verkäuferinnen zu Schweißerinnen ausgebildet“, sagt Kresch. „Sie haben sich entgegen aller männlicher Unkenrufe durchgesetzt.“

Die Auftragsbücher sind derzeit gut gefüllt, die Krise hat das 100-prozentige Familienunternehmen aber quasi überrollt. „Im Oktober 2008 ist unser Auftragsstand bei Sebring von Freitag auf Montag um 70 Prozent eingebrochen. Wir dachten erst, wir haben ein EDV-Problem“, erzählt Kresch. „War es aber nicht. Es war eine Katastrophe. Wir mussten Mitarbeiter kündigen, weil es einfach keine Arbeit mehr gab.“

Tuningmarkt China

© Bild: christandl jürg
Das Vorkrisenniveau ist noch außer Sichtweite. Während in Europa immer weniger Leute Autos auffrisieren, brummt das Geschäft in China. „Wir haben letztes Jahr erstmals Messen in Schanghai und Peking beschickt. In Genf sind wir dagegen nicht mehr vertreten. Ich wüsste nicht, welche Kunden ich dort akquirieren soll“, gesteht Kresch. Die aufstrebende Mittelschicht Chinas steckt dagegen viel Geld in das Tuning ihrer Autos. „Ich denke, in China können wir binnen drei Jahren den Umsatz verdoppeln“, sagt sie, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Auch in Nordamerika zieht das Geschäft wieder an. „Die Leute wollen sich wieder was leisten und rüsten Autos europäischer und japanischer Hersteller auf. Wir gründen heuer in den USA eine eigene Vertriebsgesellschaft.“

Der Preisdruck steigt. Auch deswegen hat Remus im Vorjahr in Bosnien eine 6000 Quadratmeter große Fabrik gekauft und bisher neun Millionen Euro investiert. Derzeit fertigen dort 47 Mitarbeiter lohnintensive Teile.

Fabrik in Bosnien

„Arbeit ist in Bosnien um zwei Drittel billiger als bei uns. Die Fabrik in Bosnien ist die einzige Möglichkeit, die Produktion in Österreich zu halten“, sagt Kresch. Die Jobs in der Weststeiermark seien aber nicht gefährdet.

Zugekauft hat Remus auch in Schanghai. Xentis steht seit 2011 im Eigentum der Familie Kresch. Der Hersteller von Carbon-Laufrädern ist Radsportlern ein Begriff, soll aber auch Zulieferer der Automobil- und Motorradhersteller werden. So werden für Motorräder etwa Sichtteile der Schalldämpfer oder Ein- und Auslaßkappen teilweise aus Carbon gefertigt. Kresch: „Xentis hat auch für Remus gefertigt. Als Xentis in Turbulenzen gekommen ist, haben wir die Firma gekauft. Wir sehen neben den Laufrädern großes Potenzial in der Carbonfertigung.“

Für Hybridautos hat das steirische Unternehmen ein „safer“-Sound-System entwickelt. Sprich einen Auspuff-Typ, der Geräusche ähnlich jenem eines Diesel- oder Benzinmotors erzeugt. Das soll mehr Sicherheit bringen. Kresch: „Mit der Entwicklung haben wir uns einen Technologievorsprung gesichert, der sich aber noch nicht im Umsatz widerspiegelt.“ Die Remus-Chefin rechnet auch nicht damit, dass Elektro-Autos eine größere Durchdringung als zehn Prozent im Markt erreichen werden.

Die Wände der Remus-Zentrale sind vollgepflastert mit Rennsport-Fotos – Alex Wurz, Jacques Villeneuve, Karl Wendlinger und natürlich Niki Lauda. Remus hat die ersten drei gesponsort, sich aber aus der Formel 1 verabschiedet. „Ab 2005/’06 haben immer mehr Firmen auf die Formel-1-Plattform gedrängt, das Sponsoring wurde um eine Zehnerpotenz teurer. Wir sind aus Kostengründen ausgestiegen.“